FAMILIENBANDE Jörg und Jörn stehen beide im Tor – nur bei Lieblingsclubs uneins

Die wachtendorfsche Bestimmung

Ein Wachtendorf-Torwarttrikot – über mehrere Generationen verwendbar, denn Jörn (links) folgte dem Beispiel seines Vaters Jörg und steht ebenfalls im Kasten. FOTO: WACHTENDORF
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Ein Wachtendorf-Torwarttrikot – über mehrere Generationen verwendbar, denn Jörn (links) folgte dem Beispiel seines Vaters Jörg und steht ebenfalls im Kasten.

Heiligenfelde – Jörn Wachtendorf wurde es praktisch in die Wiege gelegt, beim Fußball im Tor zu landen: Immerhin hat der Stammkeeper des Bezirksligisten SV Heiligenfelde einen ziemlich prominenten alten Herrn.

Jörg Wachtendorf ist auch heute noch im Bremer Raum bekannt wie ein bunter Hund, bevor er aber zu einem der besten Drittliga-Torhüter avancierte, gab er sogar im Diepholzer Kreis seine Visitenkarte ab. In der Saison 1985/86 stand der heute 55-Jährige im Kasten des damaligen Bezirksoberligisten TuS Syke und hat an sein Jahr in der Hachestadt heute noch „beste Erinnerungen. Die Mannschaft mit ,Puff‘ Bortel und Co. war super, in Hubert Adelt hatten wir einen tollen Trainer, und sportlich haben wir mit dem Klassenerhalt unser Ziel auch erreicht.“

Nicht zuletzt dank zahlreicher Glanztaten eines Torwarts, der innerhalb kürzester Zeit selbst den legendären Heiner Rosan vergessen machte. „Seine Fußstapfen waren schon groß, aber ich habe es als sein Nachfolger ganz gut hinbekommen“, blickt der Angestellte der Stadt Bremen gewohnt bescheiden zurück. Viel zu bescheiden eigentlich.

Seine exzellenten Leistungen hatten sich nämlich schon längst herumgesprochen. Der Delmenhorster wurde von diversen Teams oberhalb der Bezirksoberliga gescoutet, sodass schnell klar war: Eine zweite Spielzeit würde Jörg Wachtendorf nicht das Syker Tor hüten. Zumindest nicht komplett.

So kam es dann auch. Zur Winterpause zog es den bulligen Schlussmann an den berühmten „Panzenberg“ zum Drittligisten Bremer SV.

Sicherlich die schönste Zeit in der Karriere des 55-Jährigen. Dort machte er sich nicht nur einen Namen, sondern erreichte 1991 sogar Heldenstatus, als Jörg Wachtendorf sensationell mit dem Bremer SV im Endspiel des damaligen Roland-Pokals (heute Lottopokal) nach Elfmeterschießen über die klar favorisierten Amateure des SV Werder Bremen triumphierte.

„Ich hatte daran wohl tatsächlich meinen Anteil“, erzählt der Routinier schmunzelnd: „Immerhin habe ich vier Elfer pariert und sogar einen selbst verwandelt. Und bei Werder waren spätere Bundesliga-Cracks wie Arie van Lent oder Andree Wiedener dabei.“

Noch heute leuchten beim „Elferkiller“ die Augen, wenn er sich an das „Spiel seines Lebens“ erinnert: „Den Sieg konnte uns ja keiner mehr nehmen. Wir sind dann zwar gleich in der ersten Runde des DFB-Pokals am Zweitligisten Fortuna Köln gescheitert, aber auch das war ein Riesenereignis. Wir treffen uns noch regelmäßig mit der ehemaligen Mannschaft und palavern bei Kaltgetränken über unseren geilen Coup.“

Geschichten könnte man über Wachtendorf senior auch danach noch genügend erzählen. So besiegte er mit dem BSV sogar Werder-Legende Andreas Reinke, der seinerzeit noch für die Amateure des HSV auflief. Oder über seine Auftritte in den Stadien von Eintracht Braunschweig („Uwe Reinders war da gerade Spielertrainer, und wir durften vor 15 000 Zuschauern antreten“), des VfL Oldenburg oder des VfL Wolfsburg – wohlgemerkt der Profimannschaft. Die Duelle gegen Ex-Bundesligagrößen wie Volker Finke und Jens Todt (seinerzeit in Havelser Diensten) wären ebenfalls erwähnenswert, aber es soll ja auch noch um den Filius von Jörg Wachtendorf gehen.

Dieser hört wie erwähnt auf den Vornamen Jörn und wollte trotz seines bekannten Vaters zunächst partout nicht auch die Torhüterlaufbahn einschlagen. „Das stimmt“, bestätigt der 27-Jährige: „Bis zur D-Jugend war ich gerne Stürmer. Aber dann verletzte sich unser Stammkeeper, ich hab’ mich für ihn in den Kasten gestellt und habe das Gehäuse danach nie wieder verlassen.“

Sehr zur Freude seines alten Herrn, wie dieser lachend einräumt: „Ich wollte Jörn natürlich nicht bedrängen, aber logischerweise fand ich es cool. So konnte ich ihm viele Tipps geben.“

Und die Ratschläge von Wachtendorf senior („Ich lobe aber nicht nur, bei schlechten Leistungen äußere ich auch Kritik“) konnten sich sehen lassen.

Schnell entwickelte sich sein Spross zu einem richtig guten Schlussmann und hatte sich laut eigener Aussage einiges von seinem Vater abgeschaut. „Ich war ja schon als Kind bei den Spielen von Dad dabei. Ich konnte viel von ihm lernen“, erzählt er, „gerade bei der Strafraumbeherrschung. Da war er mir weit voraus. Er hatte den Strafraum voll im Griff.“

Er habe ja auch „die Statur dafür“ gehabt, sagt der Angesprochene grinsend: „Dafür ist Jörn der viel bessere Kicker. Zu meiner Zeit musste man das noch nicht sein. Da konnte man bei Rückpässen ja sogar noch den Ball in die Hand nehmen.“

Heutzutage indes nicht mehr, weshalb das Mitspielen enorm an Bedeutung gewonnen hat. Klarer Pluspunkt hier für Wachtendorf junior, unterstreicht sein Trainer Torben Budelmann lobend: „Da ist Jörn ziemlich weit vorne dabei. Überhaupt ist er ein richtig, richtig starker Keeper. Hoffentlich bleibt er uns noch sehr lange erhalten.“ Sicher ist es allerdings noch nicht.

„Im Prinzip ist Heiligenfelde ein toller Verein. Aber ich habe noch keine definitive Entscheidung getroffen“, sagt der Keeper: „Ich überlege es mir in Ruhe und werde auch Dad um Rat fragen.“

Vielleicht beim gemeinsamen Fußball-Nachmittag. Selbst, wenn Gladbach-Fan Jörg Wachtendorf auf Dortmund-Anhänger Jörn Wachtendorf trifft. „Auch dann schlagen wir uns nicht die Köpfe ein“, sagt Jörg Wachtendorf lachend: „Aber leider sind seine Dortmunder mittlerweile der klare Favorit.“

Okay, bei ihren Lieblingsclubs kommen sich die beiden Wachtendorfs schon mal ins Gehege, aber ansonsten herrscht bei den zwei Torhüter-Generationen zumeist Friede, Freude, Eierkuchen.

Wenngleich sich Vater Wachendorf am Schluss eine winzige Spitze nicht verkneifen kann: „Ich habe es auch aufgrund meines Ehrgeizes bis in die 3. Liga gebracht. Da könnte Jörn noch zulegen.“

Stimmt wohl, aber bis zur 3. Liga wäre es auch dann noch ein weiter Weg.

Von Carsten Drösemeyer

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