Zusammen 80 Jahre im Fußball

Dieckhoff und Dumke: Schatzmeister und „Strippenzieher“

 Gerhard Dieckhoff (l.)  und Heinz Dumke (r.) sitzen in Dumkes Partyraum in Bramstedt.
+
Da kam einiges zusammen an Urkunden, Unterlagen und Souvenirs: Gerhard Dieckhoff (l.) gibt sein Schatzmeister-Amt im Fußballkreis Diepholz zum Jahresende ab. Wie er hat auch Heinz Dumke (r.) gut 40 Jahre ehrenamtliche Tätigkeit für diesen Sport hinter sich – und nun die letzten Wochen als stellvertretender Kreisvorsitzender vor sich. In Dumkes Partyraum in Bramstedt schwelgten die angehenden „Funktionäre im Ruhestand“ in Erinnerungen.

Gerhard Dieckhoff und Heinz Dumke sind so etwas wie Urgesteine im Fußballkreis Diepholz. Jeder von ihnen kann auf eine mehr als 40-jährige Funktionärs-Tätigkeit zurückblicken. Nun hören beide auf.

  • Dieckhoff und Dumke haben sehr viel für den Fußballkreis Diepholz getan.
  • Sie bekleideten unterschiedliche Ämter.
  • Der Pokal-Deal mit einer Brauerei war besonders lukrativ.

Borstel/Bramstedt – Alles wie immer in der Adventszeit: Gerhard Dieckhoff bucht stapelweise Belege und Rechnungen für den Fußballkreis Diepholz ab, vervollständigt den Jahresabschluss und feilt am Haushaltsplan. Sein Vorstandskollege Heinz Dumke versendet Danksagungs-Post an die Sponsoren des Kreisverbands. So ganz wie immer ist es für die zwei Funktionärs-Routiniers aber doch nicht, denn Kreisschatzmeister Dieckhoff und der stellvertretende Kreisvorsitzende Heinz Dumke erledigen diese ehrenamtlichen Arbeiten zum letzten Mal in ihrer langen Laufbahn: Nach jeweils mehr als vier Jahrzehnten treten sie ab. Aus freien Stücken, Corona-bedingt aber ziemlich leise.

Die vergangenen 13 Jahre hatte Dieckhoff die Finanzen des Kreisverbands verwaltet, oft begann er damit ab 6.00 Uhr morgens, „wenn bei uns in Borstel noch nicht so viele Leute am Internet hingen – denn die Netzabdeckung hier ist dünn.“ Dann rechnete er die „Verwaltungsentscheide“ ab – Geldstrafen nach Roten Karten, Gebühren für fehlende Ergebnismeldungen und andere ärgerliche Ausgaben für die Vereine. Das übernimmt inzwischen größtenteils der Niedersächsische Fußballverband (NFV) direkt von Barsinghausen aus. „Es ist etwas entspannter geworden“, meint Dieckhoff. Aber „ein bisschen was von Soll und Haben sollte man schon verstehen können“, erklärt der 65-Jährige, untertreibt damit aber ziemlich. Doch um das Erstellen der Bilanzen, Gewinn- und Verlustrechnungen und Jahresabschlüsse machte er nie viele Worte – obwohl er in seiner Amtszeit etwa 930 000 Euro an Einnahmen und Ausgaben bewegte.

Deutlich wurde er nur, wenn einige Ehrenamtler auf das verzichteten, was ihnen zustand: „Ich habe schon mal dem einen oder anderen Schiedsrichter gesagt, dass er für seine Fahrten quer durch den Kreis für Beobachtungen ruhig das Kilometergeld einreichen könnte.“

Ein bisschen was von Soll und Haben sollte man schon verstehen können.

Gerhard Dieckhoff in seiner untertriebenen Anforderung an einen Schatzmeister.

Die nötige Erfahrung brachte der gelernte Steuerfachgehilfe, der seine letzten 35 Berufsjahre als Lohnbuchhalter in einer Landesberger Firma für die Gehälter von 250 Kollegen verantwortlich zeichnete, allemal mit. „Schlecht geschlafen habe ich wegen dieses Amtes nie.“ Klar, ein wenig komisch sei es ihm schon vorgekommen, als er im ersten Jahr seiner Schatzmeister-Tätigkeit sämtliche Unterlagen beim NFV zur Kontrolle abliefern musste. „Aber danach brauchte ich es nicht mehr. Kollegen aus anderen Kreisen mussten da öfter antanzen.“

Dieckhoffs ehrenamtliche Laufbahn begann schon weit vor der Einführung von Euro und Cent und drehte sich nicht nur um den Fußball – obwohl er diesem Sport die meiste Zeit opferte: Seit seinem elften Lebensjahr spielte er für die Sportfreunde Borstel, mit der ersten Herrenmannschaft feierte er 1982 die Kreismeisterschaft und den Bezirksklassen-Aufstieg, „obwohl ich nur ein mittelmäßiger Mittelfeldspieler war“. Ein Jahr später legte Dieckhoff die Schiedsrichterprüfung ab, 15 Jahre lang leitete er Spiele, bis 1987 auch im Bezirk.

Aktiv am Ball blieb Dieckhoff aber ebenfalls: Über die Alten Herren und die Altliga spielte er bis zur Oldie-Liga. Zu dieser Zeit gab es die SF Borstel schon nicht mehr, in denen er sich schon von 1980 bis 1987 als Fußball-Spartenleiter und Schriftführer des Gesamtvereins im Vorstand engagiert hatte. Von Januar 1987 bis 2005 leitete er den Club als Vorsitzender – ebenso wie ab Mai 1999 bis Mai 2001 als „Chef“ der neuen SBS Kickers. Böses Blut habe es bei der Fusion der beiden Fußballsparten aus Borstel und Siedenburg nicht gegeben, „trotzdem bin ich im Nachhinein nicht ganz zufrieden“, gesteht der frühere Fußballer: „Unser Ziel, durch die Zusammenlegung eine schlagkräftige Mannschaft in den Bezirk zu bekommen, haben wir nicht erreicht.“

Auch Feuerwehr und Schützenverein sind Dieckhoff wichtig

Dafür schufen er und seine Mitstreiter einen funktionierenden Verein. Solche Strukturen auf den Dörfern sind dem vielseitigen Ehrenamtler wichtig – auch das hat er gemeinsam mit seiner Frau Ilona, die unter anderem als Schriftführerin im Landfrauenverein aktiv ist. So freut sich der Mann, der seit 45 Jahren der Freiwilligen Feuerwehr Bockhop angehört (davon sechs Jahre als Kassenwart und Schriftführer), dass „seine“ Ortswehr nicht vor der Auflösung steht. Auch der örtliche Schützenverein, für den er neun Jahre im erweiterten Vorstand tätig war und wie für die Feuerwehr einige Chroniken verfasst hatte, stehe gut da.

Anders als Dieckhoff muss sich Dumke nicht an das Ende des Haushaltsjahres halten, sondern lässt sein Amt als „Vize“ locker auslaufen – bis zum kommenden Fußball-Kreistag. „Aber ich wollte nicht erst das Alter erreichen, in dem man vor den nächsten Wahlen zittern muss, ob man noch genug Stimmen bekommt“, erklärt der 69-Jährige.

Der frühere Kundendienstleiter eines Syker Autohauses hat keine Angst vor Langeweile. Stundenweise ist er noch als Berater für seine frühere Firma aktiv, Haus und Garten halten ihn ebenso auf Trab wie Enkel Hendrik. Und auch nach seinem Abtreten „werde ich mich sicher weiter auf dem einen oder anderen Fußballplatz sehen lassen“. Kein Wunder, dafür gehörte dieser Sport auch viel zu lange zu ihm.

1961 schloss er sich als Zehnjähriger dem TSV Bramstedt an, sechs Jahre später bestand er die Prüfung zum Schiedsrichter. Als Unparteiischer leitete er Begegnungen bis zur Bezirksklasse. Seit 1979 gehörte der Familienvater dem Kreisjugendsportgericht an. „Ich übernahm das Amt von einem Beisitzer, der gewisse Entscheidungen per Faustrecht durchsetzen wollte“, erinnert sich Dumke grinsend.

Diese Zahl gab’s nicht mehr so oft – aber Krombacher hat gut gegeben.

Heinz Dumke über den Rekord von neun Kreispokal-Wettbewerben in einer Saison.

Ebenfalls komplett andere Wege als sein Vorgänger schlug er ein, als er 1991 Wilhelm Haupt im Jugendausschuss des Bezirks Hannover beerbte: „Ich habe Wilhelm damals gesagt, dass er seine Tapetenrollen, auf die er die Spielpläne gemalt hatte, getrost wegschmeißen könnte“, erinnert sich der Mann mit dem Faible für EDV: „Wir haben dann alles auf Computer umgestellt. Anfangs noch auf dem Commodore 128 und mit Ausdrucken.“ 2002 entwickelte er zusammen mit seinem Sohn Tim eine der ersten Internetseiten im NFV – für die Jugend im Bezirk. „Mit den heutigen Homepages ist das natürlich nicht zu vergleichen, aber wir konnten darauf alles Wesentliche mitteilen“, schildert Dumke. So etwas wollte der Gesamt-Bezirk ebenfalls haben – und andere Gliederungen des NFV. Das Erstlingswerk für die Jugend diente also als Blaupause für weitere Internetseiten.

Bis 2009 wirkte Dumke als Staffelleiter im Bezirksjugendausschuss, die Aufgaben als stellvertretender Kreisvorsitzender nimmt er bis heute wahr – nach außen hin mit einer Bärenruhe, im Hintergrund aber als effizienter Strippenzieher und „Devisenbeschaffer“: Dass das Autohaus Anders die Jugendpokalspiele seit 1999 großzügig sponsert, ist ebenso sein Verdienst wie die finanzielle Unterstützung der Hallenkreismeisterschaften durch die Kreissparkasse Syke. Und zur Krombacher-Brauerei als Namens- und Geldgeber der Senioren-Kreispokale hat Dumke ebenfalls noch einen kurzen Draht. Die Verantwortlichen nickten sogar ab, als der Kreis Diepholz einst neun verschiedene Cup-Wettbewerbe bis zu den Oldies ausrichtete. „Diese Zahl gab’s bundesweit nicht mehr so oft, aber Krombacher hat gut gegeben“, verrät Dumke und schmunzelt.

Derartiges Klinkenputzen ist nicht jedermanns Sache, doch ihm lag und liegt es. Und er ist dankbar, dass er durch seine Ehrenämter – von der zehnjährigen Tätigkeit als Jugendleiter des TSV Bramstedt bis zum stellvertretenden Kreisvorsitz – viel zurückbekommen hat: „Für meinen Beruf habe ich eine Masse gelernt, was den Umgang mit Menschen betrifft.“

Künftig pflegt Heinz Dumke den meisten Umgang mit „Lieblingsmensch“ Elke, seiner Frau, „die in all den Jahren oft auf mich verzichten musste“.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Bob- und Rodelbahn am Königssee schwer beschädigt

Bob- und Rodelbahn am Königssee schwer beschädigt

Meistgelesene Artikel

Thorolf Meyer steht zum „Jugendstil“

Thorolf Meyer steht zum „Jugendstil“

Thorolf Meyer steht zum „Jugendstil“
Der Traum vom Olympia-Finale

Der Traum vom Olympia-Finale

Der Traum vom Olympia-Finale
Ab in die legendäre Garage

Ab in die legendäre Garage

Ab in die legendäre Garage
Bendix Schröder neuer „König“ von Niedersachsen

Bendix Schröder neuer „König“ von Niedersachsen

Bendix Schröder neuer „König“ von Niedersachsen

Kommentare