Pixberg, Kremming, Voß

Drei Top-Talente verlassen den LC Hansa Stuhr

Zehnkämpfer Lasse Pixberg überquert die Latte beim Hochsprung.
+
Er fliegt jetzt für Werder: Zehnkämpfer Lasse Pixberg möchte sich in Bremen verbessern – vor allem im technischen Bereich.

Die drei Leichtathletik-Top-Talente Lasse Pixberg, Elvio Kremming (beide Werder Bremen) und Jannick Voß (Hannover 96) erklären, warum sie den LC Hansa Stuhr verlassen haben. Zudem sprechen der KLV-Vorsitzende Wilfried Becker, Werder-Coach Roman Fricke und Hansa-Trainer Berthold Buchwald.

  • Lasse Pixberg, Elvio Kremming und Jannick Voß erklären ihre Vereinswechsel.
  • Das Leichtathletik-Trio erhofft sich bei Werder Bremen und Hannover 96 einen Karriere-Kick.
  • Wilfried Becker, Roman Fricke und Berthold Buchwald bewerten die Lage.

Stuhr – Wenn in dieser Zeitung Berichte über erfolgreiche Leichtathleten erscheinen, sind diese drei Namen sehr oft dabei: Lasse Pixberg, Elvio Kremming und Jannick Voß – Aushängeschilder für den Kreis Diepholz und natürlich insbesondere den LC Hansa Stuhr. In den zurückliegenden drei Jahren war das Trio nacheinander als „Sportler des Jahres“ vorgeschlagen. Doch nun sind die Drei weg. Pixberg und Kremming schließen sich dem SV Werder Bremen an, Voß wechselt zu Hannover 96 (wir berichteten). Absprachen habe es untereinander aber nicht gegeben, betont Kremming: „Die Entscheidungen sind völlig unabhängig voneinander gefallen.“ Aber warum wollten sie weg aus Stuhr? Und was erhoffen sich die Top-Talente in ihren neuen Clubs? Hier kommen die Antworten.

Lasse Pixberg

Im Alter von sechs oder sieben Jahren, ganz genau weiß er es nicht mehr, fing Pixberg mit der Leichtathletik an. Seither war er ausschließlich beim LC Hansa Stuhr – bis jetzt. Vor ein paar Wochen trat der 18-jährige Mehrkämpfer aus seinem Heimatclub aus, ab 1. Januar startet er für Werder Bremen. Beim SVW ist er bereits Vereinsmitglied. „Die Entscheidung ist mir sehr schwergefallen“, sagt Pixberg: „Die Trainer in Stuhr haben viel für mich getan, ich bin ihnen sehr dankbar. Es war total schön, aber es musste eben sein.“

Als Hauptgründe für seinen Wechsel nennt der Abiturient aus Alt-Stuhr die besseren Möglichkeiten, die ihm der neue Verein insgesamt bietet. In Stuhr habe er oft alleine trainiert, in Bremen fortan „mehr Trainingspartner“. Die Leichtathletikhalle im Bremer Weserstadion biete zudem perfekte Bedingungen. „Das macht viel aus, gerade im Winter“, meint Pixberg: „Da kann ich viel an der Technik arbeiten.“ Und genau das müsse er auch. Im technischen Bereich habe er „sehr große Defizite. Ich glaube, ich kann in allen Disziplinen große Fortschritte machen.“ Sein Hauptcoach bei Werder ist nun der ehemalige Klasse-Hochspringer Roman Fricke (siehe Text unten rechts). Pixberg hat für die Corona-Zeit einen Plan zum Abarbeiten bekommen und bereits losgelegt. Bei Werder wird er künftig sechs Einheiten pro Woche absolvieren.

Trainer Berthold Buchwald glaubt: „Es ist der falsche Weg“

In Stuhr durfte er dagegen zuletzt nicht mehr mittrainieren. „Werder ist ja ein Konkurrenzverein“, sagt Hansa-Trainer Berthold Buchwald, der Pixberg (gemeinsam mit seinen Kollegen Helge Ellwart und Klaus Düerkop) jahrelang begleitet hat – und dessen Wechsel nun nicht ganz nachvollziehen kann: „Wir in Stuhr halten es für den falschen Weg. Lasse hätte zur Mehrkampf-Landestrainerin Beatrice Mau-Repnak nach Hannover gehen können, die sehr kompetent ist – und weiter auch bei uns trainieren. Das wäre eine gute Perspektive gewesen. Stattdessen wollte er unbedingt zu Werder, obwohl es dort gar keine Zehnkämpfer gibt.“ Pixberg brauche einen Trainer, der sich intensiv um ihn kümmert. „Aber Roman Fricke hat nicht so viel Zeit“, meint Buchwald.

Zerschnitten sei das Tischtuch allerdings nicht, sagt der Hansa-Trainer: „Wir sind Lasse dankbar für die vielen Titel, die er für uns geholt hat – und wir haben ihm, wie den anderen beiden, unseren Segen gegeben.“

Pixberg ist „total zufrieden“. Für große Ziele im neuen Verein sei es jedoch noch zu früh: „Ich möchte mich erst mal richtig in die Gruppe integrieren.“

Berthold Buchwald: „Wir werden die Lücke schließen“

Eigentlich stehen im Dezember Hallenwettkämpfe an. Dieses Jahr nicht – wegen Corona. Deshalb gönnen sich Berthold Buchwald und seine Frau einen längeren Aufenthalt in ihrem Ferienhaus auf Teneriffa. Dort spricht der Leichtathletik-Trainer vom LC Hansa Stuhr mit dieser Zeitung über den Verlust der drei Top-Talente Lasse Pixberg, Elvio Kremming und Jannick Voß – und wer in die Fußstapfen des erfolgreichen Trios treten könnte.

Wie beurteilen Sie den Wechsel von drei Ihrer Top-Athleten?

Die Lücke, die sie reißen, ist groß. Keine Frage. Aber so eine Zäsur kommt eben irgendwann mal. Im ersten Moment ist es enttäuschend, doch beim zweiten Nachdenken muss man sagen: Es ist ein bisschen schmerzhaft, aber nachvollziehbar.

Warum?

Wenn man 18 Jahre alt ist, will man auch mal etwas Neues ausprobieren und sehen, sich verbessern, andere Trainingsbedingungen kennenlernen. Man hat tolle Ideen. Ich finde, das spricht für die Jungs. Wir sind ein leistungsfähiger Verein, aber in bestimmten Disziplinblöcken sind andere Clubs wohl besser.

Drei Aushängeschilder des LC Hansa sind weg – wie wollen Sie das kompensieren?

Unsere Laufgruppe ist zum Beispiel sehr gut aufgestellt. Wir konzentrieren uns jetzt noch mehr auf den Nachwuchs und haben einige Athleten, die uns in den kommenden Jahren viel Freude bereiten werden.

Welche sind es?

Finn Klinke, Bent Johnßen und Lea Jerkovic etwa. Aber natürlich auch Jason Lee Hoppe, der in seiner Altersklasse zu den besten sechs Hochspringern Deutschlands gehört und mit seinen 14 Jahren ein ausgezeichneter Mehrkämpfer ist. Und dann noch Carolin Evers – ein Ausnahmetalent, das es alle 20 Jahre mal gibt. Sie hat schon mit zwölf Jahren ein fantastisches Sprungvermögen. Damals hatte ich Marika Wehner, die in der W 14 Deutsche Meisterin im Blockwettkampf Lauf geworden ist. Carolin erinnert mich stark an sie.

Wie arbeiten Sie künftig mit ihr?

Wir bleiben erst mal beim Mehrkampf und müssen vor allem am Wurf arbeiten, das ist eindeutig ihr Schwachpunkt.

Wie gut ist der LC Hansa Stuhr – ohne die drei abgewanderten Leistungsträger – für die Zukunft aufgestellt?

Wir haben gute Perspektiven – und genug zu tun. Ich glaube, dass wir die Lücke in den nächsten Jahren schließen werden.

Von Stuhr nach Bremen: Sprinter Elvio Kremming.

Elvio Kremming

Neue Wohnung, neuer Verein: Für den Sprint-Spezialisten änderte sich zuletzt einiges. Vor etwa zwei Monaten ist er aus Stuhr in eine Zweier-WG im Bremer Viertel gezogen, kurz darauf begann er schon mit dem Training bei Werder. „In zwei Minuten bin ich zu Fuß am Weserstadion. Das passt alles super“, urteilt der 18-Jährige, der auch in der Hansestadt arbeitet – als angehender Industriemechaniker bei der Deutschen Bahn in Sebaldsbrück (drittes Ausbildungsjahr).

Wie Pixberg ist auch Kremming (seit dem achten Lebensjahr, vorher war er Schwimmer) bisher nur für den LC Hansa gestartet. Und wie sein gleichaltriger Nun-Wieder-Vereinskollege erwähnt auch Kremming das stimmige Gesamtpaket bei Werder: „Wir haben hier eine Sprintgruppe, in der ich mich besser spezialisieren kann. Das hat mich gereizt.“ Fünfmal pro Woche trommelt Sprintcoach Andrei Fabrizius sein Team zum Training zusammen, in Stuhr war Kremming bis zu viermal auf der Bahn. „Werder hat mehrere gute Sprinter und gerade im Winter mit der Halle hervorragende Trainingsmöglichkeiten“, weiß Buchwald. Der Wechsel sei „zu 100 Prozent in Ordnung“.

Es war nicht ganz easy, aber solche Sachen gehören eben dazu. Als Leistungssportler muss man auch an sich denken.

Sprinter Elvio Kremming über seinen Wechsel vom LC Hansa Stuhr zu Werder Bremen

Größerer Verein, mehr Athleten, etwas professionellere Bedingungen, höhere Erwartungen. „Da ist jetzt bei Werder schon noch ein bisschen mehr Druck dahinter“, sagt Kremming, „aber das finde ich gut.“

Der einstige Mehrkämpfer ist hörbar heiß, will sich nach einer schwierigen sportlichen Zeit endlich wieder beweisen. Nach seinem Schlüsselbeinbruch, erlitten im Februar 2019 beim Hürdenlauf, fiel er lange aus. Im Frühjahr kam dann erstmals die Corona-Pandemie dazwischen und bremste ihn aus – nun schon wieder. „Ich will richtig durchstarten und gucken, was geht“, betont Kremming.

Drei seiner ambitionierten Ziele für 2021: Mit der Bremer Männer-Staffel zur Deutschen Meisterschaft, als Einzelstarter zur U 20-DM. „Und ich peile die Zehn vorne an“, sagt er. Seine aktuelle Bestzeit über 100 Meter liegt bei 11,08 Sekunden.

Jannick Voß

Seit 2017 startete der Westersteder für Hansa, trainierte aber meistens in Oldenburg und Aurich – und das wird er auch nach seinem Wechsel zu Hannover 96 so machen. „Ich bin sehr zufrieden mit der Entscheidung“, erzählt Voß. „Jannick hat sich immer mit dem Hansa-Hemd solidarisiert und war sehr erfolgreich bei uns“, lobt Buchwald.

In der niedersächsischen Landeshauptstadt gibt es eine starke Zehnkampf-Mannschaft mit dem aktuellen Deutschen Meister Malik Diakite und U 20-Champion Marcel Meyer, in die der 18-jährige Gymnasiast reinwachsen will. „Dort wird ein Platz frei, Jannick hat in Hannover bessere Möglichkeiten. Er kann als Jugendlicher bei den Deutschen Meisterschaften der Männer starten“, berichtet Vater Burkhard Voß: „Das ist eine Herausforderung, dafür trainiert er etwas härter als im vergangenen Jahr.“ Bei der EM und WM der U 20 möchte Voß 2021 zudem gerne dabei sein – im Stabhochsprung oder Speerwurf.

Herausforderung Hannover: Jannick Voß freut sich auf ein starkes Zehnkampf-Team.

Wilfried Becker: „Ich sehe die Entwicklung nicht so negativ“

Begeistert war Wilfried Becker natürlich nicht, als er hörte, dass gleich mehrere Top-Talente den Kreisleichtathletikverband (KLV) Diepholz auf einen Schlag verlassen. Doch der KLV-Vorsitzende ist lange genug dabei und weiß, dass solche Wechsel wie von den Stuhrern Lasse Pixberg, Elvio Kremming und Jannick Voß immer wieder vorkommen. „So ist es einfach. Wir halten Athleten nicht auf, die sich weiterqualifizieren und mal einen anderen Verein sehen wollen. Solche Veränderungen sind ganz normal, aber sicherlich schmerzhaft für den abgebenden Verein.“ Es gebe allerdings auch Beispiele, wo Athleten in den Kreis zurückgekehrt sind – zuletzt etwa der Läufer Sebastian Kohlwes zum LC Hansa Stuhr. „Ich sehe die Entwicklung nicht so negativ, wie sie vielleicht im ersten Moment erscheint“, sagt Becker.

Der Sulinger ist stolz, dass es in der Vergangenheit einige Leichtathleten aus dem Kreis sehr weit gebracht haben – zum Beispiel Liesel Westermann-Krieg oder Gerd Nagel. „Sie haben ein Katapult gefunden und sind über andere Vereine in die Weltspitze vorgestoßen. Aber sie sind Sulingen weiter verbunden.“ Ob es auch einer aus dem Stuhrer Trio schafft, national oder gar international für Furore zu sorgen? Becker hält sich lieber zurück: „Eine Entwicklung ist da, klar. Doch es ist ganz schwer, Prognosen abzugeben.“

Roman Fricke: „Ich kann Lasse nicht Vollzeit betreuen“

Ein wenig Trainererfahrung mit Lasse Pixberg hat Roman Fricke bereits. Bei den Deutschen Meisterschaften in Ulm gab es 2019 den ersten persönlichen Kontakt zwischen den beiden. Beim Stabhochsprung „habe ich ihm ein bisschen beigestanden“, erinnert sich der einstige Hochspringer Fricke (43), der in Neubruchhausen lebt und seit einigen Jahren eine Trainingsgruppe bei Werder Bremen leitet. 13 Sportler sind aktuell darin, fünf davon Bremer Kaderathleten. Und nun kommt Pixberg fest dazu. „Lasse ist gut, auf jeden Fall“, urteilt Fricke: „Er hat tolle Veranlagungen, ist groß, schnell und hat genug Kraft. Er bereichert die Gruppe. Das wird eine interessante Aufgabe.“ Dennoch sieht der mehrfache Deutsche Meister und Olympia-Teilnehmer von 2004 in Athen noch reichlich Potenzial beim Neuzugang: „Er kann sich überall steigern – ob Weitsprung, Hochsprung oder Speerwurf.“ Vor allem im technischen Bereich – wie Pixberg selbst sagt – gibt es Nachholbedarf.

Allerdings kann sich Fricke nicht vollumfänglich um den Ex-Stuhrer kümmern, wie er betont: „Ich habe Lasse in unserem Gespräch gleich gesagt, dass ich kein Zehnkampftrainer bin und es sozusagen ein Trainerteam für ihn geben wird. Ich kann ihn nicht Vollzeit und in allen Disziplinen betreuen.“ Pixberg entschied sich trotzdem für den Wechsel zu Werder und Fricke.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Meistgelesene Artikel

TuS Sulingen II baut auf eigene Jugend

TuS Sulingen II baut auf eigene Jugend

TuS Sulingen II baut auf eigene Jugend
Mulweme erzielt bei Debüt Tor – 1:0

Mulweme erzielt bei Debüt Tor – 1:0

Mulweme erzielt bei Debüt Tor – 1:0
Mulweme zieht es zur TSG Seckenhausen-Fahrenhorst

Mulweme zieht es zur TSG Seckenhausen-Fahrenhorst

Mulweme zieht es zur TSG Seckenhausen-Fahrenhorst
Brinkum überzeugt beim Testspiel-Doppelpack

Brinkum überzeugt beim Testspiel-Doppelpack

Brinkum überzeugt beim Testspiel-Doppelpack

Kommentare