SPIELER DES WOCHENENDES Brockums Nils Unger

Das Kopfball-„Unge(r)heuer“

Da droht Ungemach: Hier kam Nils Unger nicht an Arndt Egelriede (l.) vorbei. Ansonsten mischte der Vierfach-Torschütze Eydelstedts Abwehr aber ordentlich auf.
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Da droht Ungemach: Hier kam Nils Unger nicht an Arndt Egelriede (l.) vorbei. Ansonsten mischte der Vierfach-Torschütze Eydelstedts Abwehr aber ordentlich auf.

Brockum – Seit Sonntag hört Nils Unger sogar auf den Kosenamen „Kopfball-Ungeheuer“. Jedenfalls drehte er sich grinsend um, als er vom Platz des SV „Jura“ Eydelstedt stapfte und hinter sich diesen Ruf vernahm. Fünf Treffer „mit Köpfchen“ in nur vier Tagen für den 1,68-Meter-Mann vom TSV Brockum zeigten also Wirkung. Zweimal hatte der 34-Jährige am Donnerstagabend beim 4:1 gegen den TuS St. Hülfe-Heede „eingeschädelt“, dreimal beim 5:4-Sieg in Eydelstedt, was dem TSV die Meisterrunde einbrachte. „Im Moment habe ich mit dem Kopf anscheinend ein gutes Gefühl“, mutmaßt der Spielmacher des Zweiten der Kreisliga Süd. So erklärt er sich jedenfalls, dass er sein 4:4 auch per Fuß hätte erzielen können, stattdessen das Haupt aber lieber entscheidend senkte.

„Drei Kopfballtore in einem Spiel? Tja, vielleicht ist sein linker Fuß nicht mehr der stärkste“, witzelt David Schiavone, Ungers früherer Mitspieler aus gemeinsamen Landesliga-Zeiten mit der SG Diepholz. Doch da irrt der heutige Trainer des TuS Lemförde: Den ersten seiner vier Treffer erzielte Unger fein mit links. „Vielleicht weiß David ja, dass ich links zurzeit meine Probleme habe“, entgegnet der Routinier, der seit Wochen mit einer Innenbanddehnung im Knie spielt. „Aber inzwischen weiß ich damit umzugehen – und wie ich mich tapen muss.“

Torjägerkrone in Kreisliga gesichert

Die Folge nach der nun beendeten Vorrunde: 16 Treffer und die Torjägerkanone – auch übergreifend mit Blick auf die Nordstaffel. Zum x-ten Mal in seiner Karriere staunt die Konkurrenz über den Zehner, der nach wie vor aus allen Lagen trifft und nicht zu altern scheint. „Na ja, mittlerweile merke ich meine Knochen schon mehr als früher“, gesteht der Vater dreier Kinder.

Doch seine Gefahr aus Landes- und Bezirksliga-Zeiten mit der SG Diepholz, dem VfL Oythe und dem TSV Wetschen hat der Mittelfeldmann konserviert. Er könnte sicher noch höherklassig knipsen, will es aber nicht. Denn Brockum ist eine Herzensangelegenheit für ihn, „mein Heimatverein“, wie er mehrfach sagt. Zu ihm kehrte er vor zwei Jahren vom TSV Wetschen zurück, als spielender Co-Trainer. Ab der neuen Serie beerbt er Coach Paulo Albuquerque – „aber als Spielertrainer, denn es macht mir auf dem Platz immer noch großen Spaß.“

Man sieht‘s. Doch wie schafft er es, sich bei Kopfbällen wie am Sonntag gegen Verteidiger durchzusetzen, die ihn deutlich überragen? „Das macht vielleicht ein bisschen die Erfahrung. In meinem Alter weiß man, wohin der Ball fliegen könnte.“ Dahin schiebt er sich.

Vorfreude aufs Spielertrainer-Amt

Eydelstedts Trainer Stefan Müller brachte dies eine Portion Häme ein. „Danke, dass Du Nils so das Köpfen beigebracht hast“, zog ihn ein Brockumer nach dem Abpfiff auf. Müller lachte. Zu gern erinnerte er sich an die sechs gemeinsamen Jahre – zunächst die vier bei der SG Diepholz. Dorthin hatte er Unger aus Brockums A-Jugend gelotst, bis 2011 reifte der Techniker an der Hunte zum Ausnahmespieler, ehe er über Oythe nach Wetschen weiterzog. „Auch meine Jungs hier wissen, wie gut Nils ist. Dass wir dann hinten so mit ihm umgehen, ist einfach fahrlässig“, grummelte der Jura-Coach.

Stefan Müller „mein Lieblingstrainer und Vorbild“

„Ja, Kopfballtraining hatten wir bei Stefan in Diepholz und später in den zwei Jahren beim TSV Wetschen genug“, bestätigt der Hüder. Doch aus Müllers Schule ist noch viel mehr bei ihm hängen geblieben: „Stefan ist mein Lieblingstrainer – und mein Vorbild“, sagt Brockums angehender Chefcoach: „Er hat nicht nur ein gutes Training angeboten, sondern war auch immer top über alle Gegner informiert. Das will ich auch versuchen. Gerade für Abwehrspieler ist es wichtig zu wissen, ob der eine oder andere im Angriff Links- oder Rechtsfuß ist.“

Inzwischen weiß ich damit umzugehen – und wie ich mich tapen muss.

Nils Unger über sein „Rezept“, trotz einer Innenbanddehnung im Knie permanent zu knipsen

Zurzeit arbeitet Unger noch an seiner B-Lizenz, im März will er diesen nächsten Trainerschein in der Tasche haben. Die bis zu achttägigen Blockunterrichte in der Sportschule Barsinghausen, aber auch Corona-bedingten Online-Schulungen schlauchten ganz schön. Hinzu kam der Spagat zwischen Hobby, Familie und Beruf des Diplom-Kaufmanns: „Ich hatte es mir einfacher vorgestellt – aber jetzt hoffe ich, dass bis zu meiner Amtsübernahme alles fertig ist.“

Und wer weiß – vielleicht spielt Brockum dann ja im Bezirk? Da bleibt Unger wie immer bodenständig: „Ich sehe uns in der Aufstiegsrunde als Außenseiter. Aber wir steigen schon mal nicht ab – das gibt Planungssicherheit. Wir haben einen tollen Kader mit vielen jungen Leuten – und können eventuellen Neuzugängen schon jetzt eine Perspektive bieten.“

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