Eigene Anlage, Freunde seit Kindertagen: Bei „Shooting Birds“ ist vieles anders

Eingeschworene Truppe will bald in die Squash-Oberliga

+
Das sind noch nicht alle Akteure des Bassumer SC „Shooting Birds“ – aber einige, die die Sanierung ihres Domizils vorangetrieben haben (v.l.): Andreas Tiemann, Timo Krämer, Kevin Krämer, Volker Refke, Paul Turken, Olaf Brandt und Tim Schilmann.

Harpstedt/Bassum - Von Cord Krüger. Um dieses Domizil dürften sie viele Vereine in Deutschland beneiden – wenn sie davon wüssten. Vielleicht auch wegen dieser Einzigartigkeit liegt die Anlage des Bassumer SC „Shooting Birds“ etwas versteckt. Nicht in Bassum, sondern im 13 Kilometer entfernten Harpstedt. Aber wer erstmal richtig in den Amtmannsweg abbiegt und die schmale Gasse hinter einer Gewerbehalle nicht scheut, hört schnell, dass er richtig ist: peitschende Rackets, an Wände prallende Gummibälle, quietschende Schuhe: Hier gibt's Squash! Und zwar immer, wenn es die knapp 30 Mitglieder wollen. „Theoretisch 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr“, sagt Club-Vorsitzender Timo Krämer.

Denn die „Birds“ haben ihre drei Courts samt Sanitärräumen, Kabinen und heimeliger Restauration vor fünf Jahren gepachtet, selbst renoviert und genießen seitdem ihr Hausrecht. „Ein Teil eines leeren Fitnessstudios, das wir durch eine Leichtbauwand abgetrennt haben“, erläutert Andreas Tiemann, Spitzenspieler der ersten Mannschaft aus der Verbandsliga. „Alles hing hier voll Spinnweben, Boden und Wände waren auch ziemlich runter.“ Doch nach einem halben Jahr harter Arbeit hatten es die Aktiven geschafft. Jetzt sind sie laut Krämer „der einzige Verein in Deutschland mit eigenen Courts – unabhängig von einem Fitness-Center oder Sportpark. Jedes unserer Mitglieder hat einen Schlüssel und kann jederzeit trainieren.“

Das funktioniert, weil alle verantwortungsvoll mit ihren Örtlichkeiten umgehen: „Jeder hält selbst Ordnung“, schildert Tiemann, während er am Tresen des Clubraums sein Training für eine Trinkpause unterbricht. Von der Bar und der Sitzecke kann der Besucher jedes der drei Spielfelder überblicken – perfekt für Zuschauer. Und davon erhoffen sich die „Shooting Birds“ ab Oktober mehr, denn für die neue Saison haben sie sich den Aufstieg vorgenommen. Als Dritter beendeten die „Bassumer Wahl-Harpstedter“ jetzt ihre zweite Verbandsliga-Serie nach dem unglücklichen Oberliga-Abstieg vor zwei Jahren. „Damals haben wir nicht verloren, sondern nur gewonnen und unentschieden gespielt“, schüttelt Tiemann noch heute den Kopf.

„Jetzt geht es auch darum, unserem Youngster Janek Kreuzträger eine Perspektive zu bieten – also wollen wir zurück in die Oberliga.“ Schließlich möchten sie den vom Bundesligisten Bremer SC losgeeisten Kreuzträger halten. Jedoch nicht etwa, weil die Männer der „Ersten“ans Aufhören denken. Kevin Krämer an Position zwei schon gar nicht, doch ebensowenig sein älterer Bruder Timo, Andreas Tiemann, Tim Schilmann und Christian Michalak – obwohl die vier schon 32 Jahre alt sind. „Aber mit Verletzungen hat man in diesem Sport nicht zu kämpfen“, beteuert Tiemann, der da als einstiger Fußballer des SC Twistringen weit mehr einstecken musste. Außerdem verbindet sie mehr als ihr Sport: „Wir kennen uns größtenteils schon seit Kindertagen“, verrät Timo Krämer.

Wohl auch deshalb überstanden sie 2009 die größte Krise ihrer Club-Geschichte: Als der Betreiber des Bassumer Sportcenters seine Squash-Boxen zu lukrativeren Angeboten umbaute, standen die Sportler auf der Straße. Zufällig stießen sie nach einigem Suchen auf die Harpstedter Gegebenheiten. „Nicht alle wollten das finanzielle Risiko mitgehen, das mit der Pacht und Renovierung verbunden war“, erinnert sich Vorsitzender Krämer: „Es gab einige Austritte.“

Wer blieb, hielt aber durch. Gemeinsam schufen sie eine gemütliche Spielstätte, die wegen ihrer Nähe zu Bremen und Oldenburg strategisch gut gelegen ist. Auch die Bundesliga-Squasher des 1. SC Diepholz nutzten das bereits – und verlegten mal eine Trainingseinheit vor ihrem Auswärtsspiel nach Harpstedt. Dafür waren sie dankbar – doch im März, während der Landesmeisterschaften im Einzel, durften die Bassumer deshalb keine Gnade von Diepholz‘ Teamchef Dennis Jensen erwarten: Kevin Krämer schied gegen den späteren Niedersachsenmeister im Achtelfinale aus.

Trotzdem jubelten die Bassumer über diese beste Platzierung im Feld ihrer sechs Starter. Ohnehin feiern sie gern – am liebsten in ihrem sportlichen Zuhause, wo sie 2014 aufs 20-jährige Club-Bestehen anstießen. „Das war nicht die einzige Fete hier“, verrät zweiter Vorsitzender Tiemann schmunzelnd.

Normalerweise glühen am Amtmannsweg aber die Socken. Montags wetzt der Nachwuchs unter den Augen von Jugendtrainer Volker Refke übers Parkett – der Jüngste von ihnen ist neun. Mittwochs sind die Herren dran, an anderen Tagen Gabi Zimmermann, Majka Hjortskov oder Daria Jöckel: Die drei Damen der „Birds“ würden sich sehr über eine vierte Frau im Bunde freuen – dann hätten sie wieder eine rein weibliche Mannschaft. „Das Team müsste aber in der Männer-Konkurrenz starten, denn zurzeit gibt es keine Frauen-Liga“, erklärt Krämer.

Squash ist eben immer noch eine Randsportart. Doch die „Shooting Birds“ hoffen, dass sie bald Verstärkungen bekommen…

Das könnte Sie auch interessieren

Einzelkritik: Pavlenka sicher, Bartels ganz schwach

Einzelkritik: Pavlenka sicher, Bartels ganz schwach

"Stolzer" Wagner bezwingt polternden Mourinho

"Stolzer" Wagner bezwingt polternden Mourinho

Regierungspartei gewinnt Wahl in Japan

Regierungspartei gewinnt Wahl in Japan

Ehrenamtsmesse in der KGS Brinkum

Ehrenamtsmesse in der KGS Brinkum

Meistgelesene Artikel

Ziele verfehlt: Brinkmann muss in Brinkum gehen

Ziele verfehlt: Brinkmann muss in Brinkum gehen

Melchiorshausen verspielt in Überzahl 1:0-Führung

Melchiorshausen verspielt in Überzahl 1:0-Führung

Kreisliga: Mörsen demütigt Lahausen

Kreisliga: Mörsen demütigt Lahausen

Stuhrs Azzarello „steht immer richtig, auch wenn er mal falsch steht“

Stuhrs Azzarello „steht immer richtig, auch wenn er mal falsch steht“

Kommentare