Serie „Familienbande“

Bei den Ottens dreht sich nicht alles um Fußball

Sascha, Jonny und Julian Otten (v.l.) halten ihre Angel ins Wasser.
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So lässt es sich aushalten: Sascha, Jonny und Julian Otten (v.l.) lieben den Fußball, enstpannen aber auch gern beim Angeln.

In der Familie Otten spielte und spielt Fußball eine große Rolle. Vater Jonny war immerhin mal Nationalspieler. Im Interview geben er und auch seine beiden Söhne Sascha und Julian Einblicke in ihr jetziges Leben. Was wird aus Werder? Wer soll Bundestrainer werden? Und wie sieht es mit der Impfbereitschaft aus?

Bremen - Sportlich herausragend waren die Leistungen von Jonny Otten beim SV Werder. Der jetzt 60-Jährige, Inhaber einer Firma für Werbetechnik in Bremen, holte drei große Titel mit den Grün-Weißen. Das Fußball-Gen ist auch zu seinen Söhnen Sascha (37) und Julian (34) übergesprungen. Im Rahmen unserer Serie „Familienbande“ schildern die Ottens, welche Eigenschaften sie am jeweils anderen schätzen, was sie von Werder erwarten, wer der neue Bundestrainer sein soll – und was sie zum Jagen und Angeln animiert hat.

Wie sind Sie zum Fußball gekommen?

Jonny Otten: Das war erst mit zehn Jahren. Da haben mich Schulfreunde mal mitgenommen. Davor habe ich andere Sachen wie Leichtathletik ausprobiert.

Sascha Otten: Eindeutig durch meinen Vater, der mich oft zu seinem Training bei Werder mitgenommen hat. Ich war sogar in den vielen Rehas seiner Karriere dabei. Das war deshalb so spannend, weil ich da schön im Warmwasserbecken planschen durfte. Ich habe aber auch gern Tennis gespielt.

Julian Otten: Ich bin mit Fußball erst mit 16 angefangen. Das war über eine Fußball-AG in der Schule.

War Ihr Vater immer das Vorbild, oder gab und gibt es andere Idole im Fußball?

Sascha Otten: Er war immer die Nummer eins – auch in privaten Fragen. Fußballerisch mag ich aber auch Zinedine Zidane, Lothar Matthäus und Steven Gerrard.

Julian Otten: Idole habe und hatte ich nie so richtig. Aber den Matthias Sammer fand ich zu seiner Dortmunder Zeit schon ganz gut.

Welche fußballerische Eigenschaft schätzen Sie an Ihrem Vater bzw. an Ihren Söhnen?

Jonny Otten: Sascha konnte unheimlich gute Freistöße schießen. Er hätte das Zeug gehabt, auch eine Profikarriere zu starten.

Sascha Otten: Vater war unglaublich diszipliniert und dazu auch noch sehr zielstrebig. Er hat ja schon mit 17 seinen ersten Profivertrag unterschrieben. Das schafft auch nicht jeder.

Julian Otten: Mir hat immer seine Zweikampfstärke imponiert. Er hat gebissen ohne Ende. Leider habe ich ihn nie live im Stadion spielen sehen, sondern nur in Ausschnitten auf Video.

Steckbrief

Name: Jonny Otten

Alter: 60 Jahre

Wohnort: Bremen

Beruf: Selbstständiger Werbekaufmann

Größte sportliche Erfolge: Deutscher Meister 1988, DFB-Pokalsieger 1991, Europapokalsieger der Pokalsieger 1992; sechs Einsätze in der A-Nationalmannschaft

Vereine: Hagener SV, SV Werder Bremen, VfB Oldenburg, BV Cloppenburg, FC Schönberg 95, Rotenburger SV

Privates: Geschieden; die Söhne Sascha und Julian sind 37 und 34 Jahre alt

Steckbrief

Name: Sascha Otten

Alter: 37 Jahre

Wohnort: Osterholz-Scharmbeck

Beruf: Kaufmännischer Angestellter im Vertrieb

Größter sportlicher Erfolg: Norddeutscher- und Deutscher Meister 2000 mit der Bremer Landesauswahl

Vereine: TSV Heiligenrode, SC Weyhe, TSV Melchiorshausen, Brinkumer SV, TSG Seckenhausen-Fahrenhorst, TuS Sudweyhe, TSV Ristedt, VSK Osterholz-Scharmbeck

Privates: Verheirat; Tochter Eloise ist vier Jahre alt

Steckbrief

Name: Julian Otten

Alter: 34 Jahre

Wohnort: Melchiorshausen

Beruf: Werbetechniker

Größter sportlicher Erfolg: Mit dem TSV Melchiorshausen 2016 Aufstieg in die Bremen-Liga

Vereine: Brinkumer SV, TSV Melchiorshausen, TSG Seckenhausen-Fahrenhorst

Daddy ist dem SV Werder immer noch sehr verbunden. Welches ist Ihr Lieblingsverein?

Sascha Otten: Werder Bremen, weil das eben von Anfang an so war. Dahinter folgt dann Borussia Dortmund.

Julian Otten: (lacht) Ich hab’ mich da immer nach meinem großen Bruder gerichtet...

Werder spielt schon seit Jahren keine führende Rolle mehr in der Bundesliga. Wird sich das bald mal ändern?

Jonny Otten: Werder muss sich erst finanziell wieder berappeln – und zugleich hoffen, dass Neuzugänge richtig einschlagen. Ich denke, dass auch die Spielergehälter runter müssen.

Sascha Otten: Wir werden uns noch einige Jahre an dieses Niveau gewöhnen müssen. Werder sollte mit dem Verkauf der guten Leute Kasse machen und noch stärker auf die Jugend setzen. Trainer Florian Kohfeldt traue ich das zu.

Julian Otten: Große Sprünge wird Werder in absehbarer Zeit nicht machen können.

Ohne Zuschauer und damit auch finanziell macht der Profifußball momentan eine schwere Zeit durch. Wird es bald wieder wie früher sein?

Jonny Otten: Die Löcher stopft man nicht von heute auf morgen. Ich denke, dass die Etats der meisten Clubs runtergehen werden.

Sascha Otten: Man wird nicht daran vorbeikommen, dass die Spieler weniger Geld bekommen. Auch sollte man die Kosten für die Fans an einem Spieltag senken, denn als Familie kann man sich einen Stadionbesuch mit allem Drum und Dran ja kaum noch leisten.

Julian Otten: Viele Profis werden in Zukunft weniger verdienen. Nur die Topstars werden auch weiterhin sehr, sehr viel Geld verdienen.

Die EM soll in verschiedenen Ländern stattfinden. Eine gute Idee in der Coronakrise?

Jonny Otten: Allein schon von der Organisation her finde ich das schwer umsetzbar.

Sascha Otten: Das ist totaler Blödsinn. Jeder muss Kontakte einschränken, und bei der EM fliegen alle durch ganz Europa.

Julian Otten: Man sollte das wegen der ganzen Reiserei absagen oder nur in einem Land stattfinden lassen.

Die Suche nach dem neuen Bundestrainer läuft. Wer sollte Jogi Löw beerben?

Jonny Otten: Jürgen Klopp, weil er der bester Trainer der Welt ist. Aber er hat ja schon abgesagt.

Sascha Otten: Hansi Flick. Mit den Bayern gibt es bestimmt Mittel und Wege, dass das klappen kann.

Julian Otten: Ich bin auch für Jürgen Klopp, weil der ein hervorragender Motivator ist.

Welche Eigenschaft würden Sie gern von Ihrem Bruder übernehmen?

Sascha Otten: Ich hätte gern Julians Gelassenheit. Ich flippe dagegen eher schon mal aus. Damit habe ich mir im Leben schon Einiges verbaut.

Julian Otten: Ab und an würde ich mir das Temperament von Sascha wünschen. Was aber nicht heißt, dass ich nicht auch gut feiern kann...

Einer seiner größten Erfolge: Jonny Otten reckt 1992 auf dem Balkon des Bremer Rathauses den Pokal für den Gewinn des Europapokals der Pokalsieger in die Höhe.

Als Fußballer haben Sie auch noch ungewöhnlichere Hobbys wie die Jägerei oder das Angeln. Wie kam es dazu?

Jonny Otten: Ich war schon als Kind mit meinem Vater Helmut angeln. Dann hatte ich mal einen Nachbarn, der mich zur Jagd mitgenommen hat. 1988 habe ich dann meinen Jagdschein, das sogenannte grüne Abitur, gemacht.

Sascha Otten: Vater und Opa haben mich zum Angeln mitgenommen. Die Jägerei ist nicht so mein Ding.

Julian Otten: Zum Angeln war ich mit Vater als Kind an der alten Werder. Jetzt fange ich Forellen, nehme sie aus, räuchere sie und verkaufe auch mal welche. Und mit 17 Jahren haben ich schon den Jugend-Jagdschein gemacht. Immer mal wieder fahre ich dann in die Nähe von Soltau, wo Vater ein Revier gepachtet hat.

Wie halten Sie sich fit?

Jonny Otten: Ich fahre viel Fahrrad. Zudem hält mich das Revier auf Trab. Und dann bin ich noch im Fitnessstudio angemeldet...

Sascha Otten: Meine vierjährige Tochten Eloise hält mich fit. Und ich spiele noch alte Herren in Osterholz-Scharmbeck.

Julian Otten: Zwei- bis dreimal pro Woche jogge ich acht bis zwölf Kilometer.

Wie bewerten Sie die aktuellen Lockdown-Maßnahmen?

Jonny Otten: Ich bin sehr häuslich geworden und koche sogar selbst. Aber insgesamt finde ich alles zu krass.

Sascha Otten: Die Einschränkungen sind dramatisch. Restaurants sind dicht, aber Kindergärten geöffnet. Wir haben unsere Tochter da jetzt rausgenommen.

Julian Otten: Halbe Sachen bringen doch nichts. Man sollte alles zwei Wochen stilllegen.

Das Impfen ist ja momentan das Thema überhaupt. Würden Sie sich piksen lassen, wenn Sie dran sind?

Jonny Otten: Ja, aber möglichst mit einem Impfstoff meiner Wahl.

Sascha Otten: Ich lasse mich impfen. Mal sehen, wann genau ich dran bin.

Julian Otten: Ich werde das machen, weil ich ja auch ständig in Kontakt zu Kunden stehe.

Wenn die Pandemie morgen vorbei wäre: Was würden Sie als Erstes unternehmen?

Jonny Otten: Alle Freunde einladen und meinen 60. Geburtstag nachfeiern.

Sascha Otten: Freunde einladen und mal wieder richtig die Sau rauslassen.

Julian Otten: Eine richtig geile Garten-Party feiern.

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