Derby in Barenburg mit ungewohntem Debüt: Ein Sportredakteur als Stadionsprecher / Spaßig, aber ein bisschen stressig

Rotation zwischen Stoppuhr und Spielbericht

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Kapitän Jannik Pieper freut sich über den mit der Aktion verbundenen Sachpreis: Eine Zapfanlage.

Barenburg - Von Cord Krüger. Die ersten trudeln schon eineinhalb Stunden vorher ein. Viele haben sich blau-gelbe Schals und Shirts übergeworfen. Die Farben ihres Vereins, des TuS Barenburg. Den wollen sie unterstützen – im Derby der 1. Kreisklasse gegen den TSV Holzhausen-Bahrenborstel. Das Fieber steigt. Auch bei mir. Für dieses Duell bin ich als Stadionsprecher vorgesehen. Meine Premiere am Mikrofon. Wenn das mal gut geht…

Lange hatten die Barenburger auf diesen Abend hingearbeitet – und sich viel Mühe gegeben. Stehtische mit Schirmen säumen die Seitenlinie entlang der hölzernen Haupttribüne, im Schwenkgrill qualmt das Buchenholz, sogar ein Kamera-Kran steht parat. Die Zaungäste sind bis auf die Riesenrutsche des angrenzenden Freibads geklettert. Spätestens jetzt wird mir klar: Hier darf ich mich nicht blamieren.

Doch Sebastian Jocksch nimmt mich herzlich in Empfang. „Schön, dass du da bist“, sagt der Spartenleiter des TuS. Vielleicht auch, weil ich nicht mit leeren Händen gekommen bin: Der TuS hatte sich an der Aktion „Das lustigste Mannschaftsfoto“ beteiligt – und eine Zapfanlage gewonnen. Die überreiche ich jetzt Barenburgs Kapitän Jannik Pieper, wegen seiner lockigen Haarpracht „Dante“ genannt. Teil zwei des Preises war ein Arbeitsdienst eines Kollegen der Sportredaktion. „Es wäre super, wenn du unser Stadionsprecher wärst“, hatte mir Jocksch im Vorfeld gesagt. So sei es.

Noch eine halbe Stunde bis zum Anpfiff. „Das da“, deutet Jocksch zu einer Arbeitsbühne, wird dein Platz.“ Probehalber fahren wir mal hoch – auf gute zwei Meter. Nicht schlecht! Jetzt aber wieder runter, ich muss die Mannschaftsaufstellungen einholen. „Ach, du bist derjenige, welcher…?“, fragt mich Holzhausens Trainer Jörg Ostermann grinsend. Unkompliziert diktiert er mir die Namen und Nummern in den Steno-Block.

Noch 15 Minuten bis zum Anpfiff. Ich hole Barenburgs Vorsitzende Karin Hoyer hinter der Theke hervor, wo sie fleißig zapft und Gläser spült. „Ein Interview? Mit mir?“ Sie lacht und macht die Einlage gern mit. Sehr souverän – jedenfalls von ihr. Ich fühle mich nicht so wohl vor den schon gut 200 Zuhörern. Und meine Stimme hört sich über die Lautsprecher dämlich an. Egal. Da muss ich durch. Und nach der dritten Frage habe ich auch kapiert, dass ich Karin Hoyer bei Antworten schon das Mikro hinhalten müsste.

Noch zehn Minuten bis zum Anpfiff. Ich beginne mit der Aufstellung der Gäste. Zwei Mal muss ich stutzen: Heißt es Andy Wiegmann oder Ändy Wiegmann? Zu spät, gesagt ist gesagt, und es kommt wenigstens kein Gelächter. Scheint zu passen.

Noch fünf Minuten bis zum Anpfiff. Jetzt präsentiere ich vor inzwischen 300 Fans die Barenburger Startelf und denke zum Glück im letzten Moment daran, Schiedsrichter Moritz Borchardt zu erwähnen.

Anpfiff. Mein Lampenfieber hat sich etwas gelegt, das meiste habe ich wohl hinter mir, denke ich – da klingelt es bereits. Ich krame hektisch Stoppuhr und Spielberichtsbogen raus: „Die siebte Spielminute: Tor für den TuS Barenburg. Torschütze mit der Nummer 11… Jannik Pieper!“ Ob ich seinen Spitznamen Dante hinterherschicken soll? Lieber nicht. Denn ein Vergleich mit dem Brasilianer ist spätestens seit einem gewissen WM-Halbfinale gegen Deutschland nicht mehr so schmeichelhaft.

Die erste Halbzeit verläuft für mich ohne weitere Durchsagen – bis auf den Hinweis auf eine Minute Nachspielzeit und das Verkünden des Halbzeitstands. Kurz vor Wiederanpfiff sagen mir beide Trainer, dass sie nicht gewechselt haben. Prima, dann kann ich erstmal die Klappe halten.

Anpfiff zur zweiten Halbzeit: Wie in den ersten 45 Minuten spielt sich das Geschehen wieder in meiner Hälfte ab – denn jetzt dominieren die Holzhauser. Fast zwangsläufig: der Ausgleich durch Kevin Bretthorst in der – mal nachsehen – 66. Minute. Und dann kommt Holzhausens Torjäger Markus Giesbrecht in die Parie. Die Ein- und Auswechslung sage ich unfallfrei durch, auch seine Führung fünf Minuten vor Schluss. Aber dann wird es hektisch: Beide Trainer wechseln minütlich, Sebastian Jocksch neben mir hilft mir bei den Barenburger Namen – aber den Schützen zum 2:2 in der Nachspielzeit können wir zwei beim besten Willen nicht erkennen. Doch das interessiert keinen mehr – denn vier Unbelehrbare inmitten von fast 400 friedlich-freundlichen Fans zünden im Jubel Bengalos. „Liebe Fans, unterlasst bitte das Abbrennen von Feuerwerk“, rufe ich durchs Mikro. Zu spät. Kurz darauf: Abpfiff. Geschafft! Ich sage den Endstand durch und fahre mit der Arbeitsbühne runter.

Fazit: Es hat Spaß gemacht – aber es eilt nicht mit meinem nächsten Job als Stadionsprecher! Denn eine Rampensau bin ich nicht, war ich schon als Grundschüler bei der Weihnachtsfeier nicht und werde es nie. Aber ich habe gemerkt, dass man am Mikrofon einiges an Verantwortung trägt, manchmal aber machtlos ist – etwa gegen Pyrotechniker.

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