ADVENTSKALENDER Bei Bundesliga-Squasher Dennis Jensen reist auch der Aberglaube mit

Ein altes Handtuch und weiche Saiten

Ein Bundesliga-Spieler lässt tief blicken! Dennis Jensen öffnet seine Squash-Tasche für unsere Serie „Adventskalender“.
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Ein Bundesliga-Spieler lässt tief blicken! Dennis Jensen öffnet seine Squash-Tasche für unsere Serie „Adventskalender“.

Diepholz – Die Farben auf diesem Stück Frottee sind bereits ein bisschen verblasst, doch sie haben auch schon einige Waschmaschinen-Umdrehungen und Auftritte in Deutschlands Elite-Ligen hinter sich. Dennis Jensen liebt dieses „Amerika-Handtuch“, wie der Ausnahme-Squasher seinen Schweiß-Fänger mit dem Motiv der USA-Flagge nennt. „Ein bisschen Aberglaube ist eben dabei“, gibt der Spielertrainer des Squash-Bundesligisten 1. SC Diepholz zu. Deshalb reist dieses Exemplar seit fast 17 Jahren in der wuchtigen Sporttasche mit, die der siebenmalige Niedersachsenmeister im Einzel und zweifache Zweitliga-Champion mit der Diepholzer Mannschaft für die neueste Folge unseres Adventskalenders öffnet.

Jensens wesentliches Handwerkszeug, zwei Schläger, befinden sich ganz unten in seinem Behältnis für sämtliches Equipment. Beide vom Modell „Pure 5“ aus dem Hause Oliver, der Rahmen aus MC-Eplon-Kunststoff und in Long-String-Form. Etwas anderes als diesen Klassiker nimmt der 46-Jährige nicht in die Hand, wenn er in Deutschlands Squash-Oberhaus aufs Parkett geht. „Mit den Vorgänger-Modellen Pure 2, 3 und 4 spiele ich schon 15 Jahre“, berichtet der Ur-Diepholzer.

Für die entsprechende Bespannung sorgt beim 1. SCD Andreas Menck, Gründungsmitglied des 1987 aus der Taufe gehobenen Clubs. „Er hat sich extra eine Besaitungsmaschine gekauft und bekommt für seine Arbeit sogar Lob von unseren Profis“, berichtet Jensen über den Mann, der die Kunst beherrscht, pro Racket mit nur zwei Knoten auszukommen.

Nur meine Schuhe habe ich tatsächlich mal vergessen. Da durften wir dann vor einem Spiel noch mal in die City und neue kaufen.

Dennis Jensen über einen einzigen Fauxpas beim Packen der Tasche in vielen Jahren. Bis zu vier Paar der speziellen Treter verschleißt er pro Jahr.

Der Spielertrainer selbst mag es dabei nicht auf die „harte Tour“: „Ich persönlich bevorzuge etwa 10,5 bis elf Kilogramm, sodass man die Saiten noch bewegen kann. Bei einer stärkeren Bespannung fehlt mir im Spiel die Rückmeldung vom Ball.“

Jetzt holt er den Stolz aller Spieler des aktuellen Bundesliga-Zweiten heraus – das neue Trikot, stattlich bedruckt mit einigen Sponsoren-Logos. So viel Zuspruch in der auch wirtschaftlich schweren Zeit nach fast zwei Jahren Pandemie – keine Selbstverständlichkeit, weiß auch Jensen, der sich seit Jahren federführend um Unterstützer des Clubs kümmert und neue Partner akquiriert. „Es ist nicht einfacher geworden“, gibt der Macher zu, „aber man muss bei der Sponsorensuche auch das nötige Fingerspitzengefühl walten lassen. Ich würde im Moment sicherlich keine Firma ansprechen, von der ich wüsste, dass sie Kurzarbeit in Anspruch nehmen musste. Das passt einfach nicht in die aktuelle Lage.“

Auf der anderen Seite stiegen die Ausgaben für eine Erstliga-Serie erheblich. „Das bereitet mir manchmal schon ziemliches Kopfzerbrechen“, räumt der Disponent einer größeren Spedition ein. „Die Flüge für die ausländischen Profis in unserem Team zum Beispiel sind im Vergleich zur Zeit vor Corona extrem teuer geworden.“

Acht bis zehn Stunden verbringt der ehrenamtliche Manager an den Abenden vor einem Spieltag mit Organisieren, Reservieren und Telefonieren.

Klar, dass die Partnerinnen der Squasher einen derartigen Aufwand zuzüglich der wöchentlich vier Trainingseinheiten mittragen müssen. „Wir sind aber keine reine Herrenrunde“, stellt Jensen klar: „Unsere Frauen begleiten uns auch oft zu den Auswärtsspielen, kommen mit zu den Mannschaftsabenden und Essen.“

Oder geben die Herbergsmutter – wie Dennis Jensens Ehefrau Kathrin. Nach einem Spieltag landen die Klamotten des gesamten Kaders dann schon mal bei ihr. Denn zum Übernachten belagern die auswärtigen Profis ohnehin diverse Zimmer im Haus am Ufer der Hunte, das „Sauna- und Sportparadies“ als Heimspielstätte des SCD in Sichtweite. Und tags darauf stehen oft schon die nächsten Matches an.

Eher seltener in die Wäsche müssen die grauen Meeting-Jacken – die einheitliche Kluft vor den Partien – und die Ausgeh-Poloshirts. Seine Exemplare zieht Jensen ebenfalls aus der Tasche. Die Übergangsjacke ziert ein kleines Logo mit den gezeichneten Gesichtern von ihm und Dirk Heemann, einem weiteren noch aktiven Urgestein der Mannschaft. Darunter prangt der Schriftzug „Diepholzer Jungs“. Heimatliebe pur.

Die blauen Poloshirts mit dem Diepholzer Stadtwappen und den zwei Sternen darüber (eine für jede Zweitliga-Meisterschaft) zieht das Team zum gemeinsamen Abendessen in einem der unterstützenden Restaurants an.

Apropos Essen: Mindestens eine Banane darf im Seitenfach von Jensens Tasche nicht fehlen. „Die erste esse ich so eine Stunde vor dem Spiel, und wenn mir mittendrin zwischen den Sätzen mal die Körner ausgehen, muss noch eine zweite dran glauben.“

Thrombosestrümpfe für die „Nacht danach“

Ebenfalls ein Muss: Musik aus den „AirPods“. Diese kleinen Kopfhörer packt der 46-Jährige stets ein. „Damit fokussiere ich mich eine halbe Stunde, ehe es losgeht.“ „The Eye of the Tiger“ und „No easy way out“ aus den „Rocky“-Soundtracks sind auf der Playlist gesetzt.

Getränketechnisch kommt Jensen mit Mineralwasser aus, gelegentlich unter leichtem Zusatz von Magnesium, das er zusammen mit der Trinkflasche aus der anderen Seite der Tasche hervorkramt. Mit den Jahren haben auch Kinesio-Tapes Einzug in Jensens Sortiment gefunden. „Das hat aber eher vorbeugenden Charakter. Für die Nachbehandlung haben wir Top-Physios – heutzutage ein Muss, nach dem auch die Profis fragen, wenn wir mit ihnen über eine Verpflichtung für unser Team reden. Früher, so vor 20 Jahren, hätte mich das nicht gejuckt, ob wir einen Physio haben. Das hat sich mit dem Alter geändert“, gibt der 46-Jährige zu.

So greift er inzwischen auch auf Thrombosestrümpfe zurück, „die ich nach Spielen auch zum Schlafen anhabe. Das ist ein guter Beitrag zur Regeneration.“

So kennen ihn Fans und Konkurrenten seit Jahrzehnten: Dennis Jensen in Aktion für den 1. SC Diepholz. Das Urgestein durchlief über die Regionalliga und 2. Bundesliga bis zum Oberhaus mit dem 1. SCD Höhen und Tiefen.

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