Stefan Rosenthal und Iman Bi Ria wieder mittendrin

Rückkehr der Routiniers in Sulingen und Seckenhausen

Zwei 42-Jährige auf einem Bild: Sulingens Stefan Rosenthal (rechts) und Lemfördes Faruk Gören.
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Zwei 42-Jährige auf einem Bild: Sulingens Stefan Rosenthal (rechts) und Lemfördes Faruk Gören.

Der Morgen danach war schon mal angenehmer. Früher, in ihrer Blütezeit als Fußballer, haben Stefan Rosenthal und Iman Bi Ria einen 90-Minuten-Einsatz ganz locker weggesteckt. Nun spüren sie deutlich, dass sie etwas getan haben. Überraschend sind die Zwei zurück, liefen am Wochenende in der Startelf für die Erstherren-Mannschaften der Bezirksligisten FC Sulingen (Rosenthal) und TSG Seckenhausen-Fahrenhorst (Bi Ria) auf. Mit 42 und 37 Jahren. Und aus der Not heraus, weil ihre Teams arge Personalsorgen plagen. Die beiden erzählen, wie sie ihr erfolgreiches Comeback verkraftet haben – und wie es nun weitergeht.

Stefan Rosenthal

FC-Trainer Sascha Jäger hatte den 42-Jährigen wegen seiner seit Wochen ellenlangen Ausfallliste „schon länger im Auge“ für ein Comeback: „Aber wenn, muss ,Thaler‘ auch spielen. Er ist dann der Chef auf dem Platz, sorgt für Balance, kann organisieren.“ Genau das tat Rosenthal nun am Sonntag im Auswärtsspiel beim TuS Lemförde (2:1). Als Sechser bereitete der langjährige Spieler und Trainer des FC sogar mustergültig das Führungstor von Christian Zerfowski (14.) vor. „Ich habe den Ball stiebitzt. Da konnte ich noch gut pressen und war spritzig“, scherzte Rosenthal.

Im weiteren Spielverlauf kreuzte er häufiger die Klingen mit Lemfördes Faruk Gören, dem zweiten reaktivierten Routinier – ebenfalls 42 Jahre alt. Etwa ab Minute 75 merkte Rosenthal (tags zuvor noch als Schiedsrichter in der 3. Kreisklasse aktiv) dann, „dass ich nicht mehr voll auf der Höhe war“. Er signalisierte Wechselbereitschaft, doch Jäger winkte ab. „Das ging leider nicht“, sagt der Trainer mit einem Schmunzeln und fügt lobend an: „Stefan hat es hervorragend gemacht. Ich hoffe, er bleibt dabei, solange wir ihn brauchen.“

Am Montag fühlte sich Rosenthal, der sonst in der Altherren- und Altliga-Truppe des FC spielt, trotz der ungewohnten Anstrengung „besser als gedacht. Die Knochen und Gelenke taten ein bisschen weh, es zwickte ein wenig. Aber das war‘s.“

Am Dienstag geht Rosenthal – noch immer fit, rank und schlank – wieder zum Erstherren-Training. Er hat Blut geleckt. „Ich möchte keinem Jüngeren den Platz wegnehmen, muss aber sagen, dass es riesigen Spaß gemacht hat, mal wieder mit meinen Freunden zu kicken.“ Seinem 21-jährigen neuen Teamkollegen Bjarne Meyer, den er noch selbst zum FC geholt hatte, raunte Rosenthal nach der Partie des Tabellenzweiten zu: „Guck mal, ich habe schon gegen deinen Papa gespielt . . .“

Iman Bi Ria

In der Woche zuvor hatte sich Seckenhausens Coach in Bassum noch eingewechselt, nun stand er beim 1:1 im Heimspiel gegen den SV Bruchhausen-Vilsen als Stürmer in der Startformation und sicherte mit seinem Tor den Punkt. „Ich habe mich vehement dagegen gesträubt, weil ich Trainer bin und kein Spieler mehr“, betont der frühere Torjäger: „Doch es ging eben nicht mehr anders. Man kann sich darüber lustig machen, doch wir sind in einer Ausnahmesituation. Da will ich helfen – egal, ob auf oder neben dem Platz. Und die Mannschaft hat mich dazu überredet.“

Vor allem in der Offensive drückt bei der TSG aktuell der Schuh. Howard Barbosa, Marcel Dörgeloh, Nico Kiesewetter, Christian Schwarz, Jannis Helmbold: „alles Hochkaräter“ (Bi Ria) – und gegen Vilsen nicht dabei. Christian-Paul Wiesner und Sercan Durmaz nähern sich erst wieder ihrer Fitness und saßen auf der Bank.

Die 90 Minuten setzten dem 37-jährigen Not-Spielertrainer ordentlich zu, „weil ich dieses Tempo überhaupt nicht mehr gewohnt bin“. Sonst trifft er „nur“ noch für die siebte (9) und die alte Herren (4). „Ich kann mich heute kaum bewegen, es ist eine Qual“, gestand Bi Ria am Montagvormittag. Dennoch sind weitere Einsätze nicht ausgeschlossen: „Eigentlich soll’s in Zukunft nicht so sein, aber wenn es nötig ist . . .“

Aushilfsweise wieder Spieler: Trainer Iman Bi Ria von der TSG Seckenhausen-Fahrenhorst (hier ein Bild aus 2019).

„Gigi12“ – vom Liveticker direkt ins Sulinger Tor

Achtung, jetzt wird‘s schräg! „Gigi12“ saß gemütlich auf der Ersatzbank und fütterte, wie er es ab und zu tut, den Liveticker des Fußball-Bezirksligisten FC Sulingen. Plötzlich knallte FC-Keeper Patrick Kühn bei einer Rettungsaktion nach verunglücktem Rückpass mit dem Schienbein gegen den Pfosten. Laute Schreie, besorgte Blicke, Krankenwagen, lange Unterbrechung. Und „Gigi12“ musste sich parat machen. Hinter dem Liveticker-Mann verbirgt sich Sulingens zweiter Keeper Tobias Plümer. Den Namen „Gigi“ hat er ausgewählt wegen Italiens Torhüter-Legende Gianluigi Buffon, „den ich cool finde“. Und die „12“ ist seine Nummer beim FC. Weil sich Kühn auf dem Weg ins Krankenhaus befand (dort wurde kein Bruch, aber eine schwere Schienbeinprellung diagnostiziert), wärmte sich der 35-jährige Plümer auf und spielte dann noch gute zehn Minuten. Von ganz hinten sah er Marvin Zawodnys Siegtor zum 2:1 gegen Lemförde. „Ich bin seit fast 20 Jahren im Herrenfußball unterwegs, aber als Torwart zum ersten Mal eingewechselt worden“, verrät Plümer: „Das ist schon skurril. In 99,8 Prozent der Fälle passiert so etwas ja nicht.“ Diesmal schon. Plümer hielt erst seinen Kasten sauber und tickerte dann noch eine letzte Nachricht an die Interessierten, die nicht live vor Ort waren: „Sorry für das abrupte Ende. Musste kurzfristig aufs Feld und konnte mit Handschuhen so schlecht schreiben . . .“

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