NEUE SERIE: WAS MACHT EIGENTLICH . . . ? Rolf Diephaus

„Das ganze Dorf tobte“

Mit dem TuS Syke verbindet Rolf Diephaus viele schöne Jahre. Und erfolgreich waren sie auch, denn das Team wurde unter anderem 1994 bei der Wahl zur Mannschaft des Jahres im Kreis Diepholz auf Platz drei gewählt.
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Mit dem TuS Syke verbindet Rolf Diephaus viele schöne Jahre. Und erfolgreich waren sie auch, denn das Team wurde unter anderem 1994 bei der Wahl zur Mannschaft des Jahres im Kreis Diepholz auf Platz drei gewählt.
  • Carsten Drösemeyer
    vonCarsten Drösemeyer
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Syke – Was macht eigentlich Rolf Diephaus? Der 64-Jährige dürfte im Diepholzer Fußballkreis immer noch bekannt sein wie ein bunter Hund. Diverse Stationen durchlief der pensionierte Postbeamte als Spieler, Trainer oder Funktionär – und hinterließ überall seine Spuren. Grund genug, um mit ihm im folgenden Gespräch die letzten vier Jahrzehnte Revue passieren zu lassen. Darin gab es große Siege, aber auch einen überraschenden (wenn auch nur vorübergehenden) Rückzug. Und natürlich verrät Diephaus auch, warum er mit der heutigen Fußballergeneration nicht mehr viel anfangen kann („die ständige Schauspielerei nervt“) – und was er mittlerweile viel lieber macht, als an der Seitenlinie zu stehen.

Herr Diephaus, wo treffen wir Sie gerade an?

Ich erhole mich in meiner Syker Wohnung von den Strapazen mit Werder. Mein Lieblingsclub hat uns Fans diesmal ja bis zum Schluss leiden lassen.

Am Ende ging es aber ja gut. Wie beurteilen Sie als langjähriger Trainer denn die Arbeit von SVW-Coach Florian Kohfeldt?

Ein ganz junger Kerl wie Kohfeldt hat natürlich auch Fehler gemacht. Aber ich finde es gut, dass Werder weiterhin an ihm festhält. Schließlich ist er durch ein Stahlbad gegangen und wird aus dieser Saison wichtige Lehren gezogen haben.

Kommen wir zu Ihrer eigenen Karriere. Als Jugendlicher haben Sie nur für Twistringen gekickt?

Das stimmt. Zum Schluss dann in der A-Jugend-Verbandsliga sogar als Mittelstürmer.

Auch danach blieben Sie im Herren-Bereich erst einmal den „Blaumeisen“ treu . . .

Genau. Allerdings zumeist im Reserveteam in der Bezirksklasse. Für die Erste in der Verbandsliga reichte es nur zu Kurzeinsätzen. Dort stand mir einfach eine Granate wie Heinz Wilkens im Weg.

Deshalb also der Wechsel 1978 zum Bezirksoberligisten nach Mörsen?

Richtig. Ich wollte einfach mal in einer ersten Mannschaft spielen. Allerdings gab das in der damaligen Twistringer Diskothek „Sir George“ viele Sprüche. Ein Wechsel von Twistringen zum Erzrivalen nach Mörsen galt in der Zeit noch als Hochverrat (lacht).

Es folgten Stationen wie Nordwohlde, Gödestorf, Barrien und Neubruchhausen. Sie sind ziemlich rumgekommen im Kreis . . .

Und überall hat es viel Spaß gemacht. In Gödestorf, Barrien und Neubruchhausen war ich dann ja auch schon Spielertrainer und habe erste Erfahrungen als Coach gesammelt.

Wie auch 1990, wo sie beim TuS Syke Gerd „Zico“ Reimers beerbten . . .

Da war ich sogar fast nur noch Trainer. Die Knochen spielten nicht mehr so mit.

Trotzdem langte es für einen unter Sykern immer noch legendären Treffer.

(lacht) Ja, das 1:1 in Wetschen. Da habe ich mich kurz vor Schluss eingewechselt und mit einem Flugkopfball noch den Ausgleich erzielt. Praktisch mit dem Abpfiff. Unvergesslich.

Was ist Ihnen aus Ihrer Zeit als Syker Trainer noch in Erinnerung geblieben?

Sehr viel. Es war ja meine wohl erfolgreichste Station. Es hat wirklich riesigen Spaß gemacht, da wir eine richtig tolle Truppe hatten. Neben talentierten Jugendlichen wie Hanjo Steinkampf, Holger Surm, Sven Sakulowski oder Andreas Söder standen noch abgezockte Knipser wie Jürgen Schacke und Karsten Meyer im Kader. Am Ende sind wir mehrmals nur ganz knapp am Aufstieg in die Bezirksliga vorbeigeschrammt.

Warum zogen Sie dann 1996 die Reißleine?

Ich war zu dem Zeitpunkt einfach komplett ausgebrannt und brauchte eine Pause. So konnte ich der Mannschaft nicht mehr helfen.

Zwei Jahre später war der Akku dann wieder aufgeladen?

Ja, da fragte Marhorst nach, und die drei Jahre in der Bezirksklasse dort habe ich auch nie bereut. Zumal es gleich im ersten Spiel ein richtiges Highlight zu feiern gab.

Immer heraus damit . . .

Wir mussten ausgerechnet gegen meinen langjährigen Verein TuS Syke ran und haben als krasser Außenseiter 2:1 gewonnen. Das ganze Dorf tobte. Aber ich habe mich als Ex-Syker dann doch mehr innerlich gefreut (schmunzelt).

Marhorst war aber immer noch nicht Ihre letzte Trainerstation . . .

Nein. Ich hatte anschließend noch ein schönes Jahr in Nordwohlde, und dann war Schluss. Schließlich hatte ich mir immer vorgenommen, mit über 55 Jahren nicht mehr an der Seitenlinie zu stehen – und das habe ich letztlich dann auch eingehalten.

Ganz loslassen konnten Sie vom Fußball aber wohl doch noch nicht. Oder warum sind Sie später kurzzeitig als Sportdirektor beim TuS Syke eingestiegen?

Das war mehr ein Freundschaftsdienst. Das Kind war damals beim TuS schon längst in den Brunnen gefallen. Eigentlich war das vergeudete Zeit (seufzt).

Es ging in der Folgezeit bis in die 2. Kreisklasse runter. Wie ist aus Ihrer Sicht dieser Absturz zu erklären?

Ach, es sind so viele unterschiedliche Fehler gemacht worden. Den Trainern ist von außen ständig reingelabert worden, und die zuvor tolle Jugendarbeit wurde sträflich vernachlässigt. Wenn ich länger nachdenke, dann fallen mir 1 000 andere Dinge ein.

Also waren es letztlich hausgemachte Leiden beim TuS?

Natürlich. Und das tut besonders weh. Ein Traditionsverein wie Syke gehört doch nicht in die 2. Kreisklasse. Aber für die nächsten Jahre mache ich mir kaum Hoffnung, dass es deutlich besser wird. Obwohl ja zumindest wieder mehr auf die Jugend gesetzt wird.

Vielleicht sollten Sie doch noch einmal auf der Syker Trainerbank Platz nehmen . . .

Nein, die Zeit ist vorbei. Das ist auch nicht mehr mein Fußball. Diese ständige Schauspielerei nervt mich. Früher gab es weitaus mehr Persönlichkeiten, und der Sport stand im Vordergrund. Da spiele ich lieber mit meinen Enkelkindern Tilly und Lona (lächelt).

Können Sie als langjähriger Coach wenigstens Ihren heutigen Trainerkollegen noch einen Rat mit auf den Weg geben?

Einfach mehr aufs Bauchgefühl hören und nicht nur auf den Laptop starren (schmunzelt). Außerdem sollten Trainer im Idealfall aus dem Jugendbereich kommen. Einfach nur in Barsinghausen den Schein machen und dann loslegen, halte ich für falsch.

Zur Person: Name: Rolf Diephaus Alter: 64 Wohnort: Syke

Beruf: Pensionierter Postbeamter

Größter sportlicher Erfolg (als Spieler): Mit dem SC Twistringen in der A-Jugend-Verbandsliga gespielt

Größter sportlicher Erfolg als Trainer: 2000 mit dem SV Marhorst den Klassenerhalt in der Bezirksklasse geschafft

Vereine: SC Twistringen, SV Mörsen-Scharrendorf, TVE Nordwohlde, TuS Syke (alle als Spieler); TSG Osterholz-Gödestorf, TSV Neubruchhausen, TSV Barrien (alle als Spielertrainer); TuS  Syke, SV Marhorst, TVE Nordwohlde (alle als Trainer)

Privates: Verheiratet mit Mechthild; Tochter Anica ist 37 Jahre alt  töb

Zur Info: Neue Serie: Zu ihren besten Zeiten waren diese Sportlerinnen, Sportler, Trainer oder Funktionäre im Kreis Diepholz in aller Munde und tauchten natürlich auch regelmäßig in der Zeitung auf. Aber was ist aus ihnen nach dem Ende ihrer aktiven Zeit geworden? In unserer neuen Serie „Was macht eigentlich . . .?“ wollen wir Ihnen die Antwort darauf geben und stellen ehemalige herausragende Persönlichkeiten des Kreises mit ihren neuen Leidenschaften vor. Den Anfang macht der ehemalige Fußballer und Trainer Rolf Diephaus aus Syke.  töb

Von Carsten Drösemeyer

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