ZOLLSTOCK-GESPRÄCH Sykes Wasserballer HakonStraßheim: Zwischen Quarantäne und Homeoffice

„Es fehlt die Perspektive“

Das Wassergefühl ist bereits „baden“ gegangen: Seit Oktober war Sykes Wasserballer Hakon Straßheim (vorne) nicht mehr im Becken. Das ärgert den 32-Jährigen, wie er im „Zollstock-Gespräch“ mit Sportredakteur Julian Diekmann erklärt.
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Das Wassergefühl ist bereits „baden“ gegangen: Seit Oktober war Sykes Wasserballer Hakon Straßheim (vorne) nicht mehr im Becken. Das ärgert den 32-Jährigen, wie er im „Zollstock-Gespräch“ mit Sportredakteur Julian Diekmann erklärt.

Syke – Das Wasser ist Hakon Straßheims Element. Doch auf dieses muss der Wasserballer des TuS Syke bereits seit Oktober verzichten. Das nervt den 32-Jährigen. Er wünscht sich von der Politik Öffnungsperspektiven für Hallenbäder, wie er im „Zollstock-Gespräch“ erklärt. Darin beschreibt er auch, warum er sich kürzlich in Quarantäne begeben musste – und warum er verstehen kann, dass Sportlerinnen und Sportler in der Coronazeit ihren Vereinen den Rücken kehren.

Steckbrief

Name: Hakon Straßheim

Alter: 32 Jahre

Wohnort: Weyhe

Beruf: Speditionskaufmann

Größte sportliche Erfolge: Teilnahme an der Norddeutschen Meisterschaft mit dem Weyher SV sowie zwei Pokalsiege mit den Wasserballern des TuS Syke

Vereine: TuS Syke und Weyher SV

Privates: ledig, keine Kinder

Über ein Jahr Corona-Maßnahmen: Was war für Sie richtig, was falsch?

Richtig ist mit Sicherheit, dass wir uns alle zurücknehmen, die AHA-Formel einhalten. Doch gerade die krassen Beschränkungen, wie zum Beispiel eine Ausgangssperre, hätten für mich schon viel früher kommen müssen. Ich bin der Überzeugung, dass, wenn schon vor Weihnachten ein harter Lockdown für zwei Wochen gemacht worden wäre, wir viel besser durch den Winter gekommen wären. Gerade, weil die Impfstoffbesorgung nicht ganz glücklich verlaufen ist.

Was ist Ihr Corona-Projekt?

Ich habe kein richtiges Corona-Projekt. Mein Projekt ist es eher, trotz Corona fit zu bleiben, dass ich auch im Wasser, wenn die Hallen- und Freibäder mal wieder geöffnet sind, nicht erst wieder das Schwimmen lernen muss (lacht). Das letzte Mal im Hallenbad war ich im Oktober des vergangenen Jahres.

Welcher ist Ihr Lieblingsort, um Kraft zu tanken?

Da muss ich natürlich nicht lange überlegen: Schwimmbäder! Mich entspannen sie total. Beim Schwimmen bin ich für mich, kann einfach Kacheln zählen. Das holt mich runter. Da es zurzeit jedoch nicht geht, setze ich mich bei schönem Wetter aber auch gerne mal auf meinen Balkon, lese ein gutes Buch. Mittlerweile ist die Lust nach Schwimmen aber so groß geworden, dass ich mich hin und wieder auch mal in meinen Neoprenanzug schmeiße und eine Runde durch den Silbersee schwimme. Lange halte ich es aber nicht aus. Eine halbe Stunde geht aber immer.

Kein Training, keine Wettkämpfe, vielleicht andere Hobbys: Wie sehr beschäftigen Sie sich in der Coronazeit damit, weniger leistungsorientierten Sport zu treiben oder gar ganz damit aufzuhören? Oder ist die Lust aktueller denn je?

Das variiert. Als die Schwimmbäder Ende vergangenen Jahres wieder geschlossen worden sind, dachte ich mir nur: Verdammt, jetzt hast du so viel getan, hattest ein richtig gutes Wassergefühl, warst fit wie lange nicht mehr. Da bin ich endlich mal wieder schnelle Zeiten im Vergleich zu vor Corona geschwommen. Und jetzt wird alles schon wieder ausgebremst. Da überlege ich schon: Habe ich noch mal Lust dazu? Ich kann für mich aber beantworten, dass es mir fehlt. Ich kann ausschließen, dass ich in den kommenden zwei Wochen das Schwimmen aufgebe (lacht). Aber ich bin ehrlich: Es gab durchaus auch mal den einen oder anderen schwachen Moment, an dem ich dachte, wofür soll ich weiterhin leistungsorientierten Sport treiben, wenn kein Ziel am Horizont erkennbar ist. Daher kann ich auch gut verstehen, dass Sportlerinnen und Sportler sagen, sie haben jetzt andere Prioritäten, weil sie seit fast eineinhalb Jahren keinen Vereinssport mehr ausüben können.

Selbsttests und/oder Schnelltests: Würden Sie diese Regelmäßig in Kauf nehmen, um wieder trainieren zu können?

Ja, auf jeden Fall. Wir sind jedoch an die Verordnungen der Schwimmbäder gebunden. Und darüber entscheidet letztendlich die Politik. Was die Vereine eventuell dazu beitragen könnten, wäre, ein Hygienekonzept mitzugestalten.

Buch, Serie oder Film – was haben Sie zuletzt gelesen oder geschaut?

Ich lese gerade das Buch „Becoming Michelle Obama“, welches ihren Lebensweg beschreibt. Für mich sind die Obamas eine spannende Familie. Als Serie schaue ich gerade „Riverdale“. Das ist leichte Unterhaltung. Gut, um abzuschalten.

Arbeiten im Homeoffice – angenehme Abwechslung oder Belastung?

Ich empfinde es als angenehme Abwechslung. Ich spare mir dadurch Fahrzeit. Wenn ich um 8.00 Uhr meinen ersten Termin habe, dann reicht es auch mal aus, erst um 7.45 Uhr aufzustehen und nicht schon um 6.30 Uhr (lacht). Zudem kann ich mich besser auf meine Themen konzentrieren, es kommt keiner mal eben ins Büro, der eine kurze Frage hat. Natürlich arbeite ich im Homeoffice jetzt nicht acht Stunden am Stück durch, sondern stelle auch mal eine Waschmaschine an oder koche mir einen Kaffee. Ich glaube aber, dass sind auch die Pausen, die man im normalen Office auch machen würde. Ich habe jedenfalls festgestellt, dass ich im Homeoffice konzentrierter arbeite. Ich wünsche mir, dass, wenn die Pandemie endlich mal vorbei sein sollte, es einen Mittelweg gibt, sodass mann das Büro mit dem Homeoffice verbinden kann.

Corona-Impfung: Ja oder Nein?

Auf jeden Fall. Zumal ich gerade erst kürzlich in Quarantäne gehen musste, weil es mehrere positive Corona-Befunde an der Arbeitsstelle meiner Freundin gegeben hatte. Wir waren zum Glück negativ, durften die Quarantäne nach einer Woche wieder beenden. Es war aber schon ein Gefühl des Eingesperrtseins. Daher ist Impfen das Einzige, das uns aus der Pandemie herausholt. Ich kenne Personen, die Corona hatten, und ein halbes Jahr später immer noch Probleme beim Treppensteigen haben. Deswegen bin ich fürs Impfen. Da ich Asthma habe, durfte ich mich auch schon auf die Liste setzen lassen. Somit warte ich gerade auf meinen ersten Impftermin.

Stadion, Konzert, Theater, Urlaub – oder Ähnliches? Was machen Sie zuerst, wenn es wieder erlaubt ist?

Ganz klar: Urlaub. Er fehlt mir. Ich war vorher sehr viel unterwegs. Und wenn es nur ein Städte-Trip für ein Wochenende war. Das fällt jetzt natürlich alles flach. Vergangenes Jahr gab es ja praktisch gar keinen Urlaub. Ich war gerade mal für eine Woche auf Fehmarn. Es war auch sehr schön. Ich würde auch gar nicht sagen, ich muss jetzt unbedingt möglichst weit weg reisen. Einen Urlaub zu Hause zu verbringen, ist sicherlich auch mal ganz schön, aber man hat dann doch immer etwas zu tun, irgendwas bleibt dann ja immer liegen. Deswegen wäre mal wieder richtig Urlaub machen schon schön.

Trotz fast 25 Millionen Mitgliedern in Deutschland: Der Vereinssport wird in der Bund-Länder-Treffen kaum thematisiert – kommt der Breitensport Ihrer Meinung nach zu kurz in der öffentlichen Betrachtung?

Der Breitensport kommt meiner Ansicht nach auf jeden Fall zu kurz. Im Vergleich zu anderen Sportarten durfte der Profifußball schnell wieder loslegen. Da wurde erzählt, dass viele Arbeitsplätze dranhängen. Das mag auch so sein. Trotzdem kann ich nicht verstehen, dass hoch bezahlte Fußballer, nur kurzzeitig Gehälterkürzungen akzeptiert haben. Wenn ich sehe, dass Menschen, die im Breitensport arbeiten, in Kurzarbeit gehen, teilweise ihren Job verloren haben, dann passt es für mich einfach nicht zusammen. Wie erkläre ich Kindern, dass die Bundesliga wieder spielen darf, sie aber mit ihren Freunden auf dem Bolzplatz nicht gegen den Ball treten dürfen? Ich würde mir auch wünschen, dass Hallensportarten wie Handball, Basketball oder Korbball unter gewissen Hygienekonzepten wieder ausgeübt werden dürfen. Das gilt natürlich auch für das Schwimmen. Doch da fehlt gerade irgendwie die Perspektive . . .

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