Okels Rico Volkmann: Spielgestalter und „Schließer“

„Der Amateursport ist die Basis“

Als Justizvollzugsbeamter bereits geimpft: Okels spielender Co-Trainer Rico Volkmann (li.), der sich mit Sportredakteur Julian Diekmann zum „Zollstock-Gespräch“ getroffen hat.
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Als Justizvollzugsbeamter bereits geimpft: Okels spielender Co-Trainer Rico Volkmann (li.), der sich mit Sportredakteur Julian Diekmann zum „Zollstock-Gespräch“ getroffen hat.

Okel – Rico Volkmann ist im Stress. Der spielende Co-Trainer des Fußball-Bezirksligisten TSV Okel ist auf der Suche nach einem neuen Chefcoach für seine Herrenmannschaft. Der Justizvollzugsbeamte hofft, dass die Suche Ende der Woche abgeschlossen ist. Die Verhandlungen mit dem Wunschkandidaten stehen laut dem 29-Jährigen kurz vor der Finalisierung. Lediglich „Kleinigkeiten“ seien noch zu regeln. Zudem soll der potenziell zukünftige Teamchef zurzeit noch bei einem anderen Club in Diensten stehen. Trotz des Stresses nahm sich Volkmann die Zeit für ein „Zollstock-Gespräch“. Darin erklärt er, wie es mit dem Impfen in der Justizvollzugsanstalt Oslebshausen vorangeht – und warum die Sehnsucht nach Fußball bei ihm größer denn je ist.

Steckbrief

Name: Rico Volkmann

Alter: 29 Jahre

Wohnort: Okel

Beruf: Justizvollzugsbeamter in Bremen-Oslebshausen

Größter sportlicher Erfolg: Bezirksliga-Aufstieg mit dem TSV Okel; Landesliga-Austieg mit den B-Junioren des TSV Bassum

Verein: TSV Okel

Privates: ledig, keine Kinder

Über ein Jahr Corona-Maßnahmen: Was war für Sie richtig, was falsch? Welche derzeitigen Einschränkungen halten Sie für übertrieben?

Am Anfang wurde erst mal der vorsichtige Weg eingeschlagen, weil die Erfahrungswerte fehlten. Auf Dauer ist es aber der falsche Weg, die Leute einzusperren, von Lockdown zu Lockdown zu gehen. Was gut ist, ist, dass die Kids unter 14 Jahren wieder Fußballspielen dürfen, zumindest so lange der Inzidenzwert unter 100 liegt. Ich denke aber, dass es zu einfach ist, nur auf die reine Inzidenz zu schauen. Für mich spielen auch andere Faktoren eine Rolle, wie zum Beispiel die Belegungszahlen einer Intensivstation oder die Krankenhausauslastung im Allgemeinen. Auch eine nächtliche Ausgangssperre bräuchte es meines Erachtens nicht. Ich glaube nicht, dass der Aufwand einer Ausgangssperre im Verhältnis zum Nutzen steht.

Was ist Ihr nächstes/neues Corona-Projekt? Und was haben Sie bisher schon umgesetzt/in Angriff genommen?

Ich bin in der Coronazeit etwas gemütlicher geworden. Ich habe jetzt nichts Spezielles in Angriff genommen oder in Zukunft auf dem Plan. Zumal ich gerade auch intensiv mit der Trainersuche beim TSV Okel beschäftigt bin. Und das nimmt schon einige Zeit in Anspruch. Es ist sozusagen mein Corona-Projekt, einen geeigneten Cheftrainer für die Erstherren zu finden.

Welcher ist Ihr Lieblingsort, um Kraft zu tanken?

Ganz klar Okel. Da bin ich doch sehr heimatverbunden. Meistens spaziere ich dann durch den Ort oder durch die anliegenden Wälder, um zur Ruhe zu kommen.

Kein Training, keine Wettkämpfe, vielleicht andere Hobbys: Wie sehr beschäftigen Sie sich in der Coronazeit damit, weniger leistungsorientierten Sport zu treiben oder gar ganz damit aufzuhören? Oder ist die Lust aktueller denn je?

Die Lust ist eindeutig größer denn je. Ich bin viel mit meinen Kumpels unterwegs. Besonders im Sportzentrum Dassberg in Dreye. Dort spielen wir dann Squash, Tennis oder Badminton. Ich verspüre riesengroße Lust, mich zu bewegen, Sport zu treiben und auch leistungsorientiert wieder etwas zu machen. Wir haben zwar zig Lauf-Challenges in der Mannschaft, aber ich bin jetzt nicht unbedingt der Läufertyp. Ich habe natürlich mitgemacht. Aber Tennis, Squash und Badmition gefallen mir deutlich besser.

Selbsttests und/oder Schnelltests: Würden Sie diese regelmäßig in Kauf nehmen, um wieder trainieren zu können?

Ich denke schon, dass es ein Weg wäre, um wieder auf die Trainingsschiene zu kommen. Es muss natürlich bezahlbar sein. Entweder für einen selbst oder für die Vereine. Grundsätzlich ist es eine gute Möglichkeit, um eine gewisse Sicherheit zu bieten.

Buch, Serie oder Film – was haben Sie zuletzt gelesen oder geschaut?

Ich bin gerade dabei, mir die Serie „House of Cards“ anzuschauen. Sie ist sehr, sehr spannend, hat mich auf jeden Fall in den Bann gerissen.

Arbeiten im Homeoffice – angenehme Abwechslung oder Belastung?

Leider kein Homeoffice. Ich würde es mir aber schon gerne mal ab und zu wünschen, ein oder zwei Tage in der Woche im Homeoffice zu arbeiten, sich die Zeit selbst einzuteilen. Aber in meinem Job als Justizvollzugsbeamter ist Homeoffice eben nicht möglich. Ich gehe auch seit Corona jeden Tag zur Arbeit. Ich bin in der Sportabteilung der Justizvollzugsanstalt Oslebshausen tätig. Die Gefangenen dürfen zwar uneingeschränkt Sport treiben, sind aber auf ihre Stationen reduziert, dürfen also nicht mit anderen Abteilungen zusammenkommen.

Corona-Impfung: Ja oder Nein?

Ganz klar: Ja. Ich habe meine Impfung bereits am 26. April erhalten, habe Biontech bekommen und sie ohne Probleme vertragen. Impfen ist der entscheidende Weg aus der Pandemie heraus. Ich habe keine Vorbehalte gegen das Impfen. Für mich gab es da keine Überlegung. Ich würde jedem empfehlen, sich impfen zu lassen. Auch die Insassen nehmen das Thema Impfen grundsätzlich positiv auf. Auch die Mehrzahl der Kollegen hat sich jetzt impfen lassen, ich hatte das Glück einer der Ersten zu sein. Ich hoffe, dass in sechs bis acht Wochen der Großteil der Kollegen und Insassen geimpft ist.

Stadion, Konzert, Theater, Urlaub – oder Ähnliches: Was machen Sie zuerst, wenn es wieder erlaubt ist?

Mit meinen Freunden wieder ins Stadion gehen – am liebsten eine Auswärtsfahrt. Darauf freue ich mich am meisten. Ich hoffe nur, dass der glorreiche SV Werder Bremen dann auch noch Erstligist sein wird. Und ich würde natürlich auch gerne mal wieder mit meiner Freundin in den Urlaub fahren.

Trotz fast 25 Millionen Mitgliedern in Deutschland: Der Vereinssport wird in den Bund-Länder-Treffen kaum thematisiert – kommt der Breitensport Ihrer Meinung nach zu kurz in der öffentlichen Betrachtung; gerade im Vergleich mit dem Profifußball?

Ja, auf jeden Fall. Wenn man sieht, welche Privilegien der Profifußball genießt und sich daneben den Breitensport und Amateurfußball anschaut, dann zeigt sich, dass die beiden letztgenannten kaum Wertschätzung erfahren. Dabei ist der Amateursport die Basis. Es geht überhaupt nicht in die richtige Richtung. Man weiß ja auch überhaupt nicht, wie und wann es weitergeht. Das ist schon sehr niederschmetternd. Natürlich ist es schön, am Wochenende die Profis spielen zu sehen, aber ich würde auch gerne wieder kicken.

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