Zeit läuft Fußballern davon / Kreisvorsitzender Henze bringt Annullierung ins Gespräch

„Die Saison ist nicht mehr zu retten“

Die Zeit läuft ab: Die aktuelle Saison dürfte wohl in der „Tonne“ landen.
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Die Zeit läuft ab: Die aktuelle Saison dürfte wohl in der „Tonne“ landen.

Syke/Diepholz – Stefan Müller gibt sich keinen Illusionen hin. „Längst nicht alle“ in seiner Mannschaft wüssten noch, auf welchem Platz sie mit dem SV „Jura“ Eydelstedt eigentlich noch stünden, denkt der Trainer des Fußball-Kreisligisten und muss schmunzeln. Dabei steht das Team aus der Südstaffel auf Platz drei, „und zwischendurch gab es ja noch das Thema der Auf- und Abstiegsrunde“, erinnert sich Müller.

  • Die Verlängerung des Lockdowns macht einen Re-Start der Fußballsaison immer unwahrscheinlicher.
  • Immerhin: Die Spielplaner haben sich eine „Deadline“ gesetzt, bis wann der Ball wieder rollen muss.
  • Die Trainer sind zwiegespalten: Einige halten die Saison für verloren, andere haben noch Hoffnung.

Das alles scheint gefühlt Jahre her zu sein – für die Eydelstedter und viele andere Amateurfußballer. Sie wünschen sich Klarheit zur Zukunft der Serie. Inzwischen scheinen einige fast zu hoffen, dass der Niedersächsische Fußballverband (NFV) die Spielzeit endlich abbricht. Ob der heutige Abend neue Erkenntnisse bringt?

Ein Abbruch mit Aufsteigern? Dagegen lege ich mein Veto ein. Das habe ich „Jockel“ schon geschrieben!

Stefan Müller vom SV „Jura“ Eydelstedt über den Chat mit Trainerkollege Jörg Behrens vom Lokalrivalen und Kreisliga-Spitzenreiter Barnstorfer SV.

Dann nämlich schalten sich die NFV-Vorstandsmitglieder zu ihrer nächsten Sitzung zusammen. Andreas Henze als Vorsitzender des Fußballkreises Diepholz hat ebenfalls eine Stimme in diesem Gremium. Sein Adrenalinpegel ist allerdings weit weg von der kritischen Marke – ähnlich entfernt wie die Aussicht auf Normalität im Alltag während dieser Corona-Zeit. Denn der Bassumer erwartet auch diesmal keinen klaren Beschluss, wie oder ob es im Amateurfußball weitergehen soll. „Stattdessen wird wahrscheinlich gebetsmühlenartig wiederholt, dass wir abwarten sollten, so lange noch die Möglichkeit einer Saisonfortsetzung besteht“, prophezeit der 51-Jährige und findet dies schade: „Ich kann den Unmut einiger Vereinsvertreter und auch Kreisvorsitzenden – etwa aus dem Emsland – verstehen, die sich jetzt etwas Verbindliches wünschen.“

Immerhin: Fest scheint inzwischen der Zeitpunkt zu stehen, nachdem nichts mehr geht – selbst, wenn die Saison, wie bereits vom Verband verabschiedet, bis 21. Juli verlängert werden würde: Die Spielausschuss-Vorsitzenden im Land haben sich Anfang Mai als Deadline gesetzt. Sollte bis dahin kein Spielbetrieb möglich sein, wäre an ein halbwegs geregeltes Saisonende auf sportlichem Weg nicht mehr zu denken. Henze rechnet aber vor, dass es so weit fast gekommen ist: „Gehen wir von der Verlängerung des Lockdowns bis 18. April und den zwei Wochen Vorbereitungszeit aus, die wir den Vereinen zugestehen, muss es danach sofort losgehen.“

Henze für Abbruch: „Sollten alle in denselben sauren Apfel beißen“

Der Diepholzer Kreis-Boss stellt klar, dass er grundsätzlich weiter hinter der Linie des Verbands stehe. „Meine persönliche Meinung ist aber, dass wir die Saison annullieren sollten.“ Zwar haben die Kicker in seinem Kreis mit acht oder neun Partien schon ein recht großes Pensum der im Oktober unterbrochenen Serie absolviert, andere jedoch, etwa in der Kreisliga Cloppenburg, erst zwei. „Und ich finde, dass wir alle in Niedersachsen in denselben sauren Apfel beißen müssen.“ Der wäre gleichbedeutend mit dem Abbruch der Saison. „Selbst bei uns mit unseren acht, neun Spielen sollte man meiner Meinung nach keine Quotientenregelung anwenden, um Auf- und Absteiger zu ermitteln“, meint Henze.

Spielplaner Steen gegen Quotientenregelung: „Will niemanden nach nur acht Spielen absteigen lassen“

Vor einigen Wochen hatte Kreisspielausschuss-Vorsitzender Michael Steen diese Möglichkeit noch in Erwägung gezogen, „aber jetzt sehe ich kein Licht mehr am Ende des Tunnels“, gesteht der Asendorfer: „Und ich will nicht derjenige sein, der eine Mannschaft nach nur acht Spielen absteigen lässt.“ Auch er könne sich daher mit einem Annullieren oder Einfrieren der Serie „sehr gut anfreunden“.

Saison-Aus oder nicht? Trainer hätten sich klare Linie gewünscht

Oliver Marcordes, Trainer beim Landesligisten TSV Wetschen, rechnet ebenfalls nicht mehr mit einer Fortsetzung der Serie 2020/2021: „Es gibt wichtigere Dinge als unser Hobby. Ich sehe nicht, dass wir demnächst wieder Fußball spielen. Die Saison wird nicht über die Bühne gehen.“ Der 40-Jährige hätte sich vom Verband eine klare Linie gewünscht: „Schleswig-Holstein und Hamburg haben mit dem Abbruch Fakten geschaffen, damit kann jeder planen. Wir schieben es immer weiter, ich sehe kein Ziel.“

Ein klares Signal, spätestens nach den Beschlüssen in Hamburg und Schleswig-Holstein, hätte sich auch Eydelstedts Stefan Müller gewünscht: „Da war ich fest davon ausgegangen, dass Niedersachsen kurz darauf genau so entscheiden würde. Ich kann den Verband zwar verstehen, dass er sich die letzten Optionen noch offen halten will, aber die letzten Aussagen waren schon ein bisschen schwammig.“ Er selbst hat sich hingegen bereits festgelegt: „Die Saison ist nicht mehr zu retten.“

Eines findet B-Lizenz-Inhaber Marcordes allerdings positiv: „Schön, dass wenigstens die Kinder wieder trainieren dürfen.“

Die Wetscher selbst schwitzen zweimal in der Woche per Video-Konferenz online. „Das kommt an, die Beteiligung ist groß“, sagt Marcordes. Eine gewisse Müdigkeit verspürt er nicht: „Jeder will auf den Platz und Fußball spielen.“

Kommentar: Die Luft ist raus

Von Cord Krüger

Wie groß ist die Lust auf den baldigen Re-Start im Fußball? Nach einer Not-Vorbereitung von 14 Tagen samt Duschen dahoam? Mit Englischen Wochen bis zum Hochsommer, verbunden mit dem mulmigen Gefühl, nach monatelanger Kurzarbeit den krisengebeutelten Chef um einen freien Nachmittag zu fragen, damit man pünktlich am Treffpunkt fürs Auswärtsspiel am Dienstagabend erscheint? Mit Spielen gegen einen nach einem halben Jahr Zwangspause unbekannten Gegner, dafür ohne Zuschauer und ohne „dritte Halbzeit“, weil das Clubheim weiter geschlossen bleiben muss? Immer vorausgesetzt, der Rückweg klappt überhaupt auch noch vor Beginn der abendlichen Ausgangssperre.

Fragen, auf die der Niedersächsische Fußballverband (NFV) gute Antworten direkt von der Basis bekommen hätte – wenn er seine Vereine wie vor knapp elf Monaten hätte zu Wort kommen lassen. Das war echte Basis-Demokratie! Jetzt wäre das Votum für einen Abbruch wohl noch drastischer ausgefallen als im April 2020, sodass sich der NFV diese Abstimmung lieber ersparte. Häufigster Tenor der Trainer für diesen Text: Die Luft ist raus.

Schade, denn der Wiederbeginn für die Jugendfußballer vor zwei Wochen weckte Hoffnung. Auch mir ging nach Feierabend das Herz auf, als ich wieder beleuchtete Sportplätze an den Straßenrändern sah. Flutlicht am Ende des Tunnels.

Ja, Bewegung im Freien stärkt das Immunsystem – und nein, es hat sich offenbar noch kein Fußballer bei einem anderen angesteckt. Und ja, über diesen Inzidenzwert als Maß aller Dinge für Lockdown oder Lockerung lässt sich streiten.

Doch der NFV hat immer klargestellt, sich mit seinen Entscheidungen an den Beschlüssen von Bund und Ländern zu orientieren. Die wiederum berufen sich auf jenen I-Wert. Und der steigt weiter vor sich hin. Die NFV-Vorderen sollten also einsehen, dass ihr Zeitplan nicht mehr zu halten ist. Und, dass es zurzeit Wichtigeres gibt als Amateursport. Die Folge: ein Abpfiff der Saison, den alle Handballer, Volleyballer und viele andere Verbände längst vollzogen haben.

Sascha Jäger, Coach von Bezirksliga-Spitzenreiter FC Sulingen, kann die abwartende Haltung des Verbandes durchaus verstehen: „Es kann sein, dass im Mai noch gespielt werden kann. Es wäre ärgerlich, wenn jetzt abgebrochen würde. Ich finde es in Ordnung, wie sich der Verband aktuell verhält. Das einzige, was mich nervt ist diese Unplanbarkeit.“

Einmal in der Woche treffen sich die Sulinger online zum Videotraining. „Es ist schwer, diese Phase zu überbrücken. Jeder hält die Motivation hoch und freut sich auf ein Wiedersehen auf dem Platz“, unterstreicht der 36-jährige FCS-Trainer. Er weiß zwar, dass alle Verbandsanstrengungen „mit heißer Nadel gestrickt“ werden, dennoch stellt Jäger eine Forderung: „Wir müssen ein Signal bekommen.“

Ein Saisonabbruch ohne Auf- und Absteiger hätte für den FC Sulingen, der nach acht Partien ungeschlagen mit 22 Punkten in der Staffel 2 an der Spitze liegt, negative Folgen. So sieht es der als Lehrer an der Oberschule Ehrenburg/Schwaförden arbeitende Jäger: „Für uns wäre es schade, wenn wir um den Lohn unserer Arbeit gebracht würden.“

Stuhrs Coach Meyer klar gegen Selbsttests nur um des Trainings willen

Sein Kollege Christian Meyer vom Bezirksligisten TV Stuhr will ebenfalls noch nicht ausschließen, „dass ab Mai gespielt werden könnte. Vielleicht ist das Pensum dann tatsächlich zu schaffen.“ Allerdings auch nur deshalb, weil der NFV auf Bezirks- und Kreisebene „alles richtig gemacht hat, die Staffeln zu teilen“, lobt er die Spielplaner. Und nur dann, wenn sich die Infektionszahlen in eine andere Richtung bewegen als zurzeit: „Momentan steigen die Werte aber wieder, sodass an Fußball eigentlich nicht zu denken ist“, räumt Meyer ein. Eines ist für ihn und seinen Trainerpartner Stephan Stindt jedenfalls klar: „Wir Amateure werden nicht mit Schnelltests anfangen, nur damit wir mit zehn Mann kontaktfrei trainieren können – so sehr uns allen der Mannschaftssport und das Kabinenleben auch fehlen.“

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