Die Durchstarterin

Lea Jerkovic legt rasante Entwicklung hin

Bei der Deutschen Meisterschaft (U 18) wurde Lea Jerkovic Zehnte im 1 500-Meter-Hindernis-Rennen. - Foto: Görlitz
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Bei der Deutschen Meisterschaft (U 18) wurde Lea Jerkovic Zehnte im 1 500-Meter-Hindernis-Rennen.

Ashland/Stuhr - Von Daniel Wiechert. Die Zeit läuft. Für Leichtathletin Lea Jerkovic nichts Neues. Doch diesmal geht es nicht um ein Rennen. Halloween steht vor der Tür. „Und ich habe noch kein Kostüm. Da muss ich mir noch Gedanken machen.“ Die Zeit läuft. Mittwoch ist es so weit.

Längst sieht und schmeckt Jerkovic die Halloween-Vorboten. „Überall stehen Kürbisse herum“, staunt die Stuhrerin, die auch an den typischen Leckereien nicht vorbeikommt: Pumpkin Ice Cream, Pumpkin Pie – die Amerikaner zelebrieren ihre Kürbis-Zeit: „Mein ganzes Umfeld ist voll im Halloween-Fieber.“

Jerkovic, 17, ist seit zwei Monaten im Mittleren Westen. „Es ist schon eine Umstellung“, sagt sie. Anfangs war es für die Norddeutsche durchaus „ein kleiner Kulturschock“. 6 700 Kilometer von der Heimat entfernt; erstmals über einen langen Zeitraum von der Familie getrennt. Aber Jerkovic ist die Akklimatisierung gelungen: „Ich habe mich echt gut eingelebt.“ Auch, weil sie ziemlich durchgetaktet lebt – und somit kaum Zeit für großes Heimweh bleibt. „Ich bin super beschäftigt“, stellt sie klar.

Ihr Alltagsprogramm in Ashland – 100 Kilometer südwestlich von Cleveland – hat es in sich. Bereits vor acht Uhr morgens klingelt die erste Schulglocke. Um 14.40 Uhr die letzte. „Dann ziehe ich mich in der Schule um, mache mich fertig für den Sport, der um 15 Uhr losgeht. Wir trainieren zwei Stunden. Danach fahre ich mit dem Rad nach Hause, dusche, esse, mache Hausaufgaben. Und dann ist auch schon Zeit, um ins Bett zu gehen.“

Die Wochenenden stehen im Zeichen des Sports. Jerkovics Leidenschaft. Freitagabends besucht sie mit Freundinnen die Football-Spiele ihrer High School. „Das ist hier wirklich eine Riesen-Sache“, betont die 17-Jährige: „Mit den Cheerleadern, mit der Live-Band – einfach eine Riesen-Show.“

Samstags und sonntags ist sie häufig selbst gefragt. Mit ihrem Team, „The Lady Arrows“, geht Jerkovic bei Cross-Country-Läufen im ganzen US-Bundesstaat Ohio an den Start. Vor wenigen Tagen lief sie in Galion über die Drei-Meilen-Distanz. Knapp fünf Kilometer über Stock und Stein, die es in sich haben. „Je häufiger ich diese 5 000 Meter laufe, desto mehr habe ich das Gefühl, dass diese Strecke vielleicht zu lang ist, um meine Geschwindigkeit wirklich von vorne bis hinten aufrecht erhalten zu können. Die ersten beiden Meilen sind super schnell bei mir, auf der dritten gehe ich dann quasi ein. Deshalb denke ich, dass die Distanz künftig etwas kürzer sein sollte.“

Das ist schon einmal eine wichtige Erkenntnis. Schließlich war Jerkovic auch mit dem Ziel in die Staaten gegangen, sich möglichst zu spezialisieren. Ihre noch kurze Sport-Laufbahn ist geprägt von Erfolgen auf den unterschiedlichsten Distanzen. Mal lief sie 800, mal 1 500, mal 3 000, mal 5 000, manchmal gar 10 000 Meter. „Mein Spektrum, my range“, verfällt sie kurz ins Englische, „war immer sehr groß und weit. Das hat mir selbst nicht immer so gut gefallen. Ich habe mir gedacht, wenn ich wirklich auf einer Strecke Erfolg haben möchte, dann muss ich mehr den Fokus auf eine Distanz legen.“

Beim Cross Country sind die drei Meilen gesetzt, doch bald geht es in die Indoor-Track-Saison, bevor im Frühjahr die Track-and-Field-Saison ansteht. „Dann ist mir die Möglichkeit gegeben, mich zu spezialisieren, um zu schauen, was mir am besten liegt. Ich glaube, dass es in die Richtung 3 000 Meter oder weniger gehen wird.“

Ihren bisher größten Erfolg hat Jerkovic über die 1 500 Meter Hindernis gefeiert. Im Juli wurde sie in 5:07,90 Minuten norddeutsche U 18-Meisterin. Das Kuriose: Im Mai war sie diese Strecke in Zeven zum ersten Mal gelaufen. „Lea hatte zuvor noch nie ein Hindernis oder einen Wassergraben gesehen“, erinnert sich ihr Trainer Berthold Buchwald vom LC Hansa Stuhr: „Und trotzdem wurde sie in Zeven auf Anhieb niedersächsische Vizemeisterin.“

Als Buchwald die junge Läuferin kennengelernt hat, war diese Entwicklung nicht absehbar. „Bei ihrem ersten Hallentraining war Lea ziemlich unauffällig. Und dann bin ich Wochen später beim Silvesterlauf in Stuhr, schaue auf das Podium und denke: ,Mensch, die kennst du doch!‘“ Jerkovic, damals 15, hatte soeben die 9,5 Kilometer in 45:35 Minuten gewonnen. „Lea hat Kraft ohne Ende. Und sie hat großen Ehrgeiz, sie will nach oben“, betont Buchwald: „Man hat es selten, dass Talent und dieser unbedingte Wille zusammentreffen.“

Jerkovic kommt aus einer Läufer-Familie. Gino und Anja Jerkovic nahmen ihre Töchter Lea und Anna schon früh mit zu Volksläufen. „Anfangs waren meine Schwester und ich davon nicht ganz so begeistert, haben gedacht: ,Och, das ist doch viel zu anstrengend – warum macht ihr das?‘ Doch dann haben wir schnell gemerkt. dass es richtig viel Spaß bringen kann.“

Jetzt hat sie erst einmal Spaß in den Vereinigten Staaten. „Ich habe mir natürlich vorgenommen, so viel wie möglich hier mitzunehmen“, sagt Jerkovic: „Sachen zu machen, die ich so zu Hause nicht machen kann, die einfach zum typisch amerikanischen Leben dazugehören.“ Und noch ist Zeit, sich das perfekte Halloween-Kostüm zu besorgen.

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