Handball-Trainer Rieken, Mosel und Engelke optimistisch

Experten-Umfrage: „Deutschland wird Europameister“

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Deutschland startet in die Handball-EM.

Syke - Seit Freitag blicken die Handball-Fans gebannt nach Kroatien. Gut zwei Wochen lang geht es dort um die Europameissterschaft der Männer – mit Deutschland als Titelverteidiger.

Wir wollten von den Trainern der höchsten Handball-Mannschaften unseres Verbreitungsgebiets wissen, was für die Nationalmannschaft diesmal drin ist, wer zu den Favoriten zählt – und wie zufrieden sie mit dem aktuellen DHB-Kader sind.

Wie bewerten Sie die personellen Entscheidungen von Christian Prokop, die dem Bundestrainer reichlich Gegenwind eingebracht haben?

Dag Rieken (Trainer des Oberligisten HSG Barnstorf/Diepholz): Ich hätte genauso entschieden wie Bundestrainer Christian Prokop. Er wird schon seine Gründe gehabt haben, warum er genau diese Spieler zu Hause lässt. Es gab ja einen richtigen Aufschrei in der Republik. Das ist typisch deutsch. Für mich ist die Entscheidung jedenfalls verständlich. Die Mannschaft besitzt eine gute Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern. 

Nils Mosel

Nils Mosel (Trainer des Verbandsligisten HSG Barnstorf/Diepholz II): Ganz ehrlich, die Linksaußenposition nur einfach zu besetzen, halte ich für eine ganz schwierige Entscheidung. Auch wenn diese von so einem Ausnahmespieler wie Uwe Gensheimer besetzt ist. Finn Lemke nicht zu nominieren und das Bollwerk hinten auseinanderzureißen, ist auch nicht notwendig. Andererseits ist Patrick Wiencek ein ähnlicher Brocken, dem der Job auch zuzutrauen ist. Generell finde ich die Nominierung sehr Leipzig-lastig. 

Hartmut Engelke (Trainer des Verbandsligisten TuS Sulingen): Der Aufschrei, den es gab, ist mir zu groß. Christian Prokop wird sich bei der Zusamenstellung, die ich nachvollziehen kann, kein leichtes Spiel gemacht haben. Natürlich ist es sehr schade für Finn Lemke, aber Härtefälle gibt es immer wieder. 

Sven Engelmann

Sven Engelmann (Trainer des Landesligisten HSG Stuhr): Vor allem die Nichtberücksichtigungen von Finn Lemke und Rune Dahmke kann ich nicht nachvollziehen. Dahmke als junger, aufstrebender Spieler hätte einem Etablierten wie Uwe Gensheimer auf der Linksaußenposition Feuer unterm Hintern machen können. 

Matthias Möller (Trainer des Landesligisten HSG Wagenfeld/Wetschen): Ich halte von Prokop sehr viel. Er ist ein junger Trainer, um den sich der DHB sehr bemüht hat. Prokop wird also schon wissen, was er tut. Durch ihn, aber auch durch seinen Vorgänger Dagur Sigurdsson, ist unser Spiel viel variabler geworden. Lemkes Nichtberücksichtigung kam zwar überraschend, aber er ist ein reiner Deckungsspieler. Und dass Fabian Wiede nicht dabei ist, sehe ich als weniger tragisch an. Wichtiger ist, aus Reihen der Linkshänder einen wie Steffen Weinhold zu haben.

Wie schneidet Deutschland bei der EM ab?

Barnstorfs Dag Rieken glaubt an Deutschland als Europameister.

Dag Rieken: Deutschland hat eine schwere Gruppe erwischt. Zudem wird das deutsche Team gerade in der Vorrunde auch gegen das heißblütige Publikum spielen müssen. Wenn die DHB-Auswahl aber die Vorrunde gut übersteht, traue ich der Mannschaft einiges zu. 

Nils Mosel: Deutschland hat eine sehr, sehr gute Mannschaft, der ich einiges zutraue. Sie kommen mindestens ins Halbfinale. 

Hartmut Engelke: Ich traue der Mannschaft alles zu. Gleich nach der Vorrunde auszuscheiden oder ins Finale zu kommen – alles ist denkbar. Im Handball, gerade bei einer EM, ist das generell sehr schwer einzuschätzen. 

Hartmut Engelke

Sven Engelmann: Dadurch, dass Lemke nicht dabei ist, werden wir nicht ganz vorn landen. Ich denke, Deutschland kommt unter die letzten Vier. 

 Matthias Möller: Da ist alles möglich. Ich weiß nicht, wer bei den Kroaten, Spaniern, Franzosen und Dänen so fehlt. Aber in einem solchen Turnier mit Spielen im Zwei-Tages-Rhythmus wird die Kondition entscheidend sein. Da musste sich Deutschland nie große Sorgen machen.

Wer wird Europameister?

Dag Rieken: Wenn Deutschland gut durch die Vorrunde kommt, glaube ich, dass das DHB-Team seinen Titel verteidigen kann. Ich lege mich fest: Deutschland wird Europameister. 

Nils Mosel: Spanien, Frankreich, Deutschland oder ein Skandinavier (lacht). Okay, ich mache es kurz: Deutschland schafft es. 

Wagenfelds Matthias Möller zählt das DHB-Team zum Favoritenkreis.

Hartmut Engelke: Deutschland! Ich wünsche mir das – und bin da einfach mal Optimist. Natürlich ist die Konkurrenz aber wieder richtig stark. Frankreich, Dänemark und auch Kroatien mit dem Heimvorteil, da brennt in den Hallen auf jeden Fall immer der Block. Und vielleicht gibt es ja auch eine Überraschungsmannschaft, zum Beispiel Slowenien. 

Sven Engelmann: Kroatien hat bei seiner EM im eigenen Land sehr gute Chancen, aber auch Frankreich. Sicher zählen auch die Dänen zu den Favoriten – wenn sie nicht wieder am Ende des Turniers einbrechen. 

Matthias Möller: Vieles kommt auf die Abwehrarbeit an. Die Deckung spielt neben der Kondition bei der Titel-Entscheidung eine sehr große Rolle. Neben Kroatien, Spanien, Frankreich, Dänemark und Norwegen zähle ich uns aber natürlich zu den Favoriten.

ntr/jdi/ck/mr

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