Fußball-Auswanderer atmet nach US-Wahl auf

„Biden kann nur besser sein“

Lange Fußballtage: Ob als Jugendcoach beim FC Cheshire SC, als privater Fußballtrainer oder als Aktiver beim New Amsterdam FC: Tobias Esche hat viel zu tun im US-amerikanischen New Haven.
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Lange Fußballtage: Ob als Jugendcoach beim FC Cheshire SC, als privater Fußballtrainer oder als Aktiver beim New Amsterdam FC: Tobias Esche hat viel zu tun im US-amerikanischen New Haven.

Corona und US-Wahlen - Tobias Esche ist zwar erst seit neun Monaten in den USA, hat aber bereits aufregende Zeiten erlebt. Der Ex-Fußballer des BSV Rehden lebt trotz aller Turbulenzen seinen Traum.

  • - Fußball-Auswanderer Tobias Esche erlebt die US-Wahl relativ entspannt.
  • - Der Ex-Rehdener ist beruflich bereits angekommen als Trainer in den Staaten.
  • - „Ich kann davon leben, was ich liebe.“

New Haven – Die Flanke konnte noch so unberechenbar sein, Tobias Esche stand dort, wo sie runterfiel. Er war nie der Schnellste, aber fast immer der Erste am Ball. Es schien, als wisse er immer eher als alle anderen, was als Nächstes passieren wird. Diese vorausschauende Art, dieses Antizipationsvermögen zeichnet Esche auch fernab des Fußballplatzes aus.

Es war bereits nach Mitternacht, als Tobias Esche an der Ostküste vor dem TV saß und sich die US-Landkarte mehr und mehr in republikanisches Rot färbte. Donald Trump twitterte („a big WIN“), ehe er eine Stunde später vor die Kamera trat: „Offen gesagt, wir haben diese Wahl gewonnen.“ Es bereitete Esche keine schlaflose Nacht. „Mir war aufgrund der vielen Briefwahlstimmen eh klar, dass sich die Auszählung noch hinzieht“, betont der 29-Jährige: „Deshalb war ich ziemlich entspannt.“ Das Ende ist bekannt: Biden bereitet sich als President-elect auf die Amtsübernahme vor, Trump bleibt nur die Klagewelle und das Golfspielen.

Esches Greencard zwei Jahre gültig

Esche ist vor allem froh, dass die befürchteten Unruhen ausgeblieben sind. In den Tagen vor der Wahl war die Nervosität spürbar und sichtbar. Wenn Esche, erst im Februar in die USA ausgewandert, von New Haven zum Fußballtraining nach New York City fuhr, beobachtete er aus dem Autofenster heraus, wie Ladenbesitzer ihre Schaufenster mit Spanplatten vernagelten.

Der Spuk ist vorbei; der einwanderungskritische Trump abgewählt. Gut für Esche. Aber nicht nur. „Ich glaube, dass der Wahlausgang für alle gut ist. Trump ist gegen gleichgeschlechtliche Ehe, will keine Abtreibung, hat zwischendurch einen Einwanderungsstopp verhängt“, zählt Esche auf: „Aufgrund dieser ganzen Agenda kann Biden einfach nur besser sein als Trump.“

Esches Greencard ist zunächst für zwei Jahre gültig. Er wird versuchen, sie 2022 zu verlängern. Denn er ist zwar erst seit neun Monaten in Übersee, hat aber längst Anker gelegt. „Bisher ging alles so auf, wie ich es mir gedacht und erhofft hatte“, sagt Esche: „Ich kann heute davon leben, was ich liebe.“ Vom Fußball.

Bis Februar hatte der 1,88 Meter große Blondschopf – dessen strahlendes Lachen sich gut auf jeder Kinderschokoladenpackung machen würde – noch für den BSV Rehden in der Regionalliga gespielt. Nun ist er vor allem als Trainer gefragt. „Ich habe in den vergangenen Monaten eigentlich jeden Tag von morgens zehn Uhr bis abends acht Uhr gecoacht“, berichtet der 29-Jährige. Er ist Assistenztrainer an der Quinnipiac University, hat zwei Jugendteams beim Cheshire SC, gibt Einzelstunden. Zudem spielte er selbst bis vor wenigen Tagen noch beim New Amsterdam FC in New York. „Ich bin viel unterwegs“, sagt der Hans Dampf in allen Gassen.

Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht erfüllt nach Hause gehe.

Tobias Esche

Das Pensum ist enorm. „Wenn ich nach einem normalen Arbeitstag abends nach Hause komme, zeigt meine Fitnessuhr an, dass ich 25 bis 30 Kilometer zurückgelegt habe – und zwar nur vom reinen Coaching.“

Spielformen aufbauen, vormachen, dazu ständige Kommunikation – Esche ist umtriebig auf dem Platz. „Manche sagen, dass ich während des Trainings auch mal mehr stehen bleiben sollte“, verrät Esche: „Aber gerade bei jüngeren Kids ist es mir wichtig, dass ich ihnen so viel Aufmerksamkeit wie möglich schenke, ihnen Feedback gebe.“ Abends sei es dann schon mal so, „dass ich echt gut kaputt bin“. Es ist eine positive Erschöpfung: „Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht erfüllt nach Hause gehe.“

Einsame Feiertage

Neben Pfeife und Markierungshütchen gehört mittlerweile auch der Mund- und Nasenschutz fest zum Trainer-Equipment dazu. Tobias Esche hat sich längst dran gewöhnt. „Natürlich gibt es auch hier in den USA, wo alles auf Freiheit aufgebaut ist, Corona-Leugner, die sich strikt weigern, eine Maske zu tragen“, sagt der 29-Jährige. Freilich sei diese kein Allheilmittel, „aber sie verringert zumindest die Ausbreitung des Coronavirus“. Und so heißt es bei jeder Trainingseinheit: Maske auf. Anders als in Deutschland rollte der Fußball bei den Kids und Jugendlichen im US-Bundesstaat Connecticut bis zuletzt weiter. Nun ist Pause, ehe die Indoor-Saison beginnt. Zwar ist von einem Lockdown in Connecticut noch keine Rede, die Corona-Maßnahmen wurden aber erst in der vergangenen Woche verschärft. So dürfen sich maximal noch zehn Personen zu privaten Zusammenkünften treffen, Restaurants mussten ihre Kapazitäten von 75 auf 50 Prozent herunterschrauben. „Für mich sind das im Alltag bisher keine riesigen Einschränkungen“, betont Esche. Die Pandemie hat ihm aber auch einen ordentlichen Strich durch die Rechnung gemacht. „Eigentlich wäre ich in der nächsten Woche nach Deutschland gekommen. Aber die Lufthansa hat meinen Flug gecancelt.“ Und auch aus dem geplanten Thanksgiving bei der Familie seiner Frau Hailey Watt im fünf Flugstunden entfernten Colorado wird aufgrund von Quarantänevorgaben nichts. Esche stellt sich schon jetzt auf einen beschaulichen Jahresausklang ein. „Erstmals werden wir wohl auch Weihnachten komplett alleine verbringen. Das wird schon merkwürdig sein.“  wie

Von Daniel Wiechert

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