Vater Andreas sowie die Söhne Michael und Mark prägen den SC Twistringen

Schultalbers: „Der Fußball hat mir echt viel gegeben“

Drücken dem FC Schalke 04 die Daumen: Mark, Andreas und Michael Schultalbers (v.l.), die mit Fan-Schal auf weißen und blauen Bänken sitzen.
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Stilgerecht: Mark, Andreas und Michael Schultalbers (v.l.) sitzen als Schalke-Fans auf weißen und blauen Bänken. Bei Mark lässt sich seine Liebe auch deutlich am Oberarm erkennen – Bundesliga-Abstieg hin oder her.

Fußball verbindet und hält zusammen: Das trifft auf Andreas Schultalbers und seine beiden Söhne Michael und Mark zu. Das Trio hat mit dem SC Twistringen Erfolge gefeiert. Außerdem sind die Schultalbers eingefleischte Fans des FC Schalke 04.

Twistringen – Keine Frage, bei Familie Schultalbers dreht sich extrem viel um die Jagd nach dem runden Leder: Sowohl die Twistringer Torhüterlegende Andreas Schultalbers als auch seine drei Kinder Anja, Michael und Mark sind stark mit dem „Fußball-Virus“ infiziert. Einzig Angelika Schultalbers – die Ehefrau des 62-Jährigen – blieb hiervon mehr oder weniger „verschont“, doch ohne ihre Unterstützung wäre die SCT-Karriere von Andreas Schultalbers wohl nicht möglich gewesen.

Aber der Reihe nach: Für den Klassekeeper begann alles im Emsland – und zunächst stellte sich für Schultalbers eine ganz entscheidende Frage: Sollte er sich mehr auf Fußball oder Handball konzentrieren? Beide Sportarten beherrschte der Lehrer nämlich schon seit Kindesbeinen an überdurchschnittlich gut. Am Ende fiel die Wahl aufs Kicken, aber auch an seine Zeit als Kreisläufer denkt „Schulti“ gerne zurück: „Ich hatte echt Talent und habe einmal sogar dem legendären Gummersbacher „Hexer“ Andreas Thiel sechs Eier ins Nest gelegt. Mit Handball hätte ich wahrscheinlich ebenfalls etwas erreichen können.“

Gut möglich, doch so nahm seine Karriere als Fußball-Schlussmann rasant an Fahrt auf. Schon als Youngster genoss Schultalbers einen derart guten Ruf, dass er bereits mit 18 Jahren im Kasten des Verbandsligisten VfL Rütenbrock stand. Und gegen wen feierte der Pädagoge wohl sein Debüt? Nein, nicht gegen den SC Twistringen, aber fast. „Wir mussten gegen so ein kleines Dorf aus dem Diepholzer Kreis antreten, Mörsen-Scharrendorf. Der Name sagte mir damals gar nichts“, sagt Schultalbers mit einem Schmunzeln: „Das sollte sich später ändern. Mittlerweile wohne ich ja schon ewig in Mörsen.“

Zu diesem Zeitpunkt hingegen noch Zukunftsmusik. Erst einmal brillierte der 62-Jährige nicht nur beim 1:1-Einstand gegen Mörsen mit unfassbaren Reflexen. Im Gegenteil: Schultalbers avancierte zu einem der stärksten Verbandsliga-Torhüter und führte 1985 den VfL Herzlake als Meister fast in die dritthöchste Liga in Deutschland. Und es wäre gar noch mehr möglich gewesen. „Ich hatte mehrere Probetrainings bei Profivereinen und ein ziemlich konkretes Angebot von Fortuna Köln“, plaudert er aus dem Nähkästchen: „Aber das Risiko war mir zu hoch. Ich befand mich bereits im Referendariat, bin lieber auf Nummer sicher gegangen und habe mich für den Beruf des Lehrers in Syke entschieden.“

Wirklich bereut hat Andreas Schultalbers seinen Entschluss „zu keiner Zeit. Auch so hat mir der Fußball viel gegeben, und ansonsten wäre ich bestimmt nie in Twistringen gelandet.“

Womit die Ehefrau von Schultalbers ins Spiel kommt. Nach der Geburt der Zwillinge Anja und Michael wollte es „Schulti“ eigentlich ruhiger angehen lassen und stand nur noch für die Hobbytruppe von „Oldies 85“ im Tor. „Doch dann bin ich 1990 bei einem Schulturnier in Syke mit meinem Lehrerkollegen Jürgen Wessel ins Gespräch gekommen“, erinnert sich Schultalbers: „Mine war gerade Trainer in Twistringen geworden und suchte händeringend einen Keeper. Zuerst wollte ich gar nicht unbedingt, aber Angelika hat mich überredet. Sie meinte, regelmäßige Bewegung könnte mir ja nicht schaden.“ Natürlich erzählt der 62-Jährige diese Anekdote mit einem Augenzwinkern.

Auf Sicht möchte ich gerne in der ersten Reihe stehen – natürlich am liebsten beim SCT. Das ist ja mein Verein.

Michael Schultalbers

Schließlich wurde aus dem „Zugezogenen“ im Laufe der Zeit eine echte „Blaumeise“. Erst reihte er als unangefochtene Nummer eins des SCT Erfolg an Erfolg – und nach seinem Karriereende startete Andreas Schultalbers auch als Twistringer Coach voll durch. Noch vor einigen Jahren sprang er für den geschassten Stefan Müller als Aushilfe ein und bewahrte den SCT vor dem Bezirksliga-Abstieg.

Noch lieber blickt „Schulti“ indes ins Jahr 2004 zurück: „Das war eine sensationelle Landesliga-Saison. Leider mussten wir als Meister ein Aufstiegsspiel machen und sind dort im Elferschießen am VfL Oldenburg gescheitert. Doch schon der Titelgewinn war eine absolute Sensation.“

Man merkt: Aus der Liaison zwischen Schultalbers und Twistringen wurde eine echte Liebesbeziehung, die sich auch auf seine Kinder übertrug.

Zwar blieb der 33-jährigen Tochter Anja in Ermangelung einer Frauenmannschaft die ganz große SCT-Karriere verwehrt, aber in der Jugend kickte sie an der Seite von Zwillingsbruder Michael bei den Jungen und avancierte danach beim TuS Sulingen in der Landesliga zur Leistungsträgerin.

Ihre Brüder verbindet noch deutlich mehr mit den „Blaumeisen“. Wobei Michael keinesfalls in die Fußstapfen seines Vaters treten wollte. „Zum Schlussmann fehlte mir schlichtweg das Talent“, sagt der Versicherungskaufmann mit einem Lachen: „Ich war in der Jugend ein ganz passabler Stürmer, aber auch nicht herausragend. Ich habe schnell gemerkt, dass mich das Traineramt deutlich mehr reizt.“

Und auf dieser Position könnte dem 33-Jährigen durchaus noch eine erfolgreiche Laufbahn bevorstehen. Schließlich bildet „Schulti 2“ zusammen mit Chefcoach Uwe Küpker in Twistringen ein erfolgreiches Duo. „Es lief bis zum Corona-Abbruch richtig gut, und Uwe und ich harmonieren toll zusammen“, stellt Michael Schultalbers zufrieden fest – könnte sich in Zukunft jedoch auch eine Position als Cheftrainer vorstellen: „Das ist schon mein Ziel. Auf Sicht möchte ich gerne in der ersten Reihe stehen. Natürlich am liebsten beim SCT. Das ist ja mein Verein.“

Aber manchmal gilt der Prophet im eigenen Land halt nicht so viel. Zumindest auf das jüngste Mitglied der Schultalbers-Familie trifft dies zu. Denn: Mark Schultalbers rückte zwar eher zufällig ins Tor („Bis zur D-Jugend war ich Stürmer. Erst als sich unser damaliger Stammkeeper verletzte, habe ich mich in den Kasten gestellt“), doch offenbar hatte er die Keeper-Gene seines Vaters in die Wiege gelegt bekommen. In der B-Jugend hätte der 26-Jährige nach erfolgreichem Probetraining sogar zu Hannover 96 wechseln können, wollte indes sein privates und schulisches Umfeld nicht verlassen.

Stattdessen reifte er unter Anleitung seines Vaters zu einem der besten Torhüter des Kreises heran und hütete für die Twistringer Erste das SCT-Gehäuse.

Aber laut Schultalbers senior stand ihm bei den „Blaumeisen“ sein Name im Weg: „Mark wurde ständig mit mir verglichen und viel zu kritisch beäugt. Dabei hat er richtig viel Talent.“

Was der Bankkaufmann auch mittlerweile beim TuS Frisia Goldenstedt eindrucksvoll unter Beweis stellt und sich über den Tapetenwechsel auch „kein Stück grämt. Twistringen ist mein Heimatverein, und für den SCT werde ich bestimmt später in der Alten Herren wieder kicken. Aber in Goldenstedt fühle ich mich derzeit pudelwohl. Es passt also.“

Goldenstedt? Da war doch was. Richtig, hier erlebte Andreas Schultalbers ebenfalls noch einiges. Vor zehn Jahren fehlte der dortigen Oldie-Truppe ein Torwart – und „Schulti“ ließ sich tatsächlich breitschlagen. Keine so schlechte Entscheidung, da sich Goldenstedt vor zwei Jahren im Ü 50-Bereich für die Endrunde der Deutschen Meisterschaft qualifizierte und Schultalbers gar zum besten Torwart des Turniers gewählt wurde. In der an Highlights gewiss nicht armen Karriere des 62-Jährigen ein weiterer Höhepunkt: „Das war genial. Wir durften im Berliner Olympiastadion kicken, wurden vom DFB in einem Vier-Sterne-Hotel einquartiert und hatten dort ein Galadinner mit einem tollen Showprogramm. Ein unvergessliches Ereignis. Der Fußball hat mir echt viel gegeben.“

Und deshalb wird „Katze“ Schultalbers wohl auch in Zukunft das Mausen nicht ganz lassen können – wenn Ehefrau Angelika es zulässt. Aber davon geht der topfitte Routinier aus: „Sie hat ja schon 1990 gesagt, dass mir Bewegung nicht schadet . . .“

Steckbrief

Name: Andreas Schultalbers

Alter: 62 Jahre

Wohnort: Mörsen

Beruf: Lehrer

Vereine (als Spieler:) BW Dörpen, TuS Haren, VfL Rütenbrock, VfL Herzlake, Bremen 1860, Oldies 85, SC Twistringen, TuS Frisia Goldenstedt - als Trainer: SC Twistringen, SV Mörsen-Scharrendorf, SG Diepholz.

Größter Erfolg als Spieler: Verbandsliga-Meister 1985 mit Herzlake.

Größter Erfolg als Trainer: Landesliga-Meister 2004 mit Twistringen.

Privates: Verheiratet, drei Kinder.

Steckbrief

Name: Michael Schultalbers

Ater: 33

Wohnort: Twistringen

Beruf: Versicherungskaufmann

Vereine als Spieler: SC Twistringen, SV Mörsen-Scharrendorf, TuS Hellwege, TSV Drentwede.

Vereine als Trainer: TSV Drentwede, SC Twistringen.

Größter Erfolg als Spieler: Meister in der 2. Kreisklasse mit Hellwege.

Größter Erfolg als Trainer: Klassenerhalt mit Twistringen 2016.

Privates: Verheiratet, eine Tochter.

Steckbrief

Name: Mark Schultalbers

Alter: 26

Wohnort: Twistringen

Beruf: Bankkaufmann

Vereine: SC Twistringen, TSV Bassum, SV Mörsen-Scharrendorf, TuS Frisia Goldenstedt.

Größter Erfolg: Bezirkspokal-Halbfinale mit Twistringen. Bezirksliga-Klassenerhalt 2016 mit Twistringen.

Privates: Ledig.

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