WAS MACHT EIGENTLICH . . .? „Mine“ Wessel

Bassum, Twistringen, Harpstedt - „Die Chemie passte immer“

Der frühere TSV-Coach „Mine“ Wessel (Mitte) zeigt auf dem Hauptplatz das – zum Abschied geschenkte – Trikot mit den Unterschriften der Spieler, die er seinerzeit trainierte. Bassums Bürgermeister Christian Porsch (links) war Spartenleiter und überzeugte Wessel, noch mal einzusteigen. Und Kreiszeitung-Sportredakteur Malte Rehnert gehörte Ende der 90er-Jahre zu dem Team, das dem Trainer viel Vergnügen bereitete.
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Wiedersehen in Bassum: Der frühere TSV-Coach „Mine“ Wessel (Mitte) zeigt auf dem Hauptplatz das – zum Abschied geschenkte – Trikot mit den Unterschriften der Spieler, die er seinerzeit trainierte. Bassums Bürgermeister Christian Porsch (links) war Spartenleiter und überzeugte Wessel, noch mal einzusteigen. Und Kreiszeitung-Sportredakteur Malte Rehnert gehörte Ende der 90er-Jahre zu dem Team, das dem Trainer viel Vergnügen bereitete.

Als Spieler und Trainer war Jürgen Wessel - den fast alle nur „Mine“ nennen, beim TSV Bassum, SC Twistringen und Harpstedter TB aktiv. In unserer Serie “Was macht eigentlich...?“ blickt der 71-Jährige auf seine lange Karriere zurück - und verrät im Interview, was ihm immer besonders wichtig war und welches sein neues Hobby ist.

Harpstedt – Obwohl es mittlerweile im Diepholzer Fußballkreis um Jürgen Wessel deutlich ruhiger geworden ist, in Vergessenheit geraten ist der 71-Jährige ganz sicher nicht. Dafür sind die Fußstapfen, die der pensionierte Pädagoge beim TSV Bassum und dem SC Twistringen hinterlassen hat, schlichtweg zu groß. Auf welcher Station er sich wohler fühlte, und wie er zu seinem Spitznamen „Mine“ kam, verrät Wessel im folgenden Gespräch.

Herr Wessel, unter Ihrem Vornamen Jürgen kennt man Sie kaum. Wie entstand Ihr Spitzname „Mine“?
Durch meinen Bruder Wilhelm. Der wurde erst als „Wilhelmine“ aufgezogen, daraus wurde später „Mine“, und den Namen bekam ich dann wohl einfach vererbt (lacht).

Hören Sie überhaupt noch auf „Jürgen“?
Um ehrlich zu sein, stutze ich dann immer erst. Eigentlich nennt mich tatsächlich jeder „Mine“. Okay, meine Lebensgefährtin nicht.

Als „Mine“ Wessel wurden Sie ja auch im Kreis Diepholz bekannt. Wie landete denn eigentlich ein Harpstedter in unserer Region?
Angefangen habe ich als Spieler tatsächlich in meinem Heimatverein Harpstedt. Irgendwie ist dann aber 1977 der damalige Bassumer Trainer Robert Matz auf mich aufmerksam geworden und hat mich zum TSV geholt.

Auf welcher Position haben Sie gespielt?
In Harpstedt war ich noch ein defensiver Mittelfeldspieler, also auf der Sechser-Position. In Bassum habe ich dann aber meist Libero gespielt.

Wurden Sie denn schnell heimisch in der Lindenstadt?
Ja, es passte von Beginn an super. Wir hatten ein tolles Team und haben ja auch immer auf Bezirksebene gespielt.

Und wie wurde aus dem Spieler Wessel der Trainer Wessel?
Für mich war das eigentlich ein folgerichtiger Schritt. Ich hatte über die Schule meine B-Lizenz gemacht, befand mich mit 34 Jahren auf der Zielgeraden meiner Spielerkarriere und hatte Interesse am Trainerjob. Als Bassum 1984 fragte, musste ich deshalb nicht lange überlegen.

34 Jahre war damals doch ziemlich jung für einen Coach . . .
Das stimmt, aber die Jungs kannten mich ja noch als Spieler. In der ersten Saison stand ich auch noch öfter mit auf dem Platz. Doch auf die Dauer ist für mich ein Spielertrainer nicht ideal. Von außen sieht man einfach deutlich mehr.

Hatten Sie als Trainerfrischling denn anfangs keine Autoritätsprobleme? Schließlich waren einige Ihrer Spieler in Ihrem Alter.
Überhaupt nicht. Aber ich war als Trainer auch immer eher der Kumpeltyp. Ein super Verhältnis zu meinen Spielern war mir äußerst wichtig. Ein Felix Magath konnte aus mir also nicht werden (schmunzelt). Das gemeinsame Bierchen nach den Spielen gehörte für mich immer dazu.

Steckbrief

Name: Jürgen Wessel

Alter: 71 Jahre

Wohnort: Harpstedt

Beruf: Pensionierter Lehrer

Vereine: Harpstedter TB, TSV Bassum (als Spieler) - TSV Bassum, SC Twistringen, Harpstedter TB, TSV Bassum (als Trainer).

Größte Erfolge: Aufstieg in die Bezirksliga 1974 mit Harpstedt (als Spieler). Aufstiege in die Bezirksliga mit Bassum (1988) und Twistringen (1992) als Trainer.

Privates: Ledig.

Hatte Ihre kumpelhafte Art denn auch Erfolg?
Zumindest bin ich 1988 mit Bassum in die Bezirksliga aufgestiegen und habe den TSV etabliert. Wir hatten eine gute Truppe mit einem genialen Zehner wie Robert Hespe, Andreas Kastens als erstklassigen Keeper und meine späteren Trainerkollegen Frank Fischer und Eckhardt Kotrade als weitere Eckpfeiler.

Klingt danach, als ob Bassum zu Ihrer zweiten Heimat wurde.
Das kann man so sagen. Aber nach sieben Jahren als Spieler und sechs Jahren als Trainer brauchte ich einen Tapetenwechsel. Deshalb haben wir uns dann einvernehmlich getrennt – also wirklich einvernehmlich (lacht).

Im Kreis blieben Sie anschließend jedoch trotzdem . . .
Was ja Sinn machte, da ich in Syke als Lehrer arbeitete. Direkt nach meinem Abgang in Bassum hörte in Twistringen der damalige Trainer Uwe Küpker auf, und SCT-Spartenleiter Walter von der Ecken fragte bei mir an. Ähnlich wie in Bassum reizte mich auch diese Aufgabe sofort.

Und führten Sie die „Blaumeisen“ ebenfalls nach oben?
Tatsächlich lief es gerade zu Beginn wieder richtig gut, und wir sind 1992 in die Bezirksliga aufgestiegen. Kein Wunder, da wir mit Spielern wie Thomas Thiede, Jens Schröder, Rainer Brunkhorst oder Michael Schütte tolle Kicker im Kader hatten.

Und in Andreas Schultalbers einen Extrakönner im Tor . . .
(schmunzelt) Ja, „Schulti“ war ein absoluter Glücksfall. Er hat es ja kürzlich schon in Ihrer Zeitung berichtet. Mir fehlte ein Keeper, und ich bin bei einem Schulturnier mit dem Kollegen Schultalbers ins Gespräch gekommen. Da wusste ich aber noch gar nicht, wie gut er ist.

Wie gut denn?
Einfach überragend. Das war für beide Seiten ein absoluter Glücksfall. Ich hatte eine richtige Bank im Kasten, und er wurde beim SCT zur Legende. Eines finde ich aber noch viel wichtiger.

Das wäre?
Es entstand daraus eine wunderbare Freundschaft, die schon über 30 Jahre anhält.

Ganz so lange blieben Sie in Twistringen hingegen wahrscheinlich nicht . . .
Kurioserweise wurden es beim SCT genau wie in Bassum wieder sechs Jahre. Diesmal gab es jedoch keine einvernehmliche Trennung. Wir waren 1994 leider aus der Bezirksliga abgestiegen, und als es auch im zweiten Versuch nicht zum Wiederaufstieg reichte, wollte es der Verein mit einem neuen Trainer versuchen. Was ich völlig legitim fand. Schmutzige Wäsche gab es zu keiner Zeit.

Legten Sie danach eine Pause ein?
Nein, irgendwie folgte auf eine Tätigkeit immer sofort die nächste. Ich war dann noch drei Jahre in meinem Heimatverein Harpstedt Trainer und wollte danach eigentlich aufhören, um mehr Zeit mit meiner Lebensgefährtin verbringen zu können.

Klingt nach einem „aber“ . . .
Stimmt genau. 1999 rief mich Bassums damaliger Spartenleiter und heutiger Bürgermeister Christian Porsch an und bat mich um Hilfe, da der TSV kurzfristig ohne Trainer dastand. Ich hatte Christian ja schon trainiert in meiner ersten Bassumer Zeit und konnte ihm den Wunsch nicht abschlagen. Allerdings war klar, dass ich nur noch eine Saison dranhängen würde.

Also praktisch eine Abschiedstournee?
Sogar eine sehr schöne. Wir haben in der Bezirksklasse mit einer ganz jungen Truppe vorne mitgemischt und hatten viel Spaß. Ihr Kollege Malte Rehnert war einer der Köpfe des Teams, dazu Stephan Lehmkuhl, Robin Scherr, Matthias Aust oder Christian Barneföhr. Meine letzte Trainerstation gefiel mir super. Obwohl diesmal die Spieler meine Söhne hätten sein können (lacht). Aber nach dem Jahr reichte es auch. Ich war ich dann echt lange genug dabei.

Hand aufs Herz: Auf welcher Station gefiel es Ihnen am besten?
Ich hatte die Frage schon befürchtet (seufzt). Aber eine Antwort muss ich schuldig bleiben. Insbesondere Bassum und Twistringen waren sich als Vereine sehr ähnlich. Die „dritte Halbzeit“ gehörte immer dazu. Jede Mannschaftsfahrt wurde eine riesige Gaudi, und die Chemie zwischen Mannschaft und mir passte ebenfalls immer. Vielleicht, weil ich immer Teil des Teams sein wollte. Ich mochte die Nähe zu den Jungs. Distanz war nie mein Ding.

Ist die Liebe zum Fußball nach Ihrer langen Karriere denn geblieben?
Selbstverständlich. Ich bin leidenschaftlicher Werder-Fan mit Dauerkarte und hoffe darauf, bald wieder ins Weserstadion zu können. Leider muss ich mir ja dann Zweitligaspiele anschauen (seufzt).

Verfolgen Sie den Werdegang Ihrer ehemaligen Mannschaften auch noch?
Natürlich. Wobei ich mir vor Corona eher Spiele von Harpstedt vor meiner Haustür angesehen habe. Aber wenn Bassum gegen Twistringen im Derby antritt, war ich mit „Schulti“ ebenfalls oft vor Ort. Ich kenne ja in beiden Vereinen noch viele Verantwortliche.

Kicken Sie selber auch noch ab und an?
Das machen die Knochen schon länger nicht mehr mit. Dafür habe ich die Liebe zum Tennis entdeckt und trete bei den Senioren für den Harpstedter TB an. Ganz auf Sport kann ich also nach den vielen Jahren immer noch nicht verzichten (lächelt).

Macht jeden Spaß mit: „Mine“ Wessel vor fast genau zwei Jahren als Schiedsrichter beim Ehemaligen-Treffen des TSV Bassum.

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