Brinkums Hyoung-bin Park

„Ein Glücksfall“ aus Uijeongbu - im Stil von Toni Kroos

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Das erste Tor für Brinkum ist da – und was für eines es war! Hyoung-bin Park traf zum entscheidenden 2:1 gegen Schwachhausen sehenswert per Hacke. Foto:

Brinkum - Am Samstagabend war das Wetter ziemlich mies. Kalt, teilweise regnerisch. Da dachte sich Mike Gabel, bringt er Hyoung-bin Park mal mit dem Auto nach Hause. Auf der Fahrt Richtung Oberneuland nutzte der Coach des Fußball-Bremen-Ligisten Brinkumer SV die Gelegenheit und übte ein bisschen Einzelkritik. „Ich habe ihm gesagt, dass es eines seiner schlechteren Saisonspiele war, weil er oft falsche Entscheidungen getroffen hat“, berichtet Gabel mit Blick auf die Partie gegen den Tabellenzweiten TuS Schwachhausen. Park sieht es genauso: „Ich habe auf dem Platz gemerkt, dass ich irgendwie kein Glück hatte, es nicht mein Spiel war.“

Aber dann kam die 89. Minute und der „wunderschöne Angriff über sieben Stationen“ (Gabel). Am Ende brachte Maximilian Wirth den Ball stramm und flach in die Mitte, wo Park herausragend mit der Hacke vollendete. Ein Geniestreich, „ein Zaubertor“, wie Brinkums Manager Jörg Bender anerkennend anmerkt. Für den im Sommer vom TB Uphusen verpflichteten Südkoreaner war es der erste Treffer für Brinkum – für sein Team (nun Vierter) bedeutete er den 2:1-Sieg im Spitzenspiel. „Ein Tor mit der Hacke ist mir bisher nur im Training gelungen, aber ich konnte den Ball nicht anders verwerten. Und als er drin war, habe ich meine Leistung vorher kurz vergessen“, sagt der 23-Jährige.

Das Toreschießen gehörte bisher nicht zu den Qualitäten des Mannes, den in Brinkum wegen seines etwas komplizierten Vornamens alle nur Park nennen (er sich selbst am Telefon übrigens auch). „Manchmal auch Park-Bank oder Park-Hotel“, sagt Gabel und grinst. Bender flachst mit Blick auf die Abschluss-Versuche: „Bei seinen Schüssen sind die Bälle oft nicht mal annähernd Richtung Tor geflogen.“ Doch dafür hat der Mittelfeldmann, der auf der Sechs, der Zehn oder den Außenbahnen spielen kann, andere fußballerische Vorzüge. „Er ist sehr fleißig und laufstark“, lobt Bender: „Und dafür hat er sich jetzt endlich mal belohnt.“

Dass der Fußball mal eine Riesen-Rolle in seinem Leben spielen würde, war Park schon früh klar gewesen. In seiner Heimatstadt Uijeongbu („In etwa so groß wie Bremen“) nahe Seoul erlebte er 2002 die WM hautnah mit. Er war zwar erst sieben Jahre alt, fand vor allem die deutsche Mannschaft aber schon ganz gut. „Richtiger Fan bin ich dann 2006 geworden“, verrät er, „Philipp Lahm fand ich klasse, die Tormaschine Miroslav Klose auch.“ Sein größtes deutsches Vorbild war und ist Toni Kroos: „Ich will genau so spielen wie er.“

2012 wagte Park dann den Sprung in das Land, dessen Fußball er so mag. Alleine, ohne seine Eltern und seinen älteren Bruder Sangjong (26). Er zog in Oberneuland in ein Internat für koreanische Fußballer, in dem er bis heute lebt, spielte in Blumenthal (Regionalliga-A-Jugend), bei Werder III und dann in Uphusen. Aktuell schaut er sich nach einer Wohnung um, die näher an Woltmershausen dran ist – dort absolviert der 23-Jährige eine Ausbildung zum Industriekaufmann. „Vielleicht mache ich aber auch erst den Führerschein“, sagt er: „Beides auf einmal ist teuer und geht nicht.“

Seine Familie sieht er nur sehr selten. Vor vier Jahren hat ihn seine Mutter mal in Bremen besucht, er selbst versucht einmal im Jahr nach Uijeongbu zu reisen. „Am Anfang hatte ich fürchterliches Heimweh, mittlerweile geht es. Über das koreanische WhatsApp schreiben meine Mutter und ich uns täglich, am Wochenende telefonieren wir über Facetime.“

Im Sommer war er zuletzt in Südkorea, besprach mit seinen Eltern eine wichtige sportliche Entscheidung. Er wollte weg aus Uphusen, weil er nicht regelmäßig zum Einsatz kam. Dem FSV Langwedel-Völkersen (Bezirksliga Lüneburg) habe er bereits die mündliche Zusage gegeben. Als dann aber Gabel (als Chefcoach) und Kevin Artmann (als Co-Trainer), die er beide aus Uphusen kannte und mochte, in Brinkum anheuerten und ihn köderten, dachte Park um – und sagte Langwedel ab: „Das war ein richtig schlechtes Gefühl.“

Für Brinkum allerdings „ein Glücksfall“, urteilt Gabel, der einen „Wunschspieler“ bekam, den er auch abseits des Platzes enorm schätzt: „Er hat einen typisch asiatischen Charakter, wenn ich das mal so sagen darf: überaus höflich, zurückhaltend, super-engagiert.“

Nach seiner Ausbildung möchte Park, der gegen Schwachhausen laut Bender seine fünfte Gelbe Karte sah und am Wochenende beim Bremer SV aussetzen muss, gerne erst mal in Deutschland bleiben. Die Sprache spricht er fließend – und er betont: „Es ist meine zweite Heimat geworden.“

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