ZOLLSTOCK-GESPRÄCH Bassums Bogenschütze Tim Schröder hält sich im heimischen Garten fit

„Ein Fitnessstudio braucht keiner“

Wenn nicht im Verein geschossen werden kann, dann eben im heimischen Garten: Bogenschütze Tim Schröder (re.). Nebenbei nahm sich das Talent auch noch Zeit für ein Zollstockgespräch mit Redakteur Julian Diekmann. Foto: Schröder

Twistringen - Von Julian Diekmann. Tim Schröder gehört zu den talentiertesten Nachwuchs-Bogenschützen der Region. Gerade erst hat der 17-jährige Twistringer mit der Regionalligamannschaft des SV Bassum von 1848 die Vizemeisterschaft errungen. Aber auch auf Bundesebene hat der Elftklässler des Twistringer Hildegard-von-Bingen-Gymnasiums einiges vorzuweisen. So konnte sich der Recurve-Schütze 2017 bei der deutschen Meisterschaft im bayrischen Hof in die Top Ten schießen, belegte dort den zehnten Platz in der Schüler-A-Klasse.

1. Was nervt am meisten an diesen Tagen?

Nicht in der Lage zu sein, im Verein trainieren zu können. Sich nicht regelmäßig mit den andern Schützen treffen zu können und sich mit ihnen auszutauschen. Das war immer sehr schön gewesen. Da konnte man mal mitten in der Woche wirklich runterfahren.

2. Gibt es etwas, dass Sie derzeit auch angenehm finden?

Jetzt kann man sich nach eigenem Ermessen auch für die kleinsten Dinge Zeit nehmen, wie man will. Ich konnte mir jetzt – bis die Schule wieder virtuell anfing – jeden Tag so gestalten, wie ich mich gerade gefühlt habe.

3. Was für versteckte Talente haben Sie an sich entdeckt?

Ich verbinde Talente mit positiven Fähigkeiten. Von daher kann ich jetzt nicht unbedingt sagen, dass ich ziemlich gut mit der Isolation klar komme. Dementsprechend habe ich da keine Antwort darauf. Es ist eine sehr schwere Frage.

4. Was ist momentan sportlich die größte Herausforderung?

Meine Schießeinheiten daheim regelmäßig über die Bühne zu bekommen. Da im Garten meiner Eltern nicht nur gearbeitet, sondern anderweitig Zeit verbracht wird, hat die eine oder andere Person im Haus hin und wieder ein kleines Problem damit, wenn die Pfeile durch den Garten fliegen.

5. Was sind Ihre Tipps, um trotz Kontaktverbots fit zu bleiben?

Einzusehen, dass man kein Fitnessstudio braucht, sondern sich auch daheim ausreichend sportlich betätigen kann. Wobei es einen auch nur so weit bringt, wie es die eigene Ernährung zulässt. Und damit meine ich keine Pre-Workouts, Aminosäuren oder sonstiges, sondern eher stinknormales Essen wie Haferflocken, Nüsse, Fleisch, Fisch, Gemüse oder Ähnliches. Also Sport machen, essen und trinken. Das ist oft schwer, aber nicht kompliziert.

6. Buch, Serie oder Film – was bevorzugen Sie? Und was haben Sie zuletzt gelesen oder geschaut?

Am liebsten schaue ich Serien. Wenn ich da nämlich erst einmal eine gefunden habe, bleibt mir davon länger was. Dann muss ich nicht jedes Mal wieder neu suchen. Die letzte Serie, die mir auch wirklich gefallen hat, war „The Last Ship“. Ich denke nicht, dass die Serie vielen Leuten gefallen wird. Für die Gruppe, welche die Serie aber ansprechen will, ist sie allerdings ein glatter Volltreffer.

7. Wie viele Rollen Toilettenpapier haben Sie zu Hause?

Wir sind momentan stolze Besitzer von einer angebrochenen Packung Klopapier. Viel mehr gäbe es auch gerade nicht in den Supermärkten abzustauben.

8. Mit wem würden Sie aktuell am wenigsten tauschen wollen?

Ich möchte ganz sicher nicht mit einem Sozialarbeiter tauschen. Zum einen, weil sie gerade einen unfassbar wichtigen Job machen und zum anderen, weil sie einfach besser darin sind als ich. Außerdem möchte ich auch niemanden von seiner Aufgabe abziehen.

9. Wie groß ist die Lust auf Normalität?

Auf der einen Seite könnte ich dann natürlich wieder im Verein schießen, aber auf der anderen Seite müsste ich dann für die Schule wieder im Schulgebäude anwesend sein. Und an alle, die das jetzt lesen und meinen, dass ich erst einmal arbeiten muss, um Schule wertschätzen zu können: Ihr habt Recht, das ist mir bewusst. Aber habt Ihr auch noch im Kopf wie klein die Tische sind? Ich will jetzt meinen Schreibtisch, Radio, Cappuccino und vor allem meine selbst einteilbaren Aufgaben nicht wieder hergeben. Von daher wäre Normalität okay – nicht fantastisch, aber okay.

10. Wenn morgen alles wie vorher wäre: Was würden Sie als Erstes machen?

Da sage ich ganz klar: zum Schießen gehen. Denn das vermisse ich aktuell am allermeisten.

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