Fußballer denken in Corona-Zeiten auch an andere / FC Sulingen sammelt für kranke Kinder

Einkaufsservice, Hilfe im Supermarkt – und Spenden

Das Bild trügt: Die Spendendosen der Aktion „Cent 4 Kids“ sind beim FC Sulingen inzwischen gut gefüllt. Foto: Rosenthal

Sulingen – Es gibt Wichtigeres als Fußball. Beim FC Sulingen wussten sie das schon lange vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie. Dementsprechend denken die Akteure an andere, denen es nicht so gut geht – und handeln dementsprechend. Auch in der Kreisliga achten einige Clubs auf andere: Unter anderem bieten die Fußballer des TuS St. Hülfe-Heede und des TVE Nordwohlde Einkäufe für ihre Mitmenschen an.

Wer die Klinke des Nordwohlder Dorfmarkts „Vergissmeinnicht“ drücken will, kann das Schild an der Eingangstür nicht übersehen. „Uns geht es allen sehr gut“, teilen die Kicker der ersten Männermannschaft mit, „und wir möchten denen, die momentan besonderen Schutz benötigen, unsere Hilfe mit Einkaufen, Botengängen und Gassi gehen kostenlos anbieten. Wenn ihr Hilfe irgendeiner Art benötigt, meldet euch bei uns.“ Eine der angegebenen Rufnummern führt zu Yannik Wojciechowski. „Die Resonanz hält sich bisher noch im Rahmen“, schildert der Mittelfeldmann, doch darüber ist er gar nicht böse: „Besser so, als wenn es viele Menschen gäbe, denen es schlecht ginge.“ Sein Teamkollege Melvin Majowski hatte die Idee der Hilfsaktion, nachdem der Niedersächsische Fußballverband die Saison unterbrochen und somit auch den TVE in die Zwangspause geschickt hatte. „Innerhalb der Mannschaft gab es keine große Diskussion, alle waren dafür“, berichtet Wojciechowski.

Stefan Rosenthals Tage beginnen inzwischen früher als sonst. Ab sechs Uhr morgens taucht der Trainer des FC Sulingen in die Kälte ab. In der Kühlabteilung des Sulinger E-Centers füllt er Regale auf, um die hauptamtlichen Mitarbeiter ein bisschen zu entlasten. „Auf die Idee kam ich, als ich beim Einkaufen auf das erste leere Regal gestoßen bin und den Chef, den ich gut kenne, im Scherz darauf angesprochen habe“, schildert „Taler“. Der Geschäftsführer wiederum verdeutlichte ihm eindrucksvoll, wie sehr sein Team angesichts der schlauchenden Sechs-Tage-Wochen derzeit jede helfende Hand benötige. Also packt der 41-Jährige jetzt morgens von 6 bis 9 Uhr mit an. „In der Abteilung arbeiten überwiegend Frauen, von daher bin ich ein gern gesehener Ansprechpartner fürs Bewegen von Milchpaletten“, berichtet der FCS-Coach, den seine „Kolleginnen auf Zeit“ auch mal in höhere Regionen der Auslagen beordern, wo sie nicht heranreichen können. „Und plötzlich bin ich systemrelevant“, sagt Rosenthal scherzhaft. Denn er stellt klar, dass es ihm um etwas anderes geht: „Die Mitarbeiter haben dort einen Wahnsinns-Stress und sollten viel mehr Wertschätzung erfahren.“ Der Vater dreier Söhne tut dies, indem er die Ärmel hochkrempelt.

Im Gesamtverein der Nordsulinger reicht die Tradition des Helfens schon viel weiter zurück als die Anfänge von Corona. In einer Saison unterstützten die Kicker aller Teams die Lebensmittel-Retter der Tafel, für die aktuelle Serie hat Rosenthal den Verein „Krank und klein – bleib daheim“ als Empfänger für Spenden auserkoren. Der erste ambulante Kinderpflegedienst mit seinem Hauptsitz in Sulingen kümmert sich um chronisch erkrankte, behinderte oder sogar sterbenskranke Kinder, die so möglichst lange in ihrem gewohnten häuslichen Umfeld bleiben, die Schule oder den Kindergarten besuchen können. „Wir haben die Aktion ,Cent for Kids’ genannt, und das ,for’ durch eine 4 ersetzt, wie man das im Neu-Englischen so macht“, berichtet „Taler“.

Anfang März ging es los. Erstherren-Spieler Benjamin Barth, beruflich als Kundenberater bei der Volksbank Sulingen aktiv, besorgte einige Spardosen, in die die Fußballer ihre Geldbörsen entleeren können. „Dabei soll es wirklich nur um Kleinbeträge gehen, wenn man zum Beispiel zu viel Kleingeld im Portemonnaie hat“, verdeutlicht Rosenthal.

So kamen bisher 400 Euro zusammen. „Wir haben damit zwar vor der Corona-Krise begonnen, aber das Thema hat an Aktualität dazu gewonnen“, erklärt der Übungsleiter: „Zurzeit werden ja alle erdenklichen Kapazitäten für Corona freigeschaufelt, aber man darf die anderen Patienten nicht vergessen. Und Kinder mit Erkrankungen gehören ja anscheinend auch zur Risikogruppe.“  ck

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