Startnummer 24: Elke Seeliger

Elke Seeliger

Endlich angekommen. Der Weg nach Rio de Janeiro hatte für Elke Seeliger viele Unannehmlichkeiten parat.

Weyhe. Elke Seeliger nennt sich „eine kleine Durchstarterin“. Auf der sportlichen Reise ihres Lebens wurde sie allerdings am Abheben gehindert. Erst verhinderte eine Bombendrohung am Flughafen das Einsteigen in die Maschine. Als die Sportschützin endlich im Flieger saß, ging wieder nichts: Plattfuß. Erst einen Tag später, am 1. September, kam die Weyherin über Frankfurt am Main in Rio de Janeiro an. Ihr paralympisches Abenteuer begann.

Am Zuckerhut galt zunächst nur eine Devise: „Bloß nicht schlafen.“ Der Jetlag sollte keine Chance bekommen. Also los: Einzug in das olympische Dorf, dann Wettkampfstätte anschauen. „Die Bedingungen am Stand waren super“, erinnert sich Seeliger, die insgesamt den Brasilianern ein dickes Lob ausspricht: „Sie haben alles gegeben, was sie konnten.“ Und zwar rund um die Uhr. Fehlten beispielsweise Haltegriffe in der Duschkabine, wurde zur Tat geschritten: „Jeden Tag waren noch allerorts Bohrmaschinen zu hören.“

Eine Woche nach der Ankunft musste sie alle Störgeräusche ausschalten. Seeligers erster paralympischer Wettbewerb stand an. 10 Meter Luftgewehr. Seeliger wurde mit 401,6 Punkten beste Deutsche, verpasste als Elfte aber die Qualifikation für das Finale der besten Acht. Fünf Tage später sprang im Dreistellungskampf der 14. Rang heraus. „Ich kann sicher mehr“, beurteilt die 44-Jährige, die mittlerweile für den SV Etzhorn schießt, ihre Rio-Leistungen: „Aber ich war einfach reichlich kaputt.“

Der Reisestress, die vielen neuen Eindrücke waren an die psychische Substanz gegangen. Hinzu kam, dass Seeliger ohne ihre wichtigste Konstante hatte auskommen müssen. „Ich bin sonst in den Wettkämpfen stark auf meinen Mann eingespielt.“ In Rio hatte Burkard Seeliger aber nicht die Möglichkeit, direkt einzugreifen. Nur der Bundestrainer hatte am Schießstand direkten Kontakt zu den Sportlern: „Und so schnell kann man sich einfach nicht aufeinander einstellen. Bei meinem Mann und mir reicht ein Blick, um zu wissen, was los ist.“

Nichtsdestotrotz: Das Mitwirken beim zweitgrößten Sportereignis der Welt wird sie niemals vergessen. „Die Paralympischen Spiele sind wohl das Höchste was ein Sportler mit Handicap erreichen kann“, bekannte Seeliger einmal.

Und allein ihr Weg dorthin beeindruckt. Ende 2013 bekommt sie Koordinationsschwierigkeiten, hat plötzlich Probleme, die Beine problemlos voreinander zu setzen. Etliche Experten tappen im Dunkeln, bis schließlich die Diagnose steht: Syringomyelie. Eine Nervenerkrankung im Rückenmark. Seit 2014 sitzt Seeliger im Rollstuhl. Dem Schießsport, den sie seit Jugendzeiten liebgewonnen hat, den Rücken zu kehren, kommt nicht in Frage. „Ich bin einfach nicht der Typ, der auf dem Sofa sitzen und nichts tun kann.“

Die Umstellung ist knifflig, schließlich geht beim Sportschießen viel über ein das Gleichgewichtsgefühl, über einen sicheren Stand auf den Beinen. Viermal die Woche, jeweils bis zu dreieinhalb Stunden trainiert Seeliger. Unfassbar schnell findet sie sich in der deutschen Elite der gehandicapten Sportschützen wieder. Im März 2016 gewinnt sie den Weltcup in Thailand, danach qualifiziert sie sich über Ausscheidungswettkämpfe für Rio. Wahrlich eine Durchstarterin.

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