Vom „kleinen Sven“ Engelmann, der als Spieler und Trainer ein Großer wurde

Das Ende einer Ära

Meister seines Fachs: Sven Engelmann ist ein Handballverrückter. Sein Wissen hat er in Grambke und Brinkum (jetzt HSG Stuhr) an seine Spieler weitergegeben. FOTO: WESTERMANN
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Meister seines Fachs: Sven Engelmann ist ein Handballverrückter. Sein Wissen hat er in Grambke und Brinkum (jetzt HSG Stuhr) an seine Spieler weitergegeben.

Stuhr - Sven Engelmann ist jetzt 53 Jahre alt – und zum ersten Mal in diesen 53 Jahren nimmt sich der im positivsten Sinne Handballverrückte eine Auszeit von seinem Sport. Engelmann ist mit dem durch Corona etwas vorgezogenen Ende der Saison 2019/20 nicht mehr Coach der HSG Stuhr. Und vorerst auch kein Trainer bei einem anderen Verein.

Wobei: Eine wirkliche Auszeit ist es nicht. Ganz ohne Handball kann, muss und wird Engelmann nicht auskommen. „Meine Frau, die ja auch mal in der 2. Bundesliga gespielt hat, und ich gucken gerne bei unserem Sohn zu, der in Hannover spielt“, sagt Engelmann, „auch Bundesliga-Handball schauen wir häufig. Die Handballbegeisterung liegt in der Familie.“

Warum er sich dennoch als Trainer zurückzieht, ist relativ einfach zu erklären. „Der Hauptgrund ist der Beruf“, erzählt der Siebdruck-Meister, der seit zwei Jahren in Lohne arbeitet und mittlerweile dort Abteilungsleiter ist: „Ich bin einfach mehr unterwegs. Wir haben Filialen in Slowenien und Südafrika, ich war zuletzt schon das eine oder andere Mal nicht bei der Mannschaft, zum Beispiel weil ich mal über ein Wochenende nach Slowenien musste.“ Wenn Engelmann etwas angeht, dann immer mit 100 Prozent. Das kann er für seinen Verein einfach nicht mehr gewährleisten, „darum höre ich auf.“

Nach 14 Jahren beim FTSV Jahn Brinkum (der 2016 in die HSG Stuhr übergegangen ist) – und einer intensiven Zeit voller Handball.

Die ersten Schritte machte der Linkshänder bei der SG Marßel, spielte dort bis zur B-Jugend. Dann zog es ihn zum TV Grambke (mittlerweile zum SV Grambke/Oslebshausen fusioniert) in die A-Jugend-Oberliga. Nach einem Jahr in der Zweiten gab der exzellente Abwehrspieler mit den riesigen Händen in der ersten Herren zwölf Monate lang den Bankdrücker, musste mitansehen, wie sein Team abstieg. „Viele Spieler sind dann gegangen“, erinnert sich Engelmann: „Dadurch durfte der kleine Sven auch mal spielen.“ Und er wurde zum Leistungsträger, stieg mit Grambke nach ein paar Jahren in die 2. Bundesliga auf, in der er „insgesamt sechs Jahre lang“ gespielt hat.

Dann erwischte ihn jedoch mal wieder das Verletzungspech. „Ich hatte insgesamt drei Kreuzbandrisse, der letzte war am heftigsten“, sagt Engelmann: „Es ist rund um die OP nicht alles gut verlaufen, und mir wurde gesagt, ich könne wohl nie wieder Handball spielen.“ Doch das weckte den Ehrgeiz ihn ihm, „einmal wollte ich die Vorbereitung noch mitmachen, wieder spielen“. Sein Körper ließ ihn nicht im Stich, der Rückraumspieler kehrte auf die Platte zurück.

Kurz darauf schloss er das Kapitel Grambke vorerst, spielte in der Saison 2001/02 noch ein Jahr in Brinkum Oberliga, kehrte dann als Trainer der Reserve zum SVGO zurück – und arbeitete sich in die Erste hoch. Nach zwei Jahren „wollten sie dort aber ein neues Gesicht haben“, berichtet Engelmann, der daraufhin wieder nach Brinkum wechselte.

Zwischendurch übernahm er sogar noch für einige Zeit parallel die HSG Grüppenbühren/Bookholzberg („Ein Bekannter war dort, ich sollte mit der Mannschaft aufsteigen und habe das nach vier Jahren geschafft“). Nach 14 Jahren beim FTSV und der HSG mit zahlreichen Höhen und Tiefen (unter anderem zwei Auf- und Abstiege) ist für Engelmann jetzt Schluss.

„Wenn zum Beispiel Vorbereitungszeit ist, möchte ich lieber mal mit einem Bier auf der Terrasse sitzen“, sagt Engelmann. „Ein bisschen traurig“ sei er schon, „aber für mich persönlich ist es der richtige Weg. Mit Mitte 50 kann man einen Haken an dieses Kapitel machen“, findet der gebürtige Bremer. Und seine Weggefährten können es verstehen. „Ich kann die Entscheidung auf jeden Fall nachvollziehen“, meint zum Beispiel sein langjähriger Spieler und Co-Trainer Stefan Schröder.

Maik Bhola, der fast seine gesamte Herren-Karriere als Spieler mit Coach Engelmann verbracht hat, sieht es genauso: „Sven ist jemand, der immer voll dabei ist, wenn er etwas angeht – so ist das auch beim Handball. Und wenn er die Zeit nicht mehr aufbringen kann, ist es völlig verständlich, dass er aufhört.“ Bhola richtet einen Wunsch für die Zukunft an seinen Ex-Trainer: „Ich würde mich sehr freuen, wenn er sich eines Tages plötzlich nach einem Training blicken lässt und wir ein Bierchen zusammen trinken.“

Engelmann zumindest bietet sich der HSG nach wie vor „als Ansprechpartner“ an: „Wenn ich gebraucht werde, helfe ich. Eventuell auch mal als Co-Trainer für zwei Spiele.“ Das entscheidet wohl sein Nachfolger Mike Owsianowski. Eineinhalb Jahre lang stand „Owo“ zuletzt an Engelmanns Seite, und „ich habe wahnsinnig viel von ihm gelernt. Ich habe selten einen Trainer gesehen, der seine Mannschaft so gut auf den Gegner vorbereiten kann. Es kam ganz selten vor, dass er sich mal komplett vertan hat.“ Insgesamt sei Engelmann jemand, der etwas erzählt, „und du glaubst es einfach. Es hat unglaublich viel Spaß mit ihm gemacht.“

Schröder spricht zum Abschied warme Worte aus: „Ich wünsche Sven alles, alles Gute. Ich hoffe, dass ihm nicht zu langweilig wird und dass er die Zeit nutzen kann – das ist das Wichtigste.“

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