Sven Schröder und die schwierige Planung der Leichtathletik-DM / Vorfreude auf Mihambo

Das „Wunder“ von Braunschweig

Ausnahmsweise mal nicht kurzärmlig: Sven Schröder steht vor dem „Haus der Leichtathletik“ in Darmstadt: Hier arbeitet der Asendorfer seit 2015 als „Projektmanager Wettkämpfe“.
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Ausnahmsweise mal nicht kurzärmlig: Sven Schröder steht vor dem „Haus der Leichtathletik“ in Darmstadt: Hier arbeitet der Asendorfer seit 2015 als „Projektmanager Wettkämpfe“.

Darmstadt/Asendorf – Das Gebäude an der Alsfelder Straße 27 in Darmstadt ist quasi ein XL-Glaskasten. Ins sogenannte „Haus der Leichtathletik“ kommt viel Licht rein. Und Sonne. Da kann es im Sommer ganz schön warm werden. Doch Sven Schröder, der nur etwa drei Kilometer entfernt wohnt und meistens mit dem Fahrrad zur Arbeit kommt, hat in dieser Hinsicht Glück. Sein Büro, Zimmer 3, liegt im Erdgeschoss. „Da ist es etwas schattiger und lässt sich gut aushalten“, sagt der 32-Jährige mit einem Schmunzeln. Ein bisschen ins Schwitzen ist er in den zurückliegenden Monaten trotzdem geraten, denn es gab reichlich zu tun. Der Speerwerfer vom TSV Asendorf ist in der Geschäftsstelle des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) einer der „Projektmanager Wettkämpfe“ und war vor allem als Organisationstalent gefragt. Wegen der Corona-Pandemie fielen etliche DLV-Events aus. Und die, die nun doch über die Bühne gehen können, müssen angesichts strenger Hygienevorschriften besonders sorgfältig geplant werden – etwa die Deutschen Meisterschaften in Braunschweig am 8. und 9. August.

„Dass wir es überhaupt hinbekommen haben, ist schon ein Wunder“, meint Schröder und fügt an: „Vor zwei Monaten habe ich noch gedacht: In diesem Jahr findet gar nichts mehr statt.“ Der Lockdown hatte auch die Leichtathletik mit voller Wucht erwischt. Kein Training, keine Wettkämpfe ��� so sah es viele Wochen aus. Und wann es besser werden würde, war lange nicht abzusehen. Doch dann kamen die Lockerungen – und beim DLV keimte allmählich Hoffnung auf, doch noch die eine oder andere Deutsche Meisterschaft ausrichten zu können.

Vier sind es letztlich geworden: neben der DM in Braunschweig noch die Mehrkampfmeisterschaften in Vaterstetten (21. bis 23. August), die U 16-Mehrkampfmeisterschaften in Halle/Saale (29./30. August) und die Jugendmeisterschaften U 20/U 18 in Heilbronn (4. bis 6. September). „Wir haben damit für alle Altersklassen mindestens eine Meisterschaft im Angebot“, sagt Schröder. Alle anderen DLV-Freiluft-Wettkämpfe, nach Angaben des Asendorfers „um die 25“, mussten dagegen abgesagt werden. Sie seien – vor allem wegen der umfangreichen Vorarbeiten – nicht umsetzbar gewesen. „Wir hätten immer neue Konzepte erstellen und bei den ausrichtenden Städten einreichen müssen“, betont Schröder: „Das war einfach nicht zu machen.“

Wie umfangreich die Organisation einer einzigen Meisterschaft ist, erklärt der 32-Jährige anhand der Deutschen Meisterschaft. Seine Abteilung habe ein 45-seitiges Hygienekonzept („sehr ausgeklügelt“) erarbeitet, der Stadt Braunschweig vorgelegt und „relativ schnell das Go bekommen“. Wichtig sei, bei der Planung stets flexibel zu sein, „weil in der aktuellen Zeit jeden Tag etwas Neues passieren kann. Anders als bisher konnten wir keine Schemata verwenden, sondern standen bei der Organisation bei Null. Da braucht man außergewöhnliche Ideen.“

Um den nötigen Abstand zu wahren, soll bei der DM nur jede zweite Laufbahn besetzt sein. In den technischen Disziplinen müssen die Athleten mindestens 1,50 Meter voneinander entfernt stehen. Die Kampfrichter brauchen Einweg-Desinfektionstücher – das sind nur ein paar der Vorgaben, die es zu erfüllen gilt. Zudem gibt es keine Interviewzonen. „Da überlegen wir noch, wie wir das am besten lösen“, sagt Schröder.

Insgesamt dürfen maximal 1 000 Personen gleichzeitig auf dem Veranstaltungsgelände sein, wegen der hohen Sportleranzahl sind Zuschauer nicht erlaubt. „Wenn wir nur einige reinlassen, müssten wir aussortieren. Und das wäre nicht fair“, findet Schröder. Wer eine Karte gekauft hat, kann diese jedoch im nächsten Jahr benutzen – dann sind die „Deutschen“ erneut in Braunschweig. Bewegte Bilder von der aktuellen DM gibt es im Fernsehen. Schröder: „Zum Glück haben wir einiges an Livezeit bei ARD und ZDF, das ist essenziell für unsere Sportart.“

Enorm froh ist Schröder, dass Weitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihambo (LG Kurpfalz) einen Start in Braunschweig plant. „Sie ist ein Super-Zugpferd“, sagt er über die 26-Jährige, die eigentlich vorhatte, in Texas (USA) bei Leichtathletik-Legende Carl Lewis (58) zu trainieren. Corona machte ihr dann aber einen Strich durch die Rechnung. Mihambo bleibt nun vorerst in Deutschland.

Bei der DM wird sie dann sicher auch vor den TV-Mikrofonen auftauchen – und da kommen dann indirekt wieder Schröder und Kollegen, die auch für die Zeitplanung zuständig sind, ins Spiel. Das sei manchmal ganz schön hektisch, betont er: „Wenn wir nur noch 30 Sekunden haben, bis das Fernsehen seine Übertragung beendet, soll ein Sieger gefeiert werden und möglichst auch noch zwei, drei Sätze sagen.“ Um stets „in time“ zu bleiben, „muss man die Leichtathletik lesen können“.

Von Malte Rehnert

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