Verbandstrainer und Chart-Erfolge

Die Janowsky-Brüder bauen an mehreren Karrieren

Robin Janowsky (l.)
+
Eines seiner besten Spiele für Rehden: Robin Janowsky (l.) beim Sieg im Mai 2019 gegen Holstein Kiel II.

Robin Janowsky hat schon so einiges erlebt – und das mit erst 23 Jahren. Der Ex-Rehdener ist mittlerweile Verbandstrainer und arbeitet beim HSV. Und auch bei seinem Bruder Merlin läuft es: Der DJ schaffte es bereits zweimal in die deutschen iTunes-Charts.

  • Die Janowskys freuen sich auf Weihnachts-Fußball im Garten.
  • Bei Merlin sind die Prioritäten klar verteilt: Musik vor Sport.
  • Robin analysiert internationale Top-Spiele – und tauscht sich mit Daniel Thioune aus.

Rehden/Harpstedt – Auf diese Abreibung freut sich Robin Janowsky schon. „Wenn ich Weihnachten zu Hause in Harpstedt bin, werden wir drei Brüder wieder so richtig im Garten oder auf dem Bolzplatz zocken“, verrät der Rechtsverteidiger schmunzelnd. Einer Niederlage ist sich der 23-Jährige, der bis Sommer 2019 in Diensten des Regionalligisten BSV Rehden stand, gewiss: „Beim ,Hoch hinein‘ macht Merlin uns alle nass“, sagt er über seinen Bruder, der am Heiligabend 22 Jahre jung wird und bis zur ersten Corona-Zwangspause für den Kreisligisten Harpstedter TB im offensiven Mittelfeld gewirbelt hatte. Doch der Älteste kann derlei Lektionen ebenso verschmerzen wie Frederik als Jüngster der Janowskys. Der 18-Jährige sehnt am meisten den Tag herbei, an dem der Ball wieder rollen darf – für ihn und die SG DHI Harpstedt in der A-Jugend-Bezirksliga.

„Für Merlin hingegen ist die Zeit der Punktspiele wohl vorbei – obwohl er den Fußball immer lieben wird“, ahnt Robin. Da stimmt ihm der Angesprochene zu: „Mir blutet auch ziemlich das Herz, wenn ich daran denke. Aber ich habe eben zwei Leidenschaften – und der Arbeitseinsatz für die zweite Leidenschaft ist inzwischen ziemlich hoch.“ Denn Merlins Karriere als Musiker nahm zuletzt erheblich an Fahrt auf: Zwei seiner Songs schafften es bereits in die deutschen iTunes-Charts: „All That She Wants“ und – erst vor ein paar Tagen „This Ain’t What You Wanted“.

Robin Janowsky bastelt unterdessen in Hamburg an seiner zweiten Karriere. Obwohl erst 23 Jahre jung, saugt der frühere Regionalliga-Verteidiger reichlich Know-how für alles auf, was es zu einem guten Trainer braucht. „Im Moment vermisse ich das Fußball spielen gar nicht so sehr“, fasst der Blondschopf die Corona-Zeit zusammen: „Mein Tag ist eher zu voll als zu leer.“

Robin Janowsky war zwei Jahre in Rehden – spielte aber nur ein halbes Jahr lang

Neben seinem Master-Studium im Sportmanagement (den Bachelor in Wirtschaftswissenschaften hatte er noch zu Rehdener Zeiten in Osnabrück „gebaut“) erwarb er jetzt in Hamburg die Trainer-B-Lizenz. Schon während dieser Ausbildung, die der junge Mann als Lehrgangsbester mit der Note 1,2 abschloss, wurden Verantwortliche des Hamburger Fußball-Verbands (HFV) auf ihn aufmerksam: „Die Verbandstrainer Stephan Kerber und Tim Stegmann haben mich gefragt, ob ich mir eine Mitarbeit im Nachwuchsbereich des Verbands vorstellen könnte – und jetzt bin ich Co-Trainer der U14-Auswahl“, schildert Janowsky. Das alles funktioniere freilich nur, „weil ich jetzt nicht mehr sechsmal in der Woche selbst trainieren muss“.

Denn das Kapitel Regionalliga hat Robin Janowsky vorerst geschlossen – obwohl er sich nach seinem Wechsel vom BSV Rehden zu Altona 93 viel vorgenommen hatte. „Ich war zwar zwei Jahre in Rehden, aber die Leute haben mich da ja nur ein halbes Jahr gesehen“, umschreibt der Harpstedter: „Im ersten halben Jahr war ich der Maskenmann“, erinnert der im Sommer 2017 mit den Folgen eines Nasen- und Jochbeinbruchs vom VfL Osnabrück II gekommene Defensivakteur. Kaum hatte er sich des Gesichtsschutzes entledigt, erwischte ihn das Pfeiffersche Drüsenfieber. „Das waren elf Monate Ausfallzeit, weil erst nach drei oder vier Monaten klar wurde, woran ich erkrankt war.“ Also blieb ein halbes Jahr mit dem BSV Rehden, „aber mit meinen letzten Spielen war ich ganz zufrieden, sodass ich dachte: Ich kann es vielleicht doch in der Regionalliga.“ Also wechselte Janowsky zu Altona 93 und landete bei einem „in sich völlig zerstrittenen Verein“. Der damalige Trainer Berkan Algan „hat viel Herzblut in diesen absolut liebenswerten Club investiert“, unterstreicht der Verteidiger – doch mit dem Harpstedter wurde der Coach nicht warm. „Also war mir klar, dass ich meinen Vertrag so schnell wie möglich auflösen musste.“

Die Liebe zur Musik ist stärker: Merlin Janowsky hat sich schweren Herzens beim Harpstedter TB abgemeldet.

Janowsky suchte sich eine neue sportliche Heimat – und fand sie eine Klasse tiefer beim Oberligisten HSV Barmbek-Uhlenhorst. „Das ist ein bodenständiger Verein mit einem erst vier oder fünf Jahre alten Stadion, in dem immer richtig was los ist“, schwärmt Janowsky: „Zuletzt gegen Victoria Hamburg waren bestimmt 700 oder 800 Leute da.“

Der 23-Jährige ist Stammspieler geblieben. Schon Ex-Werder-Profi Marco Stier, sein Trainer bis März, hatte auf ihn als Rechtsverteidiger gesetzt, und die sechs Partien bis zum Abbruch der laufenden Serie unter Neu-Coach Jan Haimerl bestritt er ebenfalls von Anfang an. „Ich gehöre sogar zum Mannschaftsrat“, freut sich der Ex-Rehdener über die Wertschätzung. Und er ist froh, „dass ich hier alle Freiheiten bekomme, die ich für meine Trainerarbeit brauche. Denn obwohl Janowskys Scouting-Einsätze im Hamburger Jugendfußball zurzeit zwangsläufig ruhen, arbeiten er und seine Verbandskollegen genug – mit Videoanalysen von Spielen aus den europäischen Top-Ligen: „Spanien, Italien, Portugal – es geht darum zu erfahren, welche spielerischen Elemente wir für den deutschen Fußball übernehmen könnten – das ist super-aufregend“, berichtet Janowsky begeistert über den Alltag mit Kerber und Stegmann: „Sie bringen Aspekte rein, die ich von meinen früheren Trainern so nicht kannte – aber das ist wohl der Tatsache geschuldet, dass die damals zu sehr unter Erfolgsdruck standen.“

Die Wege beim HSV sind kurz – auch zu Cheftrainer Thioune

Dabei durfte Robin Janowsky durchaus unter einigen Kapazitäten ackern: Marco Grote, heute Cheftrainer von Zweitligist VfL Osnabrück, war in der U17 von Werder Bremen sein Coach – ebenso wie Bremens früherer Bundesliga-Trainer Viktor Skripnik. In der Jugend des VfL hatten ihn unter anderem Joe Enochs und Daniel Thioune unter ihren Fittichen. „Mit Thioune habe ich zuletzt zweimal geschrieben“, sagt der Student über den aktuellen Trainer des Hamburger SV. Kein Wunder, schließlich arbeitet Janowsky ebenfalls für den HSV – als Teil der Fußballschule des Zweitligisten. „Da geht momentan natürlich auch nichts, dafür bin ich in dieser Zeit ins Service-Center gewechselt“, berichtet das Multitalent. Beim Kundenkontakt bis zum erneuten Lockdown „durfte ich viel davon erfahren, wie schnell das HSV-Umfeld auf bestimmte Personen zielt, wenn es mal nicht so läuft“. Eine Mahnung für einen wie ihn, der gern in diesem Geschäft bleiben will – und dafür neben dem Management-Abschluss noch weitere Trainerscheine anstrebt.

Vielleicht managt Robin ja aber auch irgendwann einmal seinen Bruder Merlin – selbst wenn der aktuell diesbezüglich prominent versorgt ist: Seit seinem Sieg bei einem Remix-Contest arbeitet „DJ Merlin“ mit Manager Hayo Lewerentz zusammen. Der Mitbegründer der 90er-Jahre-Hitmaschine „U 96“ vermittelte auch den Kontakt zur britischen Sängerin Emma-Louise Stansall, die Janowskys Texte seiner beiden Erfolgssongs einsang.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Was bei einem Kaiserschnitt auf Frauen zukommt

Was bei einem Kaiserschnitt auf Frauen zukommt

Meistgelesene Artikel

Kurz vor Ultimo: Thölke verwandelt Foulelfmeter zum 3:2

Kurz vor Ultimo: Thölke verwandelt Foulelfmeter zum 3:2

Kurz vor Ultimo: Thölke verwandelt Foulelfmeter zum 3:2
Jäger: „Man darf uns auf dem Zettel haben“

Jäger: „Man darf uns auf dem Zettel haben“

Jäger: „Man darf uns auf dem Zettel haben“
Wunschspieler Wilms der Hoffnungsträger

Wunschspieler Wilms der Hoffnungsträger

Wunschspieler Wilms der Hoffnungsträger
TuS Sulingen II baut auf eigene Jugend

TuS Sulingen II baut auf eigene Jugend

TuS Sulingen II baut auf eigene Jugend

Kommentare