Fahrenhorst statt Thüringen als Trost

Sivulka meistert „Rennsteiglauf at home“: Supermarathon über 74 Kilometer

Selbst an Flatterband über der Ziellinie hatten seine Helfer gedacht: Nach 74 Kilometern dankte Juraj Sivulka (Bild) vor allem seinen Sportfreunden Olaf Meiners und Frank Zühlke, die dafür sorgten, dass er nicht allein laufen musste.

Stuhr/Syke – 27 Jahre lang zählte der Rennsteiglauf zu den festen Terminen im Sportkalender von Juraj Sivulka. Nicht nur die anspruchsvolle, aber schöne Strecke durch den Thüringer Wald, sondern vor allem die „tolle Organisation durch so viele wunderbare ehrenamtliche Helfer mit so viel Herzblut“ haben es dem Syker angetan.

Umso mehr bedauerte der Langstreckenläufer des LC Hansa Stuhr, dass auch dieses Ereignis wegen der Corona-Pandemie ausfallen musste. Doch knapp zwei Monate nach der Absage erinnerte ihn sein Lauffreund Olaf Meiners während eines gemeinsamen Trainings daran: „Er sagte: ,Mensch, am 16. Mai wäre doch der Rennsteiglauf gewesen. Willst Du den nicht für Dich zu Hause nachlaufen?’“, berichtet Sivulka. 

Der 51-Jährige musste schmunzeln, „aber als ich später zufällig im Internet nachgesehen habe, stieß ich auf das Angebot ,Rennsteiglauf at home.’“ Jetzt hatte den 51-Jährigen das Feuer gepackt. Seine Sportkollegen Meiners und Frank Zühlke sicherten ihre Unterstützung als Begleitläufer und Helfer zu. Also lief er am Samstag eine Strecke in der Nähe des Fahrenhorster Sportplatzes, schickte die per GPS-Uhr gesammelten Daten samt Streckenverlauf und Fotos zu den Organisatoren und hofft nun auf eine offizielle Anerkennung. 

„Das wäre dann das 28. Mal hintereinander – und meine persönliche Serie würde nicht reißen“, schildert Sivulka. Als Andenken gäbe es von den Organisatoren ein Finisher-T-Shirt und eine E-Mail mit der selbst auszudruckenden Urkunde. „Aber deswegen habe ich es nicht gemacht. Ich sehe mich auch nicht als Helden, weil ich ins Ziel gekommen bin“, stellt Sivulka klar: „Helden sind für mich die Krankenhaus- und Pflegeheim-Mitarbeiter und alle, die in dieser Krise die Gesellschaft aufrecht erhalten.“ Angefangen hatte seine Liebe zu dem Event in Thüringen 1993. In den ersten elf Jahren beließ es der Syker beim Halbmarathon, fünfmal landete er auf dem Treppchen. „Dann aber fand ich den An- und Abreise-Aufwand für diese kurze Distanz zu hoch.“ 

Fortan lief er also den Supermarathon mit 73,9 Kilometern. Allein die Länge dürfte viele Ausdauerathleten abschrecken, doch hinzu kommen 3 300 Höhenmeter! Nun gut, so bergig geht es hierzulande nicht zu, doch die 74 Kilometer Länge nahm der Deutsch- und Sportlehrer in Angriff – auf der Strecke des traditionellen Fahrenhorster Silvesterlaufs, den Sivulka regelmäßig moderiert. „Selber starten konnte ich dort deshalb nicht immer, aber jetzt habe ich das alles mit einem Mal aufgeholt“, scherzt der Familienvater. 

Und am Ende der acht Runden und 7:14 Stunden zeigte das GPS sogar 850 geschaffte Höhenmeter an. Das alles hätte Sivulka aber nicht ohne Meiners und Zühlke erreicht, betont er: „Sie hatten mir versprochen, dass ich auf der Strecke nie allein sein werde.“ Sie hielten Wort – und nicht nur das: Beide versorgten ihn unterwegs mit Getränken und Snacks und organisierten weitere Begleiter: „Insgesamt waren es acht Sportler, die zwischendurch immer mal eingestiegen sind – auch auf dem Rad“, berichtet der Pädagoge. 

Genaue Zeitpunkte sorgten dafür, dass die Abstandsregeln im Zuge der Hygienevorschriften eingehalten wurden. Meiners wollte zunächst „nur“ den reinen Marathon von 42,195 Kilometern mitlaufen, „aber der Verrückte hat komplett durchgehalten“, lobte das frühere Mitglied des slowakischen B-Kaders den Mann vom SC Weyhe. Für ihn steht fest: „Beim nächsten Mal in Thüringen müssen Olaf und Frank mit.“ 

Denn Sivulka hofft, dass dieser erste „Rennsteiglauf at home“ auch der letzte sein wird, und im kommenden Jahr das Coronavirus besiegt ist. Dann darf er auch wieder „live“ auf die Strecke nach Schmiedefeld gehen – und in Eisenach mit einer Übernachtung in Ruhe regenerieren. „Denn als ich am Samstag nach Hause kam, überraschte mich unsere Tochter mit einer Liste meiner Frau“, erzählt Sivulka: „Ich hätte ja einen halben Tag für mich gehabt, die andere Hälfte sollte ich nun Rasen mähen und Hecke schneiden. Aber es war zum Glück nur ein Scherz von den beiden.“

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