Rehdens Athletik-Coach Lapenna gewährt Einblick

Fit wie nie

Das etwas andere Homeoffice: Fitnesstrainer Michele Lapenna hält häufig per „Zoom“ Kontakt zu seinen Sportlern.
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Das etwas andere Homeoffice: Fitnesstrainer Michele Lapenna hält häufig per „Zoom“ Kontakt zu seinen Sportlern.

Rehden/Bremen – Michele Lapenna kümmert sich nicht nur um die Fitness der Regionalliga-Fußballer, sondern auch um die des Handball-Drittligisten ATSV Habenhausen. Und rät von eigenständigen Übungen von Zuhause aus ab. „Das birgt Gefahren“, weiß der 48-jährige Fitnesslehrer und Sozialpädagoge.

  • Fitnesstrainer probiert Übungen zuerst selbst aus.
  • Training erfolgt in Coronazeiten per „Zoom“-Schalte.
  • Lapenna ist kein Freund von Youtube-Tutorials.

Fantasy-Klassiker wie Herr der Ringe, Ostfriesenkrimis von Klaus-Peter Wolff oder Comedy von Bastian Bielendorfer – allein schon der Blick ins Bücherregal zeigt, dass es bei Michele Lapenna zu Hause themenvielfältig zugeht. Und auch der 48-Jährige hat viele Facetten. Er ist Sozialpädagoge an einer Oberschule in Bremen-Vegesack. Es gibt auch den Fitnesslehrer Lapenna.

Dieser coacht unter anderem die Drittliga-Handballer des ATSV Habenhausen und die Regionalliga-Fußballer des BSV Rehden. Zudem betreut er das Fitnessangebot in einer physiotherapeutischen Praxis. Lockdown-Langeweile kommt da nicht auf. „Ich bin tagtäglich voll im Einsatz“, betont Lapenna.

„Ich mache mittlerweile fast alles von zu Hause aus“

Zurück zu den erwähnten Büchern. Diese stehen in einem unscheinbaren Holzregal in Lapennas improvisiertem Workout-Raum. Hier finden sich auch Aktenordner mit Beschriftungen wie „Reha-Trainer“ oder „Functional Training“. „Ich mache mittlerweile fast alles von zu Hause aus“, sagt er. Während das klassische Homeoffice zur Not auch am Küchentisch funktioniert, benötigt ein Fitnesscoach naturgemäß etwas mehr Bewegungsfreiheit. Und so entwickelt sich bei Lapenna derzeit „der Gedanke, dass ich einen größeren Sportraum brauche. Ich überlege, den Dachboden auszubauen, um dort einen richtigen Trainingsraum zu haben.“

Lapenna hat sich aber auch mit den vorhandenen Möglichkeiten sehr gut arrangiert. Während der Sport abseits der großen Profiligen seit November im Winterschlaf verharrt, ist der Sozialpädagoge ständig auf Trab. „Bis auf einen Tag habe ich seitdem täglich Sport gemacht“, sagt er: „Ich bin sozusagen in der Form meines Lebens.“ Es gehört zu seinem Arbeitseifer. „Ich will es meinen Sportlern einfach vorleben. Schließlich probiere ich die Sachen, die ich ihnen vorgebe, zunächst einmal selbst aus, um zu schauen, ob das überhaupt machbar ist“, erklärt Lapenna und fügt mit einem Schmunzeln an: „Und wenn ich das mit meinen 48 Jahren schaffe, dann muss das ein 21-Jähriger ja sowieso schaffen.“

Hört sich anstregend an. Daher mal direkt nachgefragt: Herr Lapenna, wo liegen aktuell die Schwerpunkte für Rehdens Fußballer, die schon seit Monaten nicht mehr im Team trainieren dürfen?
Sie bekommen von mir Laufpläne, aber immer nur laufen zu gehen, ist für die Jungs natürlich auch tierisch langweilig. Deshalb versuche ich, das Training für sie möglichst breit und abwechslungsreich zu gestalten.
Und zwar?
Da gibt es das HIT – das High Intensity Training. Kurze, anstrengende Übungen zum richtig Auspowern. Genauso wichtig ist aber auch Mobility-Training, Stretching, um mal ein bisschen den Druck rauszunehmen.
Dumpfes Kondition bolzen ist sowieso nicht mehr en vogue, oder?
Fußball ist ein Intervallsport. Ich sprinte höchstens acht, neun Sekunden über den Platz, ehe ich die Aktion abgeschlossen habe. Dann habe ich eine minimale Erholungsphase, um gleich wieder für die nächste Aktion bereit zu sein. Ein Beispiel?
Gerne.
Wenn du nachts den Norddeutschen Rundfunk einschaltest, kannst du manchmal ja noch die Fußballspiele von 1974 sehen. Franz Beckenbauern nimmt den Ball, schießt ihn fünf Meter nach vorne und geht gemütlich hinterher. Solche Szenen haben wir heute einfach nicht mehr. Fußball ist viel, viel dynamischer geworden.

Direkte Kommunikation ist Lapenna wichtig

Michele Lapenna schlendert von der Gerhard-Rohlfs-Oberschule Richtung Vegesacker Innenstadt, während er dies erzählt. Der 48-Jährige ist ein guter Kommunikator, spricht mit angenehmer Tonalität, ist prägnant in seinen Aussagen und unterfüttert diese immer wieder mit praktischen Beispielen. Als Fitnesstrainer ist ihm die direkte Kommunikation wichtig, um die Trainingssteuerung im Blick zu behalten. Diese fachliche Anleitung übermittelt Lapenna Rehdens Fußballern in Coronazeiten via „Zoom“-Schalte. „Ich habe derzeit immer so ein bisschen die Befürchtung, dass die Sportler zu Hause zu ihren Hanteln greifen und dort dann irgendwie versuchen, eigenständig ein Training zu machen“, sagt Lapenna: „Das birgt natürlich Gefahren.“

Erstens könnten schnell zu viele und falsche Muskeln aufgebaut werden, „was letztendlich dazu führt, dass die Beweglichkeit, die Spritzigkeit abhandenkommt“. Zweitens steige durch falsch ausgeführte Übungen das Verletzungsrisiko. Auch deshalb ist Lapenna kein Freund von Youtube-Videos. „In der Regel sind die Fitnessübungen dort zwar gut gezeigt und ausgeübt, bloß bleiben die konkreten Erklärungen dazu aus“, sagt er: „Wenn Frau Meier sieht, dass der Mensch im Video eine Kniebeuge macht, macht sie diese zwar nach – aber sie weiß gar nicht, worauf sie im Detail achten muss. Wie tief sollte sie wirklich runtergehen? Wo genau sollte das Knie sein und so fort? Das wird häufig nicht explizit genug erklärt.“ An sich spricht für Lapenna aber nichts dagegen, über Videos Fitnessinhalte zu transportieren. Er selbst überlegt, künftig abseits der „Zoom“-Meetings Übungen aufzuzeichnen, damit seine Sportler stets auf diese zurückgreifen können. Lapenna zeigt sich sowieso immer für Innovation offen. So beschäftigt er sich schon seit Jahren mit der visuell-kognitiven Wahrnehmung im Sport, ist ausgebildeter Visualtrainer, hielt dazu beispielsweise auch schon Vorträge beim türkischen Fußballverband.

Herr Lapenna, warum ist gerade für Sportler das kognitive Koordinationstraining reizvoll?
Man weiß mittlerweile, dass zum Beispiel ein Großteil der Kreuzbandverletzungen nicht durch gegnerische Einwirkungen, sondern einfach durch fehlerhafte Bewegungen passieren; weil der Körper auf eine gewisse Situation zu spät reagiert, korrigiert er mit einer unkontrollierten Bewegung – wodurch es dann zu Kreuzbandrissen kommen kann.
Liegt hier vielleicht noch ein großes brachliegendes Potenzial?
Auf alle Fälle. In diesem Bereich sind viele eigentlich erst noch am Anfang. Man muss wissen: Hinter den Augen sind je sechs Muskeln, die müssen halt auch trainiert werden. Und die Augen und das Gehirn arbeiten zusammen. Was wir sehen, wird im Gehirn verarbeitet und muss dann wiederum den Weg über die Nerven in die Muskulatur finden. Und wenn das nicht gut genug traniert ist, nehmen wir Situationen zu spät wahr und reagieren nicht entsprechend.

Lapenna hofft auf angemessene Vorbereitungszeit

Während der SSV Jeddeloh und der SV Atlas Delmenhorst das Mannschaftstaining wieder aufgenommen haben, warten beispielsweise der BSV Rehden und der VfB Oldenburg (arbeitet in Kleingruppen) noch immer auf die Trainingsrückkehr. Die U-Mannschaften der Profivereine und auch der FC Obereuland dürfen hingegen schon seit Monaten wieder auf dem Fußballplatz üben. Derzeit geht es ziemlich unterschiedlich zu bei den Vereinen der Regionalliga Nord. Nicht nur deshalb fordert Michele Lapenna eine angemessene Vorbereitungszeit, ehe der Spielbetrieb wieder Fahrt aufnimmt. „Man ist jetzt seit vier Monaten draußen“, sagt der Rehdener Athletikcoach: „Wenn nun irgendwann der Termin für den Re-Start feststehen sollte, finde ich, dass eine Vorbereitungszeit von zwei, drei Wochen viel zu wenig ist.“ Dann seien Verletzungen programmiert. 

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