SERIE UNVERGESSLICH  Christian Riedemann trumpft in Monte-Carlo groß auf

Die „Mutter aller Rallyes“

Kurvenreicher Kurs: Christian Riedemann in seinem Citroën DS3 R3-MAX bei der Rallye Monte Carlo.
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Kurvenreicher Kurs: Christian Riedemann in seinem Citroën DS3 R3-MAX bei der Rallye Monte Carlo.
  • Julian Diekmann
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Monte-Carlo – Januar 2015, Saisonauftakt der Junioren-Weltmeisterschaft (JWRC). Schauplatz: Monte-Carlo – die „Mutter aller Rallyes“. Mit dabei: Christian Riedemann aus dem beschaulichen Kirchdorf. Für den Rallye-Piloten ist es das erste Event im Fürstentum. Und es ist eines, das ihm bis heute in Erinnerungen geblieben ist. „Es war wirklich ein Erlebnis, an das ich mich immer wieder gerne zurückerinnere“, strahlt Riedemann noch fünf Jahre später: „Die Rallye Monte Carlo gehört definitiv zu meinen absoluten Favoriten.“

Kein Wunder: Immerhin gehörten Riedemann und sein Co-Pilot Michael Wenzel alles andere als zum Favoritenkreis. Doch das Duo düpierte die Konkurrenz, räumte das Feld von hinten auf und fuhr bis auf Podium vor. Riedemann: „Dass wir am Ende hinter dem Franzosen Quentin Gilbert Zweiter geworden sind, war für uns im Vorfeld nicht einmal vorstellbar.“

Dass die Vorzeichen nicht auf Treppchen standen, hatte mit viel Pech zu tun. „Als wir zur Start-Rampe vor dem Casino fahren wollten, dachte ich mir noch: Jetzt geht es endlich los“, blickt Riedemann zurück: „Doch dann spielte auf einmal die Kupplung unseres Citroen DS3 R3-MAX total verrückt. Ich habe nur gedacht: Das kann doch nicht angehen. Jetzt bis du extra bis nach Monaco runtergefahren, hast eine der größten und anspruchsvollsten Rallyes der Welt vor dir – und auf einmal fängt die Kupplung an zu zicken.“

Riedemann reagierte geistesgegenwertig, rief sofort seinen Teamchef an, der ihm gesagt hatte, dass wohl Luft im System sei. „Wir haben zum Glück immer ein wenig Werkzeug an Bord unseres Autos. So habe ich auf der Start- und Zielgeraden des Formel-1-Grand-Prix noch schnell mal eben die Kupplung entlüftet. Es hat zum Glück geklappt, sodass wir den Berg zum Casino, wo die Rampe gestanden hatte, hochfuhren.“ Somit stand dem Show-Start bei einer der prestigeträchtigsten Autosportveranstaltungen der Welt nichts mehr im Weg.

Anschließend galt es, auf dem Weg nach Gap die ersten beiden Wertungsprüfungen bei kompletter Dunkelheit und unter erschwerten Bedingungen zu absolvieren – vereiste Straßen, die die Piloten zur Schrittgeschwindigkeit zwangen, sowie ein Dreher während der zweiten Prüfung kosteten wertvolle Zeit. „Dass bei kompletter Nacht gefahren wird, kommt bei einer Rallye-Weltmeisterschaft auch nicht so häufig vor“, berichtet Riedemann. Für den Kirchdorfer war es zudem das erste Mal, dass er eine Rallye unter solchen Bedingungen und mit Spikes bestritt: „Es war sehr anspruchsvoll. Wir sind relativ vorsichtig gefahren, da die Außentemperatur um die null Grad Celsius lag. Wir wollten den ersten Tag auf jeden Fall sicher überstehen.“ Mit einem Rückstand von etwa zwei Minuten auf den Erstplatzierten Gilbert beendete das deutsche Duo den Tag auf Rang fünf von insgesamt 15 Teilnehmern. Doch die Rallye war zu diesem Zeitpunkt noch lang.

Während der sechs Prüfungen an Tag zwei rund um Gap hatten die Teilnehmer mit ständig wechselnden Straßenbedingungen zu kämpfen: Schnee, Eis und vor allem dichter Nebel machten die Fahrt zu einer echten Herausforderung für Mensch und Maschine. „Die Wetterbedingungen waren schon extrem, überhaupt nicht vorhersehbar. Wir sind teilweise mit Winterreifen oder Spikes gefahren“, erinnert sich Riedemann. Doch sein Co-Pilot und er bewiesen Qualität, kamen mit ihrem neuen Auto und den Bedingungen immer besser zurecht. Mit Abschluss des zweiten Tages hatten sich Riedemann und Wenzel auf den dritten Gesamtplatz vorgekämpft und setzten ihre beeindruckende Aufholjagd am nächsten Tag fort.

Mit der 51 Kilometer langen Monsterprüfung „Lardier et Valencia – Faye“ eröffnete Riedemann den Kampf um den zweiten Platz mit dem Norweger Ole Christian Veiby. „Wir hatten uns vorgenommen, uns noch einmal zu steigern“, blickt der heute 32-jährige Rallye-Pilot zurück. Stück für Stück machte Riedemann Boden auf Veiby gut und lag nach der vorletzten Prüfung am Samstag nur noch 21,4 Sekunden hinter ihm. Auf der anschließenden Prüfung „Sisteron“, einer der berühmtesten Wertungsprüfungen der Welt, halbierte Riedemann den Rückstand sogar noch einmal.

„Für den letzten Tag“, sagt der Kirchdorfer, „haben wir uns vorgenommen, auf jeden Fall Platz zwei anzugreifen.“ Und es hat tatsächlich geklappt. Mit nur 10,7 Sekunden Rückstand startete das deutsche Duo am Sonntagmorgen den finalen Tag. Unter den letzten drei Prüfungen befand sich auch die Überfahrt des legendären „Col de Turini“. Beim Reifenpoker setzte der damals 27-Jährige schließlich auf die richtige Karte: „Wir sind den letzten Tag der Rallye fast ausschließlich auf Slicks gefahren, also Trockenreifen.“ Das machte sich bezahlt. Riedemann und Wenzel zogen an Veiby vorbei und eroberten somit verdient den zweiten Platz. Von diesem ließ er sich auch auf der folgenden Power Stage nicht mehr verdrängen.

Von Julian Diekmann

Pure Freude über Platz zwei: Christian Riedemann (re.) mit seinem Co-Pilot Michael Wenzel.

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