Fußball-Saison in Niedersachsen abgebrochen

Endlich Klarheit im Peppermint Pavillon

Moderator Andreas Wurm (vorn) führte durch den Verbandstag. Mit auf dem Podium in Hannover waren noch (v.l.) NFV-Direktor Jan Baßler, NFV-Vizepräsident Finanzen Hans-Heinrich Hahne, NFV-Präsident Günter Distelrath und NFV-Direktor Steffen Heyerhorst. 
Foto: nfv/borchers
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Moderator Andreas Wurm (vorn) führte durch den Verbandstag. Mit auf dem Podium in Hannover waren noch (v.l.) NFV-Direktor Jan Baßler, NFV-Vizepräsident Finanzen Hans-Heinrich Hahne, NFV-Präsident Günter Distelrath und NFV-Direktor Steffen Heyerhorst. Foto: nfv/borchers
  • Malte Rehnert
    vonMalte Rehnert
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Hannover – Es hat lange gedauert – doch am Ende ging es ganz schnell. Seit Monaten erwarteten die Fußballvereine in Niedersachsen eine Antwort auf die Frage, was denn nun mit der wegen der Corona-Pandemie unterbrochenen Saison passiert. Nun wissen sie Bescheid. Der außerordentliche Verbandstag des Niedersächsischen Fußballverbands (NFV) brachte am Samstagvormittag nach nur 82 Minuten den endgültigen Entschluss: Die Spielzeit wird abgebrochen – mit Aufsteigern, aber ohne Absteiger.

So hatte es der NFV-Vorstand beantragt, so votierten dann auch die meisten Delegierten. „Ich bin froh, dass endlich Klarheit herrscht“, sagte Andreas Henze, der Vorsitzendes des Fußballkreises Diepholz: „Nun können wir Spielpläne machen und die Staffeln für die kommende Saison planen.“ Wann diese aber beginnen kann, ist nach wie vor offen. Ähnlich wie NFV-Präsident Günter Distelrath (siehe Kasten) gibt sich auch der Bassumer Henze recht optimistisch: „Ich hoffe, dass es Anfang September losgehen kann.“

Zudem blieb unklar, was aus den Pokalwettbewerben wird, die noch nicht abgebrochen oder anderweitig beendet worden sind. Das interessiert aus dem Kreis Diepholz vor allem Regionalligist BSV Rehden, der im Halbfinale des Niedersachsenpokals steht und auf eine Teilnahme am DFB-Pokal hofft.

Henze: „Es hat alles hervorragend geklappt“

Als die Veranstaltung begann, saß Henze zu Hause vor seinem Computer und schaltete sich zu. Der 51. Verbandstag war der erste, der virtuell stattfinden musste. Das Präsidium und die Direktoren des NFV hatten sich im Peppermint Pavillon des hannoverschen Expo Parks versammelt, alle anderen Teilnehmer waren bei der Videokonferenz über die Plattform Webex dabei. „Es war alles sehr professionell und hat technisch hervorragend geklappt, richtig toll“, lobte Henze den Ablauf der Online-Premiere – und auch den Moderator Andreas Wurm: „Ein sehr sympathischer Auftritt.“

Henze und alle anderen Delegierten konnten zu Hause auf ihren Geräten lediglich das Geschehen im Peppermint Pavillon verfolgen, „und wenn jemand sich zu Wort gemeldet hat, war er auch zu sehen und zu hören. Aber nur dann“.

Laut Pressemitteilung des NFV stellte Distelrath in seiner Begrüßung noch mal heraus, „dass wir in einer noch nie dagewesenen Ausnahmesituation alle gemeinsam überlegen mussten, wie wir zu belastbaren und nach Möglichkeit nicht angreifbaren Ergebnissen im Umgang mit der Saison 2019/20 kommen, die den Vereinen zugleich eine gewisse Planungssicherheit bietet. Und dies vor dem Hintergrund, dass natürlich die politischen und behördlichen Anordnungen jederzeit zu beachten sind.“ Dass es keine Patentlösung gebe, die alle Vereine jubeln lässt, sei allen klar gewesen.

91,1 Prozent für das Abbruch-Modell

NFV-Justiziar Steffen Heyerhorst erläuterte anschließend die Reihenfolge der insgesamt elf Anträge zum Umgang mit dem unterbrochenen Spieljahr. Als erstes kam Dynamo Lüneburg dran. Der Club hatte eine Annullierung der Saison 2019/20 angeregt: 275 Delegierte (94,8 Prozent) sprachen sich mittels des Online-Voting-Tools „teambits“ dagegen aus – abgeschmettert. Dann folgte der NFV-Antrag, der einen Saisonabbruch nach Quotientenregelung mit Auf- (Regelaufsteiger und Relegationsplatz), aber ohne Abstieg vorsieht. Gewertet werden die Tabellenstände vom 12. März 2020 – seither ruht der Ball. Von den 291 Stimmen (nicht alle der 324 Delegierten nahmen teil) waren 265 dafür. Das entspricht satten 91,1 Prozent. Hinzu kamen drei Enthaltungen und 23 Gegenstimmen. „Dass es ein so eindeutiges Ergebnis gibt, hat mich überrascht“, meinte Henze: „Ich hatte schon mit einer Mehrheit gerechnet, aber eher so um die 70 Prozent.“ Er selbst stimmte gegen den NFV-Vorschlag, seine favorisierte Option war ein Saisonabbruch mit Auf- und Absteigern. Wie die anderen sieben Delegierten aus dem Kreis Diepholz votiert haben, „kann ich nicht sagen, weil ich es nicht weiß“, erklärte Henze: „Wir haben vorher nicht darüber gesprochen.“ Ganz bewusst hatte der Kreis keine Mitglieder aus seinem Vorstand zur Abstimmung nominiert, sondern auschließlich Vertreter aus Vereinen. „Und zwar  aus unterschiedlichen Ebenen“, sagte Henze: „Um die Vereine geht es ja schließlich.“ Die Wahl fiel auf den FC Sulingen, den SC Twistringen, den TVE Nordwohlde, den TSV Heiligenrode, den TSV Süstedt, die TSG Seckenhausen-Fahrenhorst und AS United.

Sulingens Antrag nicht behandelt

Nach dem klaren Votum entfielen die Abstimmungen zu den weiteren Grundanträgen – unter anderem hatte sich der TuS Sulingen für eine Fortsetzung des Spieljahres ausgesprochen. 248 Delegierte (85,5 Prozent und damit genug) stimmten schließlich für den Antrag des Verbandes, erforderliche Änderungen der Satzung und Ordnung im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie endgültig beschließen zu können. Fortan ist demnach dafür kein außerordentlicher Verbandstag mehr nötig.

Zur Person: Distelrath plädiert für schnellen Start

NFV-Präsident Günter Distelrath ist „wirklich guten Mutes, dass die Monate der Ungewissheit bald enden werden – und wir Fußball nicht nur im Training, sondern auch wieder unter Wettkampfbedingungen spielen können“. Wann  die neue Saison in Niedersachsen starten kann, ist wegen Corona ungewiss. Distelrath sprach sich beim Verbandstag – auch angesichts sinkender Infektionszahlen – für eine neue Bewertung der Situation aus: „Untersuchungen weisen darauf hin, dass Fußball, anders als Boxen oder Ringen zum Beispiel, keine Kontaktsportart im Sinne langanhaltender, statischer Ganzkörperkontakte mit hohem Infektionsrisiko ist. Vielmehr ist Fußball eine Sportart mit Kontakt über wenige Sekunden mit geringer Kontaktfläche. Vor diesem Hintergrund scheint es vertretbar, die Einschränkungen des Fußballspielens im Freien komplett aufzuheben.“

Hintergrund: Abgelehnte Anträge

Nach der Annahme des NFV-Antrags zum Saisonabbruch standen mehrere Ergänzungs-/Änderungsanträge zur Abstimmung – alle wurden abgelehnt: • Neben dem jeweiligen Regelaufsteiger steigt in den jeweiligen Klassen auch der aktuelle Tabellenzweite auf. Antragsteller: VfB Rot-Weiß 04 Braunschweig, SV Wilhelmshaven. Abstimmung: 227 Nein-Stimmen, 34 Ja-Stimmen, 29 Enthaltungen. • Sollte der nach der Quotientenregelung ermittelte Aufsteiger nicht identisch mit dem Tabellenersten nach der Hinrunde sein, so steigt auch der Tabellenerste der Hinrunde auf. Dieser wird ebenfalls nach der Quotientenregelung ermittelt. Antragsteller: MTV Treubund Lüneburg. Abstimmung: 247 Nein-Stimmen, 30 Ja-Stimmen, 13 Enthaltungen. • Die Hinrundentabelle soll per Quotientenregelung über Auf- und Abstiege entscheiden. Antragsteller: SSV Kästorf. Abstimmung: 234 Nein-Stimmen, 20 Ja-Stimmen, 38 Enthaltungen.

Hintergrund: „Keine Verluste“ bei Männer-Mannschaften in Diepholz

Die Frist zur Meldung von Frauen- und Männer-Mannschaften für die kommende Saison ist im Kreis Diepholz bereits abgelaufen – und hat laut dem Kreisvorsitzenden Andreas Henze ein „sehr erfreuliches Ergebnis“ gebracht: „Wir haben im Bereich Herren, Altherren und Altsenioren keine Verluste an Mannschaften und bei den Damen nur drei Teams weniger.“ Das ist angesichts der langen Zwangspause wegen der Corona-Pandemia keine Selbstverständlichkeit. „Ich bin auch positiv überrascht, zumal es in anderen Kreisen anders aussieht“, berichtet Henze: „Man sieht daran, dass sich die Vereine im Kreis viele Gedanken und Mühen gemacht haben, um ihre Leute beim Fußball zu halten.“ Die Mannschafts-Meldungen im Jugendbereich müssen bis Mitte Juli eingehen.

Von Malte Rehnert

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