ADVENTSKALENDER Haendorfs Sportleiter Bernd Cordes ist Hüter von Pistolen und Gewehren

Der Herr der Waffenkammer

Die Waffenkammer des SV Haendorf: Sportleiter Bernd Cordes gewährt einen Einblick in den Schrank, in dem die Luftdruckgewehre und -Pistolen lagern. Im silbernen Schrank nebenan befinden sich die scharfen Waffen.
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Die Waffenkammer des SV Haendorf: Sportleiter Bernd Cordes gewährt einen Einblick in den Schrank, in dem die Luftdruckgewehre und -Pistolen lagern. Im silbernen Schrank nebenan befinden sich die scharfen Waffen.

Wer hier hinein will, braucht entweder den richtigen Schlüssel oder eine Menge krimineller Energie. Doch potenzielle Räuber sollten sich nicht allzu große Hoffnung machen. „Sie ist praktisch einbruchsicher“, weiß Bernd Cordes. Der Sportleiter des Schützenvereins Haendorf ist nämlich der Herr der vereinseigenen Waffenkammer. Außer ihm selbst haben nur zwei weitere Vereinsmitglieder die Berechtigung, die Kammer, in der zahlreiche scharfe und auch Luftdruckwaffen lagern, zu öffnen. „Die Stahltür zur Waffenkammer hat eine Sechsfach-Verriegelung. Man müsste schon durch die Wand gehen. Aber unsere Wände sind spezielle, die enorm stabil sind. Zudem ist die Decke der Waffenkammer gegossen. Da sind zwei Betonstahlmatten drin. Sie ist komplett gesichert“, nimmt Cordes möglichen Dieben jegliche Hoffnung.

Asendorf – In der Kammer selbst befinden sich zwei – ebenfalls stark gesicherte – Waffenschränke. In dem einen lagern die Luftdruckgewehre und -Pistolen. In dem anderen nebenan die scharfen Waffen. „Die Schränke sind aus Stahl, haben ebenfalls eine Mehrfach-Verriegelung“, berichtet Cordes. Auch der Zugang zu den Waffenschränken ist reglementiert. Gerade einmal zehn der 250 Mitglieder haben einen Schlüssel für den Waffenschrank, in dem die insgesamt sechs Luftdruckgewehre und zehn Luftdruckpistolen lagern. „Für den Schrank, in dem die vier scharfen Pistolen und drei Gewehre des Kalibers 22 untergebracht sind, sind es aus Sicherheitsgründen nur drei Personen“, erklärt Cordes. Mehr scharfe Waffen zur Lagerung erlaubt der Landkreis Diepholz nicht. „Das liegt daran, dass das Gebäude des Schützenvereins alleinstehend ist“, weiß der Sportleiter: „Die Gefahr, dass nachts eingebrochen werden könnte, ist den Behörden zu groß. Wenn sich am Gebäude jedoch noch eine Wohnung befinden würde, dann dürften wir auch mehr scharfe Waffen lagern. Jedes Bundesland und jede Kommune hat da aber unterschiedliche Richtlinien. Die Bayern sehen es zum Beispiel nicht ganz so eng.“

In der Kammer lagern aber nicht nur gefährliche und scharfe Waffen, sondern auch eine Menge Munition. „Wir bewahren bestimmt 50 000 Schuss Luftdruckmunition, sogenannte Blei-Diabolos, auf. Beim Kaliber 22 sind es vielleicht 5 000. Das entspricht ungefähr unserem Jahresbedarf“, berichtet der Waffenexperte. Es gibt aber auch Mitglieder, die ihre Waffen und Munition in ihren eigenen Waffenschränken zu Hause verwahren. Aber nur die Hälfte der 70 Sportschützen im Verein schießt letztendlich auch mit scharfer Munition – der Rest mit Luftdruckwaffen.

Nur drei der rund 250 Vereinsmitglieder haben einen Schlüssel für den Waffenschrank, in dem die scharfen Pistolen und Gewehre aufbewahrt werden.

Bernd Cordes, Sportleiter des SV Haendorf

Die Waffenschränke im Schützenverein wie auch zu Hause unterliegen verschiedenen Schutzklassen-Zertifikaten. Je höher diese sind, desto mehr Waffen dürfen theoretisch gelagert werden. „Es gibt auch Mitglieder, die haben drei oder vier Kurzwaffen zu Hause. Sie brauchen für ihre Waffenschränke dementsprechend einen höheren Sicherheitsstatus“, erklärt Cordes: „Die Behörde kommt auch unangekündigt bei einem zu Hause vorbei und überprüft, ob der Schrank allen Sicherheitsstandards entspricht.“

Manche Vereinsmitglieder würden ihre Waffe auch lieber hier im Verein deponieren, denn ein Waffenschrank für zu Hause kostet gerne mal 700, 800 Euro. „Das ist aber leider nicht möglich“, sagt Cordes, „weil wir laut dem Landkreis nicht mehr als die sieben scharfen Waffen im Schützenverein lagern dürfen. Somit müssen einige Mitglieder notgedrungen ihre Waffen zu Hause einschließen.“ Von den 35 Sportschützen, die scharf schießen, bewahren gut zehn ihre Waffen in ihren eigenen vier Wänden auf. „Die Waffenschränke zu Hause haben dieselben Bestimmungen wie wir sie auch im Schützenverein haben“, berichtet Cordes: „Der einzige Unterschied ist, dass ich zu Hause nicht noch zusätzlich eine Waffenkammer mit Stahltür besitzen muss.“ So muss der hauseigene Waffenschrank nicht nur schwer genug sein, damit man ihn nicht einfach heraustransportieren kann, sondern er wird zusätzlich noch fest an die Wand angeschraubt. „Um einen Waffenschrank bei einer Privatperson aufzubauen, braucht es allein drei starke Männer. Wer so einen Schrank klauen will, der muss sich schon ganz schön ins Zeug legen“, schmunzelt der Sportleiter, der selbst zu Hause einen eigenen Waffenschrank besitzt: „Als Pistolenschütze habe ich bei mir zu Hause ausschließlich Kurzwaffen.“

Um als Sportschütze überhaupt in den Besitz einer Waffe zu gelangen, müssen Auflagen erfüllt werden. So muss man nicht nur 18 Jahre alt, sondern auch Mitglied in einem Schützenverein sein – und ein einjähriges erfolgreiches Training nachweisen. „Erfolgreich heißt in diesem Fall nicht, dass ich nach dem Jahr Europameister sein muss. Wenn ich bei zehn von 30 Versuchen die Scheibe getroffen habe und der Sportleiter nach einem Jahr bestätigt, dass ich nun 15-mal treffe, gilt das als erfolgreich“, erklärt der Experte: „Man muss also nicht unbedingt Spitzenergebnisse schießen.“

Wir bewahren in der Waffenkammer bestimmt 50 000 Schuss Luftdruckmunition auf, sogenannte Blei-Diabolos. Beim Kaliber 22 sind es vielleicht 5 000. 

Bernd Cordes

Hinzu komme ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis, ein Sachkundenachweis sowie ein waffenrechtliches Bedürfnis, wie es eben Sportschützen haben. „Der Vorsitzende muss anschließend unterschreiben, dass man ihm zutraut, diese Waffe zu besitzen“, erklärt Cordes: „Unser Vorsitzender unterschreibt aber nur unter einer Bedingung: Wenn der Schütze von mir oder meinem stellvertretenden Sportleiter das Okay bekommt, dass er vernünftig trainiert hat. Und ich der Meinung bin, dass er mit der Waffe keinen Blödsinn anstellt. Falls doch, sage ich unserem Vorsitzenden klipp und klar, dass er nicht unterschreiben soll. Das hat es bei uns im Verein auch schon gegeben.“

Sollten alle Bedingungen erfüllt sein, kann beim Landkreis ein Antrag auf eine sogenannte Waffenbesitzkarte gestellt werden. „Sie gestattet mir, dass ich eine Waffe legal kaufen und sie besitzen darf“, führt Cordes aus, der betont, dass Deutschland aufgrund der verheerenden Amokläufe der vergangenen Jahre mit die strengsten Auflagen in ganz Europa habe.

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