ADVENTSKALENDER Rallye-Pilot zeigt und erklärt seinen Wagen

Knackers Cockpit: Ein Käfig voller Knöpfe

Die Fahrertür steht halb offen – und heraus guckt Nico Knacker mit Weihnachtsmütze. Für den „Adventskalender“ erklärt der 24-Jährige seinen weißen Flitzer.
+
Die Fahrertür steht halb offen – und heraus guckt Nico Knacker mit Weihnachtsmütze. Für den „Adventskalender“ erklärt der 24-Jährige seinen weißen Flitzer.

So ein Cockpit in einem Rallye-Auto sieht völlig anders aus als in einem normalen Pkw. Nico Knacker (24) aus Siedenburg zeigt im neuen Teil unseres „Adventskalenders“ seinen weißen Opel - und erklärt, wofür er die ganzen Knöpfe braucht.

Siedenburg – Die anfänglichen Zweifel, ob denn bei einsetzender Dunkelheit ein ordentliches und nicht zu stark geblitztes Bild gelingt, wischt Nico Knacker schnell weg. Bei der Ankunft am Haus der Familie in Siedenburg ist die Garage bereits hell erleuchtet. Die Neonröhren sorgen für ausreichend Licht. Motiv gerettet! Und mitten im grellen Schein steht er:

Der weiße Opel Adam R2. Das Rallye-Auto des 24-Jährigen, das gleich ganz genau betrachtet wird. Für den nächsten Teil unseres „Adventskalenders“ hat Knacker in sein Cockpit eingeladen.

Sagen wir es mal so: Ein Otto-Normal-Autofahrer hat viele Fragezeichen und vielleicht auch ein paar Schweißperlen auf der Stirn, wenn er in diesen Wagen steigt. Weil eben einiges anders ist als bei einem gewöhnlichen Pkw. Das geht schon beim Einsteigen los. Das massive Gestänge zum Schutz der Fahrer, Käfig oder auch Sicherheitszelle genannt, erschwert es, überhaupt ins Auto reinzukommen. „Ja, da musst du drüberklettern“, sagt Knacker und grinst. Geschafft – und direkt in den schwarzen Sitz mit den roten Gurten abgerollt. Ein Anflug von Unbehagen: Scheibenkleister, ist das eng hier. Als würde sich ein erwachsener Mann in einen Kindersitz zwängen. „So muss es sein“, sagt Knacker: „Wenn man schneller unterwegs ist, fühlt man sich wohler und sicherer, hat einen festen Halt – wie in einer Achterbahn.“ Bei Wettkämpfen trägt er immer seine Brille („geht ganz gut, beschlägt nicht“) und natürlich einen Helm mit der recht sperrigen Kopf- und Nackenstütze „HANS“ (bekannt aus der Formel 1) darüber. Gut bewegen lassen sich dann nur noch Arme und Beine – aber das ist ja auch das Wichtigste.

Und nun schauen wir uns das Innenleben genauer an. Rückbank und Kofferraum? Gibt es nicht – den Platz brauchen Käfig und die zwei Reserveräder. Direkt neben der Handbremse ragt der ebenso lange Schaltknüppel heraus. Den muss Knacker während eines Rennens nur nach vorne oder hinten ziehen, um zwischen den fünf Gängen zu wechseln. Auffällig sind vor allem die 15 bunten Knöpfe in der Mittelkonsole. Damit betätigt der Siedenburger Blinker, Lichter und Lüfter. Es gibt auch einen kleinen silbernen Hebel zum Starten. „Einen Zündschlüssel“, erzählt Knacker, „braucht man nicht mehr“. Der rote Hebel „ist für den schlimmsten Fall. Wenn das Auto mal brennen sollte, aktiviert man mit ihm die Löschanlage.“ Dann schießt Schaum aus den Düsen, die überall im Wagen verteilt sind.

Am Lenkrad aus Alcantara (hochwertiges Velourslederimitat), das er während einer Rallye nur mit feuerfesten Handschuhen anfasst, sind fünf Knöpfe angebracht. Ein roter „zum Vollgas geben“, ein blauer und gelber für Licht, ein blauer und grüner für die Scheibenwischer – „ganz hilfreich, wenn ich mal durch den Schlamm fahre“.

Nach Rallye-Wochenenden bin ich immer extrem platt. Man steht zwei Tage lang unter extremem Druck, die mentale Anstrengung ist sehr groß. Hinzu kommen die Fliehkräfte und die Temperaturen – bei Rennen an warmen Sommertagen sind schon mal 50 bis 60 Grad im Auto.

Nico Knacker, der viel Kondition sowie die Muskulatur in Schultern, Rücken und Nacken trainiert, über die Anforderungen an einen Rennfahrer.

Hinter dem Lenkrad befindet sich noch das Display. „Darauf sieht man alles, was wichtig ist“, sagt Knacker. Tankanzeige, Temperatur, Getriebe, Öl, Motor, Wasser, Batterie. Und wo mal das Radio war, prangt eine Zierleiste mit Knackers Logo: „NK Rallyesport“.

Das schwarze Plastik-Plättchen wird allerdings demnächst abmontiert – denn das Auto ist bereits verkauft worden. Nach Frankreich. „Schade eigentlich“, findet Knacker, „denn ich hatte damit schöne Erfolge“. In der abgelaufenen Saison holte er in der Deutschen Rallye-Meisterschaft (2WD-Wertung) den Vizetitel der Klasse RC4. Nun bekommt er einen neuen Wagen. Welches Fabrikat, stehe noch nicht endgültig fest. Knacker weiß aber schon, was er mit dem Gefährt erreichen will: „Nächstes Jahr möchte ich die Klasse mit meinem Co-Piloten Enrico Flores-Trigo gerne gewinnen.“ Ein weiteres Ziel ist, mal wieder international zu fahren – wie bei der WM 2019, als er unter anderem auf Rennstrecken in Sardinien, Finnland und Schweden unterwegs war.

Zunächst geht es aber in Deutschland weiter. Und auch in der neuen Saison wird sein Vater Ralf wieder ganz eng an Knackers Seite sein. Der Kfz-Mechaniker kümmert sich um Reparaturen am Auto, sein Sohn (gelernter Industriemechaniker) assistiert ihm. Vater Knacker war früher selbst im Motorsport aktiv. „Durch ihn bin ich da gelandet“, sagt Nico Knacker, der seine Karriere einst in Sulingen in einem Kart begann.

Mittlerweile brettert er leidenschaftlich gerne und erfolgreich über Pisten und Straßen – allerdings nur während der sechs bis sieben Rallyes pro Jahr. Im normalen Straßenverkehr (Knacker fährt einen Mercedes und damit täglich zur Arbeitsstelle nahe Celle) „sei er vernünftig und nicht so schnell. Ich habe ja mein Hobby, bei dem ich richtig Gas geben kann.“

Was er auf der Strecke zustandegebracht hat, wird stets direkt festgehalten. Nach den anstrengenden Rennen hat Knacker ein bestimmtes Ritual – aber nicht etwa Beine hochlegen und relaxen. „Am Sonntag“, berichtet er, „schreibe ich mit meiner Freundin Marina zusammen immer die Pressemitteilungen.“

Bunte Knöpfe, enge Sitze, Handbremse und Schaltknüppel in Übergröße: So sieht es aus im Rallye-Auto des Siedenburgers Nico Knacker, dessen liebstes Hobby der Motorsport ist.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Meistgelesene Artikel

„Nun kann ,Palle‘ gut schlafen . . .“

„Nun kann ,Palle‘ gut schlafen . . .“

„Nun kann ,Palle‘ gut schlafen . . .“
Deniz Undav: „Manchmal muss ich mich kneifen“

Deniz Undav: „Manchmal muss ich mich kneifen“

Deniz Undav: „Manchmal muss ich mich kneifen“
„Deniz hat es allen gezeigt“

„Deniz hat es allen gezeigt“

„Deniz hat es allen gezeigt“
Temin trifft zur Wende im ersten Test

Temin trifft zur Wende im ersten Test

Temin trifft zur Wende im ersten Test

Kommentare