Brokser trumpfen im Jubiläumsjahr auf

Das (fast) perfekte Vilser Fußball-Märchen

Die Fußballer der ersten und zweiten Mannschaft des SV Bruchhausen-Vilsen
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Eine große Mannschaft: Beim SV Bruchhausen-Vilsen (hier ein Testspiel der ersten gegen die zweite Herrenmannschaft am 26. Juli 2020 nach dem ersten Lockdown) gönnt jeder jedem etwas.

Der SV Bruchhausen-Vilsen trumpfte im Jahr 2020 gewaltig auf – trotz Corona. Die Fußballer nutzten ihr Jubiläumsjahr für einen Doppelaufstieg und starke Leistungen auch in den höheren Klassen. Angemessen gefeiert werden konnte allerdings trotzdem nicht.

  • Beim 1. Vorsitzenden, Thomas Warnke, gibt es nur „ein Bier“ auf das 100-Jährige.
  • Vilser Herren-Teams liegen in den unterbrochenen Saisons auf Kurs Meisterrunde.
  • Die Harmonie im Verein ist der größte Trumpf.

Bruchhausen-Vilsen – Der Leser könnte glauben, die folgende Geschichte stammt aus den Federn der Gebrüder Grimm. Das Timing könnte kaum perfekter sein, es ist fast wie im Märchen. Ausgerechnet 2020, in dem Jahr also, in dem der SV Bruchhausen-Vilsen 100 Jahre alt wird, spielen die erste und zweite Herren-Mannschaft wahrhaft märchenhaften Fußball, steigen im Gleichschritt auf – und begeistern auch in den höheren Spielklassen. Aber wie in jedem guten Märchen gibt es auch für die Brokser einen bösartigen Gegenspieler: Corona.

„Gefeiert haben wir eigentlich gar nicht“, sagt der 1. Vorsitzende, Thomas Warnke, über das Jubiläum am 1. Dezember und die geplante Party vier Tage später: „Wir haben nur ein Bier drauf getrunken.“ Die Vilser hätten „eine Sportwoche, mit Zelt, Disko und den Lila-Weißen Ball gehabt, alles was man sich so vorstellen kann“, erzählt Warnke: „Aber irgendwann haben wir die Organisation abgebrochen.“

Und nicht nur dieses Event fiel flach. Auch der Doppelaufstieg konnte im Sommer nicht gebührend gefeiert werden. Die tollen Saisons der beiden Herren-Teams wurden abgebrochen, die erste Mannschaft stieg in die Bezirksliga auf, die zweite mithilfe der Quotientenregelung in die Kreisliga. „Als wir aufgestiegen sind, war das natürlich ein Top-Tag“, meint Warnke, „aber wir haben das nicht gerne am grünen Tisch geschafft, da fehlte etwas. Wir hätten die Saison gerne zu Ende gespielt.“

Tolle freut sich über seine „Bombentruppe“

Auch dann wären die Erfolgsaussichten gut gewesen. Denn eines haben sich die Brokser von der Pandemie nicht kaputt machen lassen: ihre Freude am Fußball. Beide Teams spielten stark zwischen den Lockdowns und liegen derzeit sogar auf Kurs Meisterrunde. „Wir haben eine Bombentruppe auf dem Platz“, sagt Erstherrentrainer Patrick Tolle über die „eine große Mannschaft“ des SVBV.

Denn, so erklärt es Warnke, das ist die Hauptzutat des Rezepts für Erfolg in Vilsen. „Wir haben viele Spieler, die einen guten Durchlauf in der Jugend haben, das hatten wir allerdings öfter mal“, meint der Vorsitzende: „Aber es gab noch nie ein so gutes Verhältnis zwischen erster, zweiter und dritter Mannschaft, die Freundschaften überschneiden sich, es gibt kein Konkurrenzdenken mehr.“

Dann feiern wir halt beim 101sten Geburtstag.

Thomas Warnke

Tolle sieht das ähnlich: „Wir haben überall ein super hohes Niveau.“ Und auch Ben Weber, Coach der Zweiten, schlägt in dieselbe Kerbe: „Wir haben immer Leute, die aushelfen können. Es ist alles harmonisch, jeder gönnt jedem etwas, und es macht keiner Anstalten, wenn er mal auf die Bank muss.“

Warnke freut sich über diese Harmonie im Verein, und er macht sie an einem Beispiel deutlich. Das Stickeralbum (wir berichteten) – im Grunde die einzige verbliebene Jubiläumsaktion – habe die Leute zusammenbracht, betont der Vorsitzende: „Man hat viele Leute bei der Abholung wiedergesehen, und einige haben gesagt: Die Bundesliga vermisse ich gar nicht so sehr, aber sonntags auf dem Fußballplatz zu stehen schon. Wenn man sich gesehen hat, kam schon mal die Frage nach einem Arbeitseinsatz, bei dem die Leute gerne geholfen hätten. Das Vereinsleben, das eigentliche warum man feiert, ist stärker herausgekommen.“ Das könne mit dem 100-Jährigen zusammenhängen, meint Warnke: „Vielleicht lag es gerade an diesem Jahr, dass einige sich gesagt haben: Jetzt haben wir dieses Jubiläum, können aber gar nichts richtig machen. Darum haben wir trotz und vielleicht aus Corona viel gelernt. Und das zu erfahren, ist mehr wert als jedes Grußwort beim 100sten.“

Brokser Verantwortliche würden die Saison gerne „zu Ende spielen“

Auf dem Platz hat das Jubiläum jedoch wohl eher nichts mit den Erfolgen zu tun, das perfekte Timing ist eher Zufall als Planung. Für Weber jedoch der einzige Zufall. „Es war schon abzusehen, dass eine solche Phase kommen wird, wir hatten einen starken A-Junioren-Jahrgang, der sich jetzt im Herrenbereich etabliert hat“, erklärt der Coach.

Weber würde sich freuen, die Saison – oder zumindest eine mögliche Auf- oder Abstiegsrunde – zu Ende spielen zu können. „Es ist eh immer bitter, wenn das Hobby wegfällt“, sagt er: „Aber da es so gut gelaufen ist, will jeder die Saison irgendwie beenden.“ Auch Warnke, der ohnehin ein Verfechter davon ist, „eine Saison zu Ende spielen zu lassen, unabhängig davon, wo wir stehen“, und Tolle stoßen ins gleiche Horn. Vielleicht findet das Fußballmärchen dann ja auch noch sportliches sein Happy End.

Tolles Traumszenario für den Abschied

Für Patrick Tolle ist die Situation besonders eigenartig. Einerseits würde der zum Saisonende scheidende Coach mit seinem SV Bruchhausen-Vilsen gerne an die starke Serie anknüpfen und die Aufstiegsrunde unter Dach und Fach bringen – andererseits lernt er „durch den Lockdown schon, anders damit umzugehen, weil man nicht mehr so viel Kontakt hat“, erklärt er. Die Leistungen seiner Spieler machten ihm den Abschied jedoch leichter, betont der Trainer: „Es ist schön, die Truppe auf dem Stand zu übergeben. Wenn man eine Messlatte vorlegen kann, ist das schön. Ich bin jetzt schon gespannt, wie das nächstes Jahr mit Torsten (Klein, noch Coach beim Ligarivalen TSV Bassum, ab 2021/22 Tolle-Nachfolger beim SBVB, d. Red.) weitergeht.“ Für seinen Abschied hat Tolle ein Traumszenario: „Wir bleiben auf dem zweiten Tabellenplatz, ziehen damit in die Meisterrunde ein, um den Klassenerhalt sicher zu haben. Das wäre vor der Saison unvorstellbar gewesen.“

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