Häufige Kritik am Computerspielen

Serie „Seltene Sportarten“: Ist E-Sport überhaupt richtiger Sport?

+
Der Traum vieler Jugendlicher: Professionell „zocken“ – so wie Felix „Finex“ Naumann, der beim Brinkumer E-Sports-Team Aequilibritas „Rocket League“ gespielt hat.

Warum E-Sport als „richtige“ Sportarten gelten sollten, erklärt Lucas Suede, Geschäftsführer des Brinkumer E-Sport-Teams  Aequilibritas. Außerdem räumt er mit weit verbreiteten Vorurteilen gegenüber dem Computerspielen auf.

Brinkum - „E-Sport ist der kompetetive Bereich bei digitalen Spielen“, erklärt Sude und führt aus: „Es umfasst nicht den Bereich, in dem man Computerspiele als Hobby ,zockt‘, sondern zum Beispiel die Teilnahme an einer Liga, um die sich jemand kümmert.“ 

Bei Aequilibritas (der Name wurde von den Gründungsmitgliedern gewählt und ist aus dem Latein von Ausgeglichenheit und Gleichberechtigung abgeleitet) stehen die Spiele „League of Legends“, „Players Unknown Battlegrounds“, „Fortnite“ und „Apex Legends“ im Vordergrund. 

Turnier mit den besten E-Sports-Teams der Welt in Krakau

Bei „Apex“ steht am Wochenende ein Einladungsturnier im polnischen Krakau an, bei dem sich Sudes Team, das 2016 gegründet wurde und inzwischen rund 2 500 auf der Webseite registrierte Mitglieder zählt, mit den besten Spielern der Welt misst

„Das wird das größte Event, das es in ,Apex‘ bisher gab“, erklärt der 26-Jährige: „Die 80 besten Teams der Welt werden dort am Start sein. Wir wollen unter die Top 16 kommen.“

E-Sport: Geld spielt eine große Rolle

Auf einem so hohen Level spielt im E-Sports natürlich auch Geld eine große Rolle. Ein Beispiel: Die diesjährige „Fortnite“-WM im New Yorker Tennis-Stadion „Arthur Ashe“ war mit 30 Millionen US-Dollar dotiert

„Schaut euch mal an, was das für eine Basis hat“, ist deshalb auch ein beliebter Satz, den Sude immer wieder an die Eltern der (potenziellen) Spieler richtet, die bei Aequilibritas unter Vertrag stehen oder noch unter Vertrag genommen werden sollen – denn die angehenden E-Sportler sind in der Regel minderjährig (Sude: „Im Alter zwischen 16 und 21 Jahren sind die Spieler meiner Erfahrung nach am besten, weil sie die besten Reflexe haben“). 

Mit E-Sport viel Geld verdienen

Hier taucht auch das Wort „Verständnis“ das erste Mal auf. Denn: „Viele wissen noch gar nicht, was da für ein unglaublicher Konsens hinter ist und was man damit – gerade wenn die Branche weiter so wächst wie bisher, und davon gehe ich stark aus – für ein Geld verdienen kann. Ich glaube, dass es sehr wichtig ist, dass die Leute das verstehen, darum suche ich häufig das Gespräch.“

E-Sport - Teamplay im Fokus

Und dabei erklärt Sude gerne nicht nur das finanzielle Potenzial, sondern auch alle anderen Probleme, die sich mit E-Sports durchaus mal ergeben.

 „Mein Lieblingsbeispiel: Viele Kinder und Eltern kennen die Situation, wenn die Mutter ruft: ,Komm zum Essen‘, und die Antwort lautet: ,Geht nicht, ich kann das Spiel nicht pausieren‘“, erklärt Sude grinsend: „Das hat aber nichts damit zu tun, dass das Kind zum Beispiel nicht zum Essen kommen will oder es vorsätzlich vor sich herschiebt, das hat vielmehr etwas mit dem Verantwortungsbewusstsein der Gruppe gegenüber zu tun. Denn wenn er das Spiel verlässt, haben seine Mitspieler in der Regel einen großen Nachteil. Das ist im Grunde genauso, wie wenn du Vier gegen Vier Fußball spielst und plötzlich einer nicht mehr mitspielen kann – dessen Mannschaft hat dann einen Spieler weniger und damit hat das andere Team einen Vorteil.“

Gemeinschaft auch bei E-Sport wichtig

Überhaupt zieht Sude den Vergleich zum Fußball gerne – und räumt an dieser Stelle auch gleich mit einem weiteren großen Kritikpunkt an Bildschirm-Spielen auf. „Es wird immer gesagt: ,Früher waren wir noch alle zusammen auf dem Fußballplatz, heute sitzen unsere Kinder nur noch vor den Bildschirmen und machen gar nichts mehr zusammen.‘ Diese Schlussfolgerung, dass damit die Gemeinschaft abhanden kommt, ist aber totaler Quatsch“, findet Sude. 

„Auch Computer-Spiele werden in aller Regel zusammen gespielt. Das ist fast die Community, wie es sie auch auf dem Bolzplatz wäre – nur im Wandel der Zeit.“

„E-Sport ist ein Sport, das ist ganz klar.“

Außerdem schließen sich „Zocken“ und Sport ja auch nicht gegenseitig aus. Im Profi-Bereich sind sie sogar eng verknüpft. „Du brauchst eine physische Grundlage, um bei Turnieren lange vor dem PC sitzen zu können. Das darf man nicht unterschätzen“, erklärt Sude.

 „Sport steht bei Profis immer auf dem Programm.“ Damit ist für ihn auch die häufige Kritik hinfällig, E-Sport sei „kein richtiger Sport“. Auch hier bemüht er wieder einen Vergleich: „Warum gibt es Motorsport? Der Motor ist die Grundlage, das Instrument dafür, genau so ist es bei uns zum Beispiel der Computer. E-Sport ist ein Sport, das ist ganz klar. An dieser Stelle fehlt mir von von vielen Menschen das Verständnis und die Toleranz.“

Suede von Aufstieg von E-Sport überzeugt

Nichtsdestotrotz ist sich Sude sicher, dass der rasante Aufstieg des E-Sport weitergehen wird: „Immer mehr Leute erkennen das Potenzial, das in dieser Branche steckt. Es wird immer selbstverständlicher. Und das ist auch gut so. Denn der gemeinschaftliche Nutzen ist anzuerkennen und sollte gefördert werden.“

Weitere Nachrichten zum Thema

Mehr als nur Zocken: Sascha Templin aus Stuhr vergleicht E-Sports mit einem Handballverein - es gibt feste Trainings.

Die Hochschule Mittweida bietet künftig sogar den Bachelor-Studiengang „eSports and Games Marketing“ an.

Der eSport Bund Deutschland hat ein Gutachten in Auftrag gegeben ob eSport ein Sport ist. Laut dem Gutachter nicht.

Das ablehnende Gutachten des Deutschen Olympischen Sportbunds, den E-Sport als Sport anzuerkennen, stößt auf Kritik.

Erhan „Dr. Erhano“ Kayman tritt bei Werder Bremen das Erbe eines Weltmeisters an soll den deutschen Meistertitel im Videospiel FIFA verteidigen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Klima-Aktivisten blockieren Haupteingang der IAA

Klima-Aktivisten blockieren Haupteingang der IAA

Übungsszenario in Syke: Frontalcrash auf enger Straße

Übungsszenario in Syke: Frontalcrash auf enger Straße

Offen wie selten: Tunesien wählt neuen Präsidenten

Offen wie selten: Tunesien wählt neuen Präsidenten

Kirchengemeinde Westen feiert Festgottesdienst

Kirchengemeinde Westen feiert Festgottesdienst

Meistgelesene Artikel

Zwei neue „Kapitäne“ für Sudweyhe

Zwei neue „Kapitäne“ für Sudweyhe

Brinkmann: „Das bereitet mir ein bisschen Sorge“

Brinkmann: „Das bereitet mir ein bisschen Sorge“

Serie „Seltene Sportarten“: Ist E-Sport überhaupt richtiger Sport?

Serie „Seltene Sportarten“: Ist E-Sport überhaupt richtiger Sport?

Sulingen völlig problemlos – 5:0

Sulingen völlig problemlos – 5:0

Kommentare