Knöchelverletzung wirft erfolgreichen Dreispringer zurück

Louis Knüpling beendet Karriere

Louis Knüpling beim Dreisprung.
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Sagt der Leichtathletik und „seiner“ Disziplin, dem Dreisprung, als Leistungssportler lebewohl: Louis Knüpling hat seine Karriere beendet.

Er hat sich vor allem mit starken Leistungen im Dreisprung einen Namen gemacht, doch jetzt ist Schluss: Louis Knüpling vom TSV Asendorf hat nach einer langwierigen Knöchelverletzung seine Karriere beendet.

  • 26-Jähriger findet während der Pandemie keine Trainingsgruppe für das Laufen.
  • Blondschopf hat während seiner erfolgreichen Wettkampfzeit viele Erfahrungen gesammelt.
  • Gebürtiger Scholener spielt leidenschaftlich gern Tennis.

Hannover – Louis Knüpling hatte diesen klaren Plan. Qualifikation zur Deutschen Freiluftmeisterschaft im Berliner Olympiastadion, ein letztes Dreisprung-Hurra an einem der größten Orte der deutschen Sportgeschichte. Um anschließend seiner Leichtathletik-Disziplin lebewohl zu sagen und sich noch- mal im 400-Meter-Langsprint auszuprobieren. Doch dann kam diese vermaledeite Landesmeisterschaft.

Nach einer ohnehin durchwachsenen Vorbereitung knickte er Ende Juni 2019 um, prellte sich den Knöchel, auch zwei Bänder waren angerissen. Die DM-Norm schaffte er nicht, und wie es mit seiner Karriere weitergehen sollte – das stand in den Sternen.

Nun ist es klar: Knüpling macht Schluss. „Die Verletzung hat sich echt lange gezogen, bis Anfang 2020“, erzählt der 26-Jährige: „Damit war ich aus dem Training raus. Und mir war klar: Wenn ich noch mal anfange, um ein paar Wettkämpfe zu machen, könnte es sein, dass ich nicht zu einer Leistung kommen würde, die mich zufrieden stellt.“ Die Option, im Dreisprung noch mal anzugreifen, war also keine wirkliche. Und für das Laufen fand er in der zu dieser Zeit aufkommenden Pandemie „nicht so richtig eine Trainingsgruppe. Damit fehlte die letzte Motivation. So ein bisschen kam alles zusammen.“ In der Leichtathletik messe man sich an Zahlen, erklärt Knüpling: „Und wenn man schlechter wird, vergeht die Lust.“ Diese Erfahrung musste der Senkrechtstarter in seiner langen Karriere jedoch selten machen.

In der Saison 2016 lief Knüpling „alles glatt“

Mitte der Nullerjahre führte ihn das „Interesse“ an der Leichtathletik („Ich habe es immer gerne im Fernsehen verfolgt“) zu seinem Sport und zum TSV Asendorf mit Trainerin Ute Schröder. „Sie hatte damals schon gute Dreispringer, Neele (Eckhardt, d. Red.) zum Beispiel, und meinte: Probier‘ das doch einfach mal aus“, erinnert sich Knüpling: „Das habe ich gemacht und war erstaunlich gut, ich bin elf Meter gesprungen.“ Einen halben Meter weniger weit als für die Norm zur Landesmeisterschaft nötig. Entsprechend sei „klar“ gewesen, „dass ich in meinem ersten Wettkampf Dreisprung mache“, meint Knüpling – er sprang 12,36 Meter weit. „Damit war ich dann praktisch gefangen und kam aus der Nummer nicht mehr raus“, sagt er grinsend.

Ein Riesensprung folgte dem nächsten, über mehrere Landesmeisterschaften ging es 2016 sogar bis zur U23-DM nach Wattenscheid. Und mit 15,18 Metern hievte Knüpling sich auf Platz drei. „In der Saison lief alles glatt“, schwelgt er in Erinnerungen: „Da war ich körperlich auch noch mal besser drauf, das hat mir ein ganz anderes Selbstbewusstsein gegeben.“

In der Leichtathletik gibt es eine ganz tolle Gemeinschaft, in der Regel verstehen sich alle gut und freuen sich, sich wiederzusehen.

Louis Knüpling

In anderen Jahren sei er hingegen „zu verkrampft“ gewesen: „Dreisprung ist viel Kopfsache, und bei mir war der Kopf meist eher ein Hindernis.“ Auch deshalb hat er nun das Gefühl, „dass ich noch ein bisschen mehr hätte rausholen können“ aus seiner Karriere – doch das eher negative Gefühl überwiegt nicht. „Es ist ja nicht so, dass ich knapp an der Olympia-Norm vorbeigeschrammt wäre oder so“, erklärt der in Hannover lebende Knüpling. Darum blickt er viel lieber auf das Positive zurück.

„Ich habe total schöne Erinnerungen an die Zeit und tolle Erfahrungen gesammelt, die ich behalte“, betont der Blondschopf: „Im Rückblick bin ich allemal zufrieden, weil ich, als ich angefangen habe, nie gedacht hätte, dass ich mal 15 Meter springen oder 100 Meter in unter elf Sekunden laufen würde. Ich habe die Erwartungen an mich total übertroffen.“

Interesse fürs Schwimmen entdeckt

Knüpling ist glücklich mit seinem Leben ohne den Leistungssport, hat mehr Zeit für seine Promotion im Bereich Geografie. Und für anderen Sport. „Während meiner Verletzung habe ich das Schwimmer so ein bisschen für mich entdeckt, das ist eine gute Variante, sich mal auszupowern“, erzählt er, auch wenn er wegen der Corona-Krise derzeit darauf – wie auch auf das Fitnessstudio – verzichten muss: „Außerdem mache ich auch, was viele Leute im Lockdown so machen, also Yoga und so.“ Seine größte neue, alte Leidenschaft ist allerdings das Tennis. „Das war es auch schon vor Leichtathletik“, sagt Knüpling: „Ich versuche, so oft wie möglich spielen zu gehen.“

Es auch mit dem Schläger in der Hand bis in den Leistungssport zu schaffen, das will der gebürtiger Scholener gar nicht erst versuchen – obwohl er dem intensiven Training schon ein bisschen hinterher trauert, wie er zugibt: „Das hat mir immer Spaß gemacht.“ Beim Tennis jedoch sei „das Leistungsniveau viel höher, das ist mir einfach zu weit weg“. Um sich noch einmal einer Sache so zu widmen wie der Leichathletik, bräuchte Knüpling ein „persönliches Leistungsziel, wie eine Triathlon-Zeit zum Beispiel“. Tennis hingegen ist für ihn ein Hobby – nicht mehr, aber vor allem auch nicht weniger.

Derzeit freut sich Knüpling vor allem darüber, seine „Zeit flexibler gestalten zu können“ – und keinen klaren Plan mehr zu haben.

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