Saison-Abbruch sorgt bei den Tischtennis-Amateuren für geteiltes Echo

„Eine Entscheidung musste her“

„Einige Mannschaften werden durch diese Wertung schon klar benachteiligt“, sagt Heiligenrodes Oberliga-Spitzenspielerin Nele Puls. Foto: Westermann

Heiligenrode - Von Carsten Drösemeyer. Deutschlands Tischtennisverband (DTTB) hat in der Coronakrise als erster Sportverband Fakten geschaffen und für Klarheit gesorgt: Wie bereits berichtet, wird in keiner Spielklasse unterhalb der 1. Bundesliga (in der autarken DTBL ist noch keine Entscheidung über eine eventuelle Fortsetzung der Saison gefallen) der Spielbetrieb mehr aufgenommen. Als Abschlusstabelle gilt der Stand vom 13. März – der Tag, an dem die Saison unterbrochen worden war.

Und auch für die entfallenden Relegationen gibt es zumindest in ganz Niedersachsen schon eine einheitliche Regelung. Laut TTVN-Vizepräsident Dieter Benen werden „alle potenziellen Relegationsteilnehmer zu Siegern erklärt. Das bedeutet, dass alle Tabellenzweiten die höhere Spielklasse angeboten bekommen und sämtliche Tabellenachten in ihrer bisherigen Gruppe bleiben können.“ Für Benen stellt diese Entscheidung die fairste Lösung dar: „Im Durchschnitt sind in den einzelnen Gruppen 85 Prozent der Spiele einwandfrei durchgeführt worden. So ist es am gerechtesten.“

Was Stefan Schulz vom Verbandsligisten TSV Heiligenrode allerdings gänzlich anders sieht: „Uns wurde die Chance genommen, mit Siegen gegen Marklohe und Ahlten noch auf Rang acht zu klettern. Stattdessen ist so unser Abstieg besiegelt.“

Laut des TSV-Altmeisters hätte es eine viel naheliegendere Möglichkeit gegeben: „Man hätte die Hinrundentabelle als Saisonabschluss nehmen können. Da wären alle Mannschaften auf gleich viele Spiele gekommen und sämtliche Teams hätten einmal gegeneinander gespielt. Die jetzige Lösung finde ich alles andere als gerecht.“

Heiligenrodes Oberliga-Spitzenspielerin Nele Puls stimmt ihrem Vereinskollegen ausdrücklich zu: „Einige Mannschaften werden durch diese Wertung schon klar benachteiligt, aber eine Wunschlösung für alle fällt mir leider auf Anhieb auch nicht ein.“

Dabei gehören die TSV-Damen zu den größten Profiteuren des Saisonabbruchs. Am 13. März rangierte Heiligenrode auf dem zweiten Platz und könnte so in die Regionalliga aufrücken. Die Begeisterung hierüber hält sich bei Puls jedoch in äußerst engen Grenzen: „Ich denke nicht, dass wir den Aufstieg wahrnehmen werden. Außer unserer Nummer zwei, Nathalie Jokisch, wäre von der Idee wohl niemand begeistert. Aber besprochen haben wir dieses Szenario endgültig noch nicht.“

Definitiv aufsteigen wird hingegen der TSV Barrien als Spitzenreiter der 1. Bezirksklasse. „Wir wollen alle hoch in die Bezirksliga“, stellt Spitzenspieler Hendrik Wünderlich unmissverständlich klar: „Ich glaube, wir haben bei nur zwei Minuspunkten die Meisterschaft auch verdient. Auch wenn ich die Saison lieber sportlich beendet hätte.“

Ganz ähnlich sieht es Denise Kleinert vom Landesligisten TSV Heiligenrode II: „Wir standen zwar schon vor dem Abbruch als Meister fest. Aber irgendwie bleibt ein komisches Gefühl. Und es wird bestimmt nicht nur Gewinner bei dieser Lösung geben. In keiner Liga kommen die Teams auf die gleiche Anzahl von Spielen. Richtig gerecht klingt das nicht.“

Deutlich pragmatischer wirkt hingegen Jens Kramer als Mannschaftsführer des Bezirksoberligisten SC Twistringen: „Irgendwann musste ja eine Entscheidung getroffen werden. Wir können als Fünfter ohnehin damit leben. Aber schon nach der Hinrunde standen wir auf einem Nichtabstiegsplatz. Uns hätte eine andere Lösung auch nicht betroffen.“

Den TuS Syke in der 2. Bezirksklasse, der nach der Hinrunde noch um den Klassenerhalt bangte, hingegen schon. Entsprechend erleichtert wirkte Kapitän Swen Bergmann, dass das Zittern ein Ende hat: „Wir freuen uns über den Klassenerhalt. So ungerecht finde ich das Prozedere nicht. Natürlich hat Erichshof weniger Spiele als wir und hätte uns noch vom siebten Platz verdrängen können. Aber der Achte bleibt ja ebenfalls drin.“

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