UNVERGESSLICH Erik Trümplers Sieg gegen Behrend

Ein Stoppball ins Glück

Noch irgendwelche letzten Tipps? Erik Trümpler (li.) lässt sich während seines Matches gegen Tomas Behrend im Jahr 2000 von Mannschaftskollege Volker Bode (re.) beraten.
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Noch irgendwelche letzten Tipps? Erik Trümpler (li.) lässt sich während seines Matches gegen Tomas Behrend im Jahr 2000 von Mannschaftskollege Volker Bode (re.) beraten.

Bremerhaven/Barrien – In einer letzten Kraftanstrengung schickte Erik Trümpler seinen Schläger auf die Reise. Und so flog dieser unter dem tosenden Jubel von knapp 1 000 Zuschauern über den Center Court im Bremerhavener Bürgerpark. Am Netz holte sich Trümpler die Gratulation ab – von keinem Geringeren als Tomas Behrend, der Nummer 120 der Tennis-Welt. Die Tränen konnte Trümpler bei den Umarmungen mit seinen Teamkollegen nicht zurückhalten.

Es ist einer dieser Momente, in denen man Sportler manchmal erwischt. In denen sie in Interviews nicht wissen, wie sie beschreiben sollen, was in ihnen vor sich geht. 20 Jahre später versucht sich Trümpler daran. „Ich habe einfach meinen Emotionen freien Lauf gelassen“, erzählt der heute 43-Jährige – und spürt, wie die Gefühle von damals wieder hochkommen: „Da fällt alles von einem ab, man hat sich nicht mehr im Griff. Diese dichte Atmosphäre, die in Bremerhaven immer etwas ganz Besonderes gewesen ist, hat ihr übriges getan. Da kommen plötzlich alle Gedanken zusammen, die man im Zusammenhang mit der Saison und den Leuten am Platz hatte.“

Der Großteil der Erinnerungen dabei gilt seinen Teamkollegen. Denn es war nicht irgendein Match, das Trümpler gegen den späteren Davis-Cup-Spieler Behrend bestritt. Es war ein Mannschaftsspiel. Mit seinem Bremerhavener TV von 1905 nahm er an diesem Sommerwochenende im Jahr 2000 an der Aufstiegsrunde zur Bundesliga teil. Nach dem überraschend klaren Sieg gegen den TC Weiden im Halbfinale ging es an jenem Sonntag also gegen Behrends TC Blau-Weiß Sundern.

„Das ganz Besondere an diesem Wochenende war, dass wir in der Nacht von Samstag auf Sonntag mit der Mannschaft im Hotel waren“, erinnert sich Trümpler: „Dadurch war das Ganze noch einen Ticken professioneller als das Jahr über. Da haben wir privat übernachtet, bei der Familie oder so.“ Vor dem Finale am Sonntag „haben wir im Hotel zusammen gefrühstückt, sind zur Anlage gefahren und haben uns eingeschlagen“. Dass es vor Trümplers Match gegen Behrend bereits 0:5 stand und das Duell mit Sundern damit entschieden war – absolut geschenkt. Denn es war „etwas Besonderes“, in diesem Moment gegen Deutschlands Nummer fünf spielen zu dürfen, es war der Höhepunkt „vieler toller Jahre“ mit „vielen tollen Mitspielern“.

Trümpler selbst beschreibt die Zeit beim BTV (Winter 1996/97 bis 2003), in der er permanent unter den Top 100 der deutschen Herren zu finden war, als „Hochphase meiner Tennis-Karriere. Es war alles dabei. Wir waren ein verschworener Haufen. Der Zusammenhalt war riesig, die Auswärtsfahrten toll. Wir waren eine große Familie, alle so eng, alle miteinander befreundet.“ Und dabei auch noch erfolgreich.

Auch wenn es am Ende nicht zum Bundesliga-Aufstieg gereicht hat, sind Trümpler und seine Mannschaft durch das Erreichen der Aufstiegsrunde Norddeutscher Meister geworden, das führte im Anschluss immerhin noch zu drei Jahren Tennis in der 2. Bundesliga. „Der Titel war ein schöner Abschluss der Saison“, findet Trümpler, der mittlerweile wieder in Barrien lebt und beim Barrier TC spielt – dort, wo er mit sechs Jahren das Tennisspielen gelernt hat und ab dann praktisch jeden Tag stundenlang auf dem Court stand.

Dass seine Karriere, in der er immerhin selbst zwei Jahre lang Profi war, in einem solch hochklassigen Match gipfelt, hatte er sich damals noch nicht ausmalen können. „Das Spiel war auf jeden Fall am Limit“, meint Trümpler und fügt mit einem Lachen an: „Zumindest bei mir, bei Tomas vermutlich nicht. Er war aber ein sehr guter Verlierer.“ Es sei „einfach ein sehr gutes Match“ gewesen, „ein Duell der Vorhand-, der Offensivspieler. Das war schon zügig.“ Für Trümpler war es „eine tolle Chance, gegen so einen Spieler zu spielen – und ihn zu schlagen“.

An vieles aus dem Match kann er sich kaum erinnern, derart konzentriert ist Trümpler in diesen drei Stunden gewesen, die er zu den „härtesten, emotionalsten und schönstes meines Lebens“ zählt: „Ich weiß noch, dass ich den ersten Satz verloren und den zweiten gewonnen habe. Ansonsten ist es der Matchball, den ich vor Augen habe.“ Im Tiebreak des entscheidenden dritten Satzes sei er beim Matchball „recht schnell“ auf den Longline-Stoppball mit der Rückhand gegangen. Und dann flog auch schon der Schläger über den Center Court.

Zur Info: Trümplers Aufruf: „Wenn es dieses Video noch irgendwo gibt . . .“

Es gibt Momente, an die sich Menschen ewig erinnern. Doch das heißt noch lange nicht, dass man die Bilder im Kopf nicht auch mal auffrischen darf, kann oder sogar sollte. Auf Erik Trümpler trifft das „kann“ nur leider nicht zu. Er würde sich sehr gerne noch einmal das Match anschauen, in dem er Deutschlands damalige Nummer fünf, Tomas Behrend, in drei harten Sätzen bezwang. „Es gibt ein Video von dem Tag, ein privater Bremerhavener Sportsender war damals dabei“, erinnert sich Trümpler zurück. Er versuche „seit Jahren“, das Bildmaterial zu finden, doch inzwischen sei die Hoffnung nicht mehr sonderlich groß. Darum möchte er einen Aufruf starten: „Wenn es dieses Video noch irgendwo gibt“, dann solle es doch bitte schnellstmöglich den Weg zum ehemaligen Profi des Bremerhavener TV – und heutigen Barrier – finden. fs

Von Felix Schlickmann

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