Sportlerwahl Spezial

Ex-Triathlet Andreas Reinert bereut sein frühes Karriereende absolut nicht

Andreas Reinert mit Sohn Theo
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Mit neuem Rennrad und dem Sohnemann im Anhänger: Andreas Reinert kann auch heute nicht ganz auf den Sport verzichten.

Die Sportlerwahl muss wegen der Corona-Pandemie eine Zwangspause einlegen. Und doch wird das Ende des Jahres ein stückweit im Zeichen der Traditionsveranstaltung stehen. Im Rahmen unserer Rubrik „Was macht eigentlich...?“ sprechen wir mit Siegerinnen und Siegern über damals, heute und morgen. Der erste Teil von „Sportlerwahl Spezial“ beschäftigt sich mit Andreas Reinert.

  • Über Sportarten wie Tischtennis oder Judo landete Reinert beim Triathlon.
  • 2009 wurde er Deutscher Meister – nur einen Tag nach seinem Abiball.
  • Heute sind die Prioritäten klar verteilt: Familie, Arbeit, Sport.

Bremen – Er war ein Riesentalent im Triathlon, feierte schon früh in seiner Karriere große Erfolge – und beendete sie dann einfach. Mit erst 23 Jahren. Für viele kam das total unerwartet, für Andreas Reinert jedoch nicht. Acht Jahre später verrät er, dass die Entscheidung wohl überlegt war, dass er sie nicht bereut, dass er glücklich ist mit seinem Leben ohne feste Trainingspläne und Wettkämpfe. Und dann verblüfft der 31-Jährige noch mit der Aussage, als Kind und Jugendlicher „gar nicht so richtig sportlich“ gewesen zu sein.

Kaum zu glauben, wenn man sich seine Triathlon-Vita vor Augen führt. Im Alter von 18 Jahren war er bereits vierfacher Landesmeister, ein Jahr später folgte der deutsche Meistertitel in der Altersklasse U 20, wiederum zwei Jahre später wurde Reinert Europameister.

Über Sportarten wie Tischtennis oder Judo („Da war nie das Richtige für mich dabei“) und das „Joggen mit meinem Vater“ landete er 2006 beim Weyher Lauftreff. „Da waren ein paar Triathleten, und ich war irgendwann angefixt“, erzählt Reinert, denn „Ausdauer hatte ich schon immer“. Er schaffte sich ein Rennrad an – und wurde beim SC Weyhe richtig gut.

Steckbrief

Name: Andreas Reinert

Alter: 31 Jahre

Wohnort: Bremen

Beruf: Ingenieur in der Montage bei Daimler

Größte sportliche Erfolge: Europameister Kurzdistanz (2011), Deutscher Meister in der Altersklasse U 20 (2009), vierfacher Landesmeister (2008)

(Ex-)Verein: SC Weyhe

Privates: Verheiratet mit Jana, Sohn Theo (2) und Tocher Tessa Malia (sechs Wochen).

Das wohl beste und mit Sicherheit besonderste Rennen folgte bereits 2009. In der Nacht vor dem großen Sonntag im knapp anderthalb Autostunden entfernten Peine fand der für ihn noch größere Abiball in Syke statt. „Ich war erst gegen 2.00 Uhr zu Hause und habe überlegt, ob ich hinfahre oder nicht“, erinnert sich Reinert: „Zum Glück bin ich gefahren.“ Er wurde Deutscher Meister und gewann im Frühjahr 2010 die Sportlerwahl dieser Zeitung.

Doch trotz all dieser tollen Erfolge zog er sich 2012 zurück. Der Student des Wirtschaftsingenieurwesens verbrachte ein Auslandssemester in Schweden, hängte noch ein Praktikum bei Bosch in Portugal dran, „und während dieser Zeit ist der Gedanke gereift, aufzuhören“. Die Überlegung „ganz oder gar nicht“ spielte eine große Rolle, Reinert wollte sich voll auf sein Studium und seinen Job konzentrieren, machte seinen Bachelor und danach den Master an der Technischen Universität in Braunschweig, begann 2015 bei Daimler zu arbeiten, zog 2016 dafür zwei Jahre nach Stuttgart – und lebt nun wieder in Bremen.

„Das war eine richtig tolle Zeit“, sagt Andreas Reinert (hier beim Silberseetriathlon 2010) über seine Triathlon-Vergangenheit.

„Es war im Nachhinein die absolut richtige Entscheidung“, betont Reinert mit Blick auf sein Karriereende: „Ich bin froh, dass ich das alles so machen durfte, das war eine richtig tolle Zeit, die ich nicht missen will. Aber es fehlte die letzte Überzeugung, alles auf die Karte Sport zu setzen.“ Darum sei es „ein guter Zeitpunkt“ gewesen, Schluss zu machen: „Wenn es hätte weitergehen sollen, hätte ich eine Veränderung gebraucht: Noch mehr Training oder ein anderes Umfeld.“ Das wollte er nicht.

Als Triathlet hatte er mindestens zwei Trainingseinheiten pro Tag absolviert, war zum Beispiel häufig schon früh morgens um 6.30 Uhr im Becken. Dazu Athletik- und Krafttraining. „Ich wusste, ich muss Schwimmen gehen und das irgendwie in meinen Tag bekommen – ob ich Bock hatte oder nicht“, erklärt Reinert. Darum hatte er trotz der „Sportverrückheit“ auch kein großes Problem damit, „aus diesem Rhythmus rauszukommen“.

Die geballte Faust sagt alles: Andreas Reinert war mit seiner Leistung absolut zufrieden.

Seine Entscheidung damals hatte noch etwas Gutes: mehr Zeit für Privates. 2013 lernte er seine Freundin und heutige Frau Jana kennen. Zusammen haben die beiden Sohn Theo (2) und Tochter Tessa Malia (knapp sechs Wochen). Ein bisschen kompliziert wurde es für die junge Familie, als Reinert in Stuttgart arbeitete und nur an den Wochenenden zu Hause sein konnte. Die Versetzung nach Bremen, wo er als Ingenieur in der Montage arbeitet und ein wenig „das Mädchen für alles“ ist, sei daher „ein Glücksfall“ gewesen.

Reinerts Prioritäten sind klar verteilt: Familie, Arbeit, Sport. Ganz ohne Bewegung kommt er auch heute nicht aus. „Für mich ist es jetzt allerdings eher Bewegungstherapie“, erzählt er mit einem Lächeln: „Ich versuche, den Ausgleich zum Alltag zu schaffen.“ Reinert geht regelmäßig laufen oder fährt auf seinem nagelneuen Rennrad – manchmal ist sogar sein Sohn dabei. „Dann kommt der Kleine in den Anhänger“, berichtet der ehemalige Weyher. Er sei zwar „nicht mehr ganz so schnell“ wie früher: „Das ist aber auch nicht mehr so wichtig.“

Den Traum von Hawaii hat „fast jeder“

„Ich habe damals nicht aufgehört nach dem Motto: Das mache ich nie wieder“, sagt Ex-Triathlet Andreas Reinert über ein mögliches Comeback: „Ich möchte nicht ausschließen, dass ich auf den Gedanken noch mal komme.“ Der Traum vom Ironman auf Hawaii beispielsweise sei ja bei „fast jedem Triathleten“ durchaus vorhanden – so auch beim 31-Jährigen. Doch „aktuell kann ich sagen: Ich bin sehr glücklich damit, wie es gerade ist.“ Daher könnte es „noch einige Jahre dauern“, bis Reinert sich wieder an Höchstleistungen heranwagt – „oder einige Jahrzehnte“.

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