Handball-Schiris des TuS Wagenfeld leiten ihr 400. Bundesliga-Spiel

Ein Meilenstein in Gummersbach

Vier Finger für die 400: Die beiden Handball-Schiedsrichter Pawel van Lück-Fratczak (links) und Paulo Ribeiro bei ihrem 400. Bundesligaspiel in Gummersbach.
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Vier Finger für die 400: Die beiden Handball-Schiedsrichter Pawel van Lück-Fratczak (links) und Paulo Ribeiro bei ihrem 400. Bundesligaspiel in Gummersbach.

Sie sind nicht nur im Kreis Diepholz bekannt, sondern auch in mehreren Bundesländern: Paulo Ribeiro und Pawel van Lück-Fratczak, Handball-Schiedsrichter beim TuS Wagenfeld. Sie leiteten Mitte Juni in Gummersbach ihr 400. Bundesliga-Spiel. Ans Aufhören denken die beiden sympathischen Referees noch nicht.

Wagenfeld/Diepholz – Nach einer außergewöhnlichen Saison mit einem neuen Meilenstein verabschiedete sich Paulo Ribeiro erst mal in den Urlaub. Eine Woche Rügen mit seiner Frau Monica. „Es ist schön da, darauf freue ich mich“, sagte der 48-jährige Diepholzer. Handball-Schiedsrichter-Partner Pawel van Lück-Fratczak, der mit seiner Frau Yvonne und den beiden Kindern Maja und Tom in Geldern am Niederrhein lebt, fährt mit der Familie in den Sommerferien ans Meer:

„In die Niederlande, wie immer. Und dann machen wir noch eine Woche Abenteuerurlaub im Harz.“

Kürzlich haben van Lück-Fratczak und Ribeiro in der 2. Männer-Bundesliga, in der sie inzwischen ihre meisten Spiele leiten, eine ganz besondere Marke geknackt. Die Partie des letztlich knapp am Aufstieg vorbeigeschrammten Traditionsclubs VfL Gummersbach gegen den HC Elbflorenz 2006 (32:29) war am 16. Juni ihre 400. in der Bundesliga (1. und 2. Liga Männer sowie 1. Liga Frauen). „Dass wir so viele Spiele pfeifen, war  nicht geplant. Und man kann schon sagen, dass wir sehr stolz darauf sind“, sagt Ribeiro und fügt an: „Wir gehören nach wie vor zu den besten Schiedsrichtern der 2. Bundesliga.“ Auch van Lück-Fratczak schmeichelt die Marke: „Eigentlich ist es nur eine Zahl – aber wir sind seit 13, 14 Jahren gemeinsam unterwegs und betreiben sehr viel Aufwand.“

Die x-te Saison der beiden Referees, nach wie vor für den TuS Wagenfeld aktiv, war nicht so wie die anderen zuvor – wegen Corona. Zwar hatten sie quasi keine Pause, weil die Profiligen im Gegensatz zu den Amateurklassen auch während der Pandemie spielen durften. Aber ungewohnt war’s dennoch. „Und anstrengend“, sagt van Lück-Fratczak. Vor jedem Spiel mussten die Zwei etwa einen PCR-Test machen.

Ich bin ein Schönwetterfan und will Tore sehen.

Handball-Schiedsrichter Pawel van Lück-Fratczak, der sich am Montag im TV genüsslich das Fußball-EM-Spiel Spanien gegen Kroatien (5:3 nach Verlängerung) ansah.

Neu war zudem, dass in den sonst gut gefüllten Hallen lange Zeit überhaupt keine Zuschauer zugelassen waren. „Die Fans gehören zum Handball wie der Spielball“, findet Ribeiro, „ohne sie ist es nicht so schön. Und es ist natürlich traurig für die Sportart.“ Die eher trostlose Atmosphäre haben die beiden Woche für Woche wahrgenommen, ihre eigentliche Arbeit auf dem Feld hat die fehlende Kulisse dagegen kaum verändert. „Wir sind während eines Spiels so konzentriert, dass wir es teilweise gar nicht merken, wenn niemand da ist“, erzählt Ribeiro mit einem Schmunzeln.

Ribeiro: „Wir haben für eine weitere Saison zugesagt.“

Gegen Ende der Saison waren dann überall wieder mehr oder weniger Zuschauer erlaubt. Auch in Gummersbach, als Ribeiro und van Lück-Fratczak die 400 vollmachten. Müde des Pfeifens sind sie allerdings nicht. Kürzlich hat der Deutsche Handball-Bund (DHB) seine Schiedsrichter angeschrieben und gefragt, wer dabei bleibt. Die Antwort der Zwei, die immer Jahr für Jahr entscheiden, verrät Ribeiro: „Wir haben für eine weitere Saison zugesagt.“

In etwa anderthalb Jahren erreicht der Portugiese die Altersgrenze (50 Jahre) des DHB. Und wenn diese Beschränkung bis dahin nicht fällt, ist dann Schluss. „Zwei Saisons darf ich noch, wenn es gesundheitlich möglich ist und die Leistung stimmt“, sagt Ribeiro. Er würde, das ist deutlich herauszuhören, gerne noch ein Weilchen durch die Hallen der Nation touren. In weiter Ferne gibt es da sogar noch ein Ziel. Für 250 Bundesliga-Spiele erhielten sie die bronzene Ehrennadel des DHB, für 350 dann die silberne – und bei 500 Einsätzen käme Gold. „Das wäre traumhaft“, meint Ribeiro: „Aber noch wichtiger als Zahlen und Ehrungen ist mir, dass wir auch in unserem Alter noch auf einem so hohen Niveau unterwegs sind.“

Sein Kollege van Lück-Fratczak ist etwa drei Jahre jünger, als selbstständiger Physiotherapeut mit eigener Praxis in Moers beruflich ziemlich eingespannt – und hat für sich selbst bereits beschlossen: „Mit 50 möchte ich nicht mehr als Schiri in der Turnhalle sein, sondern in Ruhe Handball gucken und ein Bierchen trinken . . .“ Bis es soweit ist, will aber auch er nichts schleifen lassen und betont: „Wir geben weiter Vollgas.“

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