23:22-Sieg nach Krimi gegen Schwanewede / „Schwäne“-Torjäger sieht Rot

Drei Spieler weniger – na und? Barnstorf reißt es dennoch

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Vier Spieler warfen fünf Tore für die HSG Barnstorf/Diepholz: Finn Richter (am Ball) war gestern einer davon. ·

Diepholz - Von Gerd TöbelmannVergebene Großchancen, Rote Karte, drei Mann weniger, spektakuläre Schiri-Fehlentscheidungen – und am Ende eine glückliche HSG Barnstorf/Diepholz. Im Spitzenspiel der Handball-Oberliga der Männer setzte sich das Team des letztmals gesperrten HSG-Coach Mario Mohrland vor 300 Zuschauern mit 23:22 (12:11) gegen die HSG Schwanewede/Neuenkirchen durch.

„Das ist so bitter, wenn man tatenlos zuschauen muss. Mir sind echt graue Haare gewachsen. Ich hätte am liebsten während des Spiels einige SMS an meinen Trainerkollegen Denis Maksimovich geschrieben, um irgendwas zu machen. Aber letztlich ist es ja gutgegangen“, schnaufte Mohrland nach dem Abpfiff erst einmal tief durch. Gestern um 24.00 Uhr lief seine Sperre ab, in einer Woche gegen Hatten-Sandkrug (just gegen diesen Gegner hatte er die Rote Karte gesehen) darf Mohrland wieder offiziell coachen.

Der Anfang gehörte gestern den Gastgebern. Das lag auch daran, dass „Schwäne“-Torjäger Andreas Szwalkiewics (96 Saisontreffer) schon nach vier Minuten mit Roter Karte auf die Tribüne geschickt wurden. Die Schiris Thore Poguntke/Hauke Schneider (HSG Hannover), die schon Mohrland vor einigen Monaten bestraft hatten (so klein ist die Welt), zeigten nach einem grobem Foulspiel gegen Marius Kasmauskas den roten Karton. Was Szwalkiewics gar nicht komisch fand: „Ich habe Marius mit der flachen Hand erst an der Brust und dann am Hals erwischt. Das war niemals eine Rote Karte. Die Schiris haben mir gesagt, dass sie einen Faustschlag gesehen haben und einen Sonderbericht anfertigen werden.“ Vermutliche Folge: Der 37-jährige Routinier muss vier Spiele pausieren. Kurzer Kommentar des Gefoulten, der wegen einer vermeintlichen Tätlichkeit auch schon mal vier Partien versäumt hatte: „Eine Zeitstrafe hätte es auch getan.“

Barnstorf nutzte die Verwirrung der Gäste und legte ein schönes 6:1 (8.) vor. Doch nach und nach verpuffte der Barnstorfer Schwung, „weil wir im Abschluss eine ausbaufähige Leistung gebracht haben“, umschrieb Mohrland die vielen Fahrkarten noch nett. Fakt war jedenfalls, dass die vor dem Anpfiff mit Barnstorf punktgleichen Schwaneweder beim 11:12 zur Pause noch alle Chancen besaßen.

Nach dem Wechsel schien sich das Blatt gar zu wenden, denn die Gastgeber (8:3 Zeitstrafen) mussten viel mehr in Unterzahl spielen und haderten oft zu Recht mit den Schiedsrichtern. In der 41. Minute ging Schwanewede gar beim 16:15 erstmals in Führung. Es folgte ein Schlagabtausch mit offenem Visier, wobei Barnstorf immer wieder in Unterzahl agieren musste. Kasmauskas oder Laurynas Palevicius ließen beste Chancen aus – Barnstorf hätte früh den Sack zumachen können.

Die Schlussphase war dann nichts für schwache Nerven. Rechtsaußen Nils Mosel, nicht unbedingt als Rückraum-Shooter und Siebenmeterschütze bekannt, bewies gerade diese Qualitäten und brachte die gastgebende HSG mit 23:21 (58.) in Führung. Und dies, obwohl Barnstorf zu diesem Zeitpunkt nur drei Feldspieler auf dem Linoleum hatte. Schwanewedes Matthias Ruck verkürzte auf 22:23 – eine Minute war da noch zu spielen.

Und weiter ging die wilde Fahrt. 40 Sekunden vor dem Ende bekam Keeper Donatas Biras irgendwie eine Hand an den Ball des durchgebrochenen Schwaneweder Linkshänders Christian Schwarze – die Halle tobte. Eine coole Mannschaft hätte die letzten Sekunden mit Ballhalten von der Uhr genommen. Finn Richter war offenbar dagegen und leistete sich 28 Sekunden vor dem Ende einen unerklärlichen Ballverlust. „Okay, das wird eben jetzt ein Unentschieden“, unkten schon einige Zuschauer. Wurde es nicht, denn mit Mann und Maus warfen sich die Barnstorfern ihren Gegenspieler entgegen und überstanden die letzten Sekunden doch noch schadlos. Da musste sich sogar Ex-Trainer Heiner Thiemann einige Schweißperlen von der Stirn wischen, während die Barnstorfer Spieler ausgelassen feierten.

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