Neuenkirchens Aufstiegssause geht bis zum nächsten Vormittag / „Es ist einfach unglaublich“

Die Feierbiester lassen es krachen

Abtauchen in die Glückseligkeit: Der Jubel in Neuenkirchen kannte nach dem Abpfiff keine Grenzen. ·
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Abtauchen in die Glückseligkeit: Der Jubel in Neuenkirchen kannte nach dem Abpfiff keine Grenzen. ·

Neuenkirchen - Von Arne FlüggeAls der Hahn gestern Früh das erste Mal krähte, fand der arme Kerl kein Gehör. Aus dem Vereinsheim des TV Neuenkirchen schallten noch immer lautstark die Aufstiegsgesänge, die das Gekrächze des bemitleidenswerten Federviehs übertönten. „Wir machen durch“, hatte Michael Geisler versprochen. Gesagt, getan. Die letzten Feierbiester wurden gestern Vormittag im Dorf gesichtet.

Ob Geisler dabei war, ist nicht überliefert, freilich aber vorstellbar. Mit seinem verwandelten Handelfmeter in der 47. Minute hatte der Stürmer am Sonntag seine Mannschaft zum 1:0 (0:0)-Sieg gegen den SV Mörsen-Scharrendorf und damit in die Fußball-Bezirksliga geschossen. Den Elfmeterpunkt gruben die Platzwarte Wolfgang Hoormann und Karl Speckmann für ihn als Erinnerung aus.

„Ein wenig nervös“ sei Geisler schon gewesen, als er zum Strafstoß antrat, „doch ich wusste, dass ich ihn reinmache. Ich hatte das Selbstvertrauen. Sonst wäre ich gar nicht zum Punkt gegangen“, erklärte der Schütze.

Scharrelmann – Leiden

eines Trainers

Dass seine Mannschaft trotz der Führung und nach drei umstrittenen Platzverweisen gegen Mörsen bis zum Schluss zittern musste, führte der 34-Jährige auf die enorme nervliche Anspannung zurück, der sein Team ausgesetzt war. „Der Druck war enorm. Das hat man bei allen Spielern gemerkt. Auch bei mir“, räumte Geisler ein: „Wenn du weißt, dass du unbedingt gewinnen musst, dann lähmt das irgendwie. Ob du willst oder nicht.“ Zudem hatte Mörsen über die gesamte Spielzeit eine beeindruckende Gegenwehr geleistet. Selbst in dreifacher Unterzahl nach den fragwürdigen Platzverweisen gegen Frank Sander (46.), Simon Beuke (79.) und Varuschan Chudawerdjan (90.+1) gaben die Gäste ihr letztes Hemd, versuchten alles, um noch den Ausgleich gegen eine am Ende verunsicherte, ängstliche, aber zumindest kämpferisch überzeugende Neuenkirchener Mannschaft zu holen. „Beeindruckend“, fasste Geisler die Moral des Gegners zusammen.

Der fühlte sich allerdings durch die Platzverweise und einige andere fragwürdige Entscheidungen wie ein nicht gegebenes Tor oder vermeintliche Abseitsstellungen von Schiedsrichter Morgan Düren (TSV Süstedt) um den Lohn seiner Arbeit gebracht, wodurch sich Mörsens Trainer Andreas Schultalbers sogar zu der Aussage hinreißen ließ, der Referee habe die Aufstiegsfrage mit beeinflusst. In dem Moment des Zorns vergaß „Schulti“ aber nicht, dem Gegner artig zum „letztendlich verdienten Aufstieg“ zu gratulieren.

Schließlich hatte auch Neuenkirchen in der Schlussphase dicke Kontermöglichkeiten gehabt, die aber kläglich vergeben. „Wir hatten unser Spiel nicht mehr im Griff. Wir hätten das ruhiger ausspielen und unsere Chancen nutzen müssen. Dann wäre Ruhe gewesen“, befand TVN-Kapitän Christoph Diephaus-Borchers: „So musste alles über den Kampf gehen.“ Auch Matchwinner Geisler, der nach 78 Minuten und einer unglaublichen Laufleistung völlig entkräftet den Platz verließ („Ich konnte nicht mehr, war total fertig“), hätte sich am Ende mehr Ruhe und Souveränität gewünscht. „Unterm Strich aber“, sagte Geisler, „sind wir hochverdient aufgestiegen.“

Eine Einschätzung, die Trainer Frank Scharrelmann teilte. Allerdings hätte er sich ein paar graue Haare weniger gewünscht. Das Spiel wurde für die Nerven des 45-Jährigen zur Zerreißprobe. Wie ein Irrwisch war der Coach ständig die Seitenlinie auf und ab gerannt. Nervös, angespannt, die Hände meist tief in den Taschen der Trainingshose vergraben, um sie dann wieder vors Gesicht zu schlagen oder aufmunternd zu klatschen. „Ich bin froh, dass es vorbei ist. Es war nervenaufreibend“, räumte der Coach ein.

Auch deshalb verließ Scharrelmann die Aufstiegssause bereits gegen halb eins („Wir haben ganz schön Gas gegeben, ich war fix und fertig“), während der Rest noch bis zum Vormittag weiterfeierte. „Es wird noch ein bisschen dauern, bis ich das alles realisiert habe. Es ist unglaublich, dass wir das mit unseren bescheidenen Mitteln geschafft haben“, sagte Scharrelmann, der das Team nach der Trennung von Trainer Hans Kramme im Winter übernommen hatte und nun an der Seite des neuen Coaches Jörg Rosenthal wieder auf die Co-Trainer-Position rückt: „Die Mannschaft lebt von der Kameradschaft, dem Zusammenhalt. Und der ist einfach unglaublich.“

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