Wilfried Miesen hört nach fast 60 Jahren als Tischtennis-Übungsleiter der SV Kirchweyhe auf

Ein Trainerleben für die Jugend

Nach 60 Jahren ist Schluss: Wilfried Miesen (li.) hat das Jugendtraining bei der SV Kirchweyhe in die Hände von Michael Schöckel gelegt.
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Nach 60 Jahren ist Schluss: Wilfried Miesen (li.) hat das Jugendtraining bei der SV Kirchweyhe in die Hände von Michael Schöckel gelegt.

Kirchweyhe – Bei der SV Kirchweyhe geht eine Ära zu Ende: In Wilfried Miesen ist der Tischtennis-Lotse von Bord gegangen. Stolze 59 Jahre brachte die Übungsleiter-Legende den SVK-Kids das nötige Rüstzeug bei, doch mit Beginn der Coronakrise im März hat der 83-jährige Kirchweyher den Staffelstab an Youngster Michael Schöckel übergeben.

Durchaus mit einer gewissen Portion Wehmut, daraus macht der ehemalige Qualitätsprüfer der Deutschen Bundesbahn keinen Hehl: „Ich hatte ja sehr, sehr viele schöne Momente. Aber die Kinder sind heute anders. Es ist der richtige Zeitpunkt zum Aufhören.“

Allerdings bleibt Miesen „seiner“ SVK zumindest erhalten. „Ich bin ja nicht aus der Welt“, meint der rüstige Senior mit einem Schmunzeln: „Ich spiele weiterhin in der achten Herren. Dort bin ich bei drei Mädels im Team ja der Hahn im Korb.“

Es sei ihm gegönnt. Einen kompletten Rückzug vom Tischtennis hätte man sich bei Miesen auch kaum vorstellen können. Schließlich schwingt das Kirchweyher Original bereits seit 1954 den Schläger. Anfangs lag seine Priorität noch beim Fußball („Da habe ich immerhin mit Kirchweyhe in der zweithöchsten Klasse in Norddeutschland gekickt“), aber diverse Verletzungen sorgten frühzeitig für ein Ende der Fußball-Karriere. Für den Tischtennis-Kreis Diepholz war es ein Segen. Ob im Stuhrer Norden oder im Lemförder Süden, jeder kennt und schätzt den sympathischen Miesen.

Schon 1961 machte der Haudegen als einer der ersten im Kreis praktisch zeitgleich mit Eröffnung der Halle am Geestfeld seinen Übungsleiterschein und hatte seitdem rund 500 Kinder unter seinen Fittichen. Wobei Miesen dabei natürlich stets seine Bärenruhe zugute kam. „Mich bringt kaum etwas aus der Fassung“, betont der 83-Jährige mit einem Lächeln im Gesicht: „Aber wenn die Kinder es übertrieben haben, haute ich auch mal dazwischen.“

Schwer vorstellbar, wenn man den SVK-Evergreen kennt. Die meiste Zeit über musste Miesen beim Training nicht laut werden. Höchstens beim legendären Aufwärmen, wo der Übungsleiter und seine Spieler mit dem Fußball durch die Halle jagten (siehe Extra-Text).

Die lebende Legende avancierte zum absoluten Talenteschmied. Ob nun Werner Schubert, Gerd Töbelmann („seine eigenwillige Rückhand hat sich ,Töbi‘ aber selbst beigebracht“), Ralf Bokelmann oder Oliver Hahn – praktisch die gesamte Kirchweyher Elite ging durch die Hände von Miesen. Allesamt erstklassige Könner, doch nach reiflicher Überlegung stechen für den 83-Jährigen doch noch zwei andere Akteure hervor: „Ich tue mich echt schwer damit, jemanden herauzuheben. Aber das meiste Talent hatten wohl Nadine Stegemann und Hendrik Schubert. Sie waren phänomenal.“ Genau wie die Lebensleistung des „Bessermachers“.

Wer kann schon von sich behaupten, fast 60 Jahre lang Kinder angeleitet zu haben? Keine Frage, Schöckel tritt in riesige Fußstapfen, doch auch ein Wilfried Miesen hat ja mal klein angefangen.

Der Routinier freut sich nun auf mehr Freizeit und hat seine Liebe zu einem ganz anderen Sport entdeckt. „Als wegen Corona die Halle dicht war, habe ich mir von meinem alten Schützling Olaf Bösche ein neues Fahrrad gekauft und radel damit mittlerweile total gern“, erzählt Miesen. Auf Tischtennis möchte er aber „auch in Zukunft nicht verzichten. Solange die Knochen nicht streiken, mache ich als Spieler weiter.“

Den gesamten Tischtennis-Kreis Diepholz dürfte es freuen. Originale wie Wilfried Miesen sind mittlerweile rar gesät.

Von Carsten Drösemeyer

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