Keine Pflichtspiele bis 31. Dezember

Das Ende des Handballjahres

Zwangspause: Die Handballer aus dem Zuständigkeitsbereich des HVN dürfen 2020 keine Pflichtspiele mehr austragen – wann es weitergeht, ist aktuell völlig ungewiss.
+
Zwangspause: Die Handballer aus dem Zuständigkeitsbereich des HVN dürfen 2020 keine Pflichtspiele mehr austragen – wann es weitergeht, ist aktuell völlig ungewiss.

Syke/Diepholz – Schluss, aus, vorbei: In Niedersachsen wird in diesem Jahr – von der Oberliga runter bis zu den Landesklassen – wegen ständig steigender Corona-Zahlen kein Handball mehr gespielt. Diese Entscheidung vom Präsidium des Handball-Verbands Niedersachsen (HVN) gilt ab sofort, zunächst bis zum 31. Dezember und für alle Seniorenklassen, die sich in der Obhut des Verbands befinden – und auch für die Jugendligen, die an diesem Wochenende starten sollten. Zudem fordert der HVN seine eigenständigen Regionen dazu auf, den Beschluss ebenfalls umzusetzen – die Regionen West-Niedersachsen und Mitte-Niedersachsen, in denen Vereine aus dem Landkreis Diepholz beheimatet sind, werden genau dies tun (siehe Kasten).

Heiner Thiemann zeigt Verständnis

Noch in der vergangenen Woche hatte es der HVN seinen Vereinen überlassen, ob sie bei einem Inzidenzwert über 35 in ihrer oder der Region des Gegners zu Pflichtspielen antreten wollen oder nicht. Dieser Weg der bewussten Freiwilligkeit, den HVN-Präsident Stefan Hüdepohl im Interview mit dieser Zeitung erläutert hatte, führte jedoch in eine Sackgasse. Es folgte das prompte Umdenken und Umschwenken. „Wir wollten den Mannschaften ein Höchstmaß an Freiraum einräumen. Jetzt haben die Vereine mit den Füßen abgestimmt. Diese Abstimmung akzeptieren wir“, sagt Hüdepohl in einer HVN-Pressemitteilung und fügt an: „Viele Vereine und auch Sportlerinnen und Sportler haben uns aufgefordert, Verantwortung zu zeigen und den Spielbetrieb auszusetzen. Diesem Wunsch tragen wir Rechnung.“ Auch in Gebieten ohne hohe Inzidenzen seien viele Handballer „voller Verunsicherung und Furcht“, sich beim Sport mit Corona zu infizieren. „Angesichts der immer neuen Rekorde der Fallzahlen nachvollziehbar“, findet Hüdepohl.

Wie groß Skepsis und Zweifel bei den Mannschaften sind, zeigt die Zahl der Absagen am vergangenen Wochenende. Viele Teams durften entscheiden – und entschieden sich, nicht anzutreten. Laut Jens Schoof (HVN-Vizepräsident Spieltechnik) waren im Zuständigkeitsbereich des Verbands in den Seniorenklassen 106 Spiele angesetzt: 85 verlegten die Vereine kurzfristig, nur 21 Begegnungen fanden statt.

Heiner Thiemann, Trainer beim Oberligisten HSG Hunte-Aue Löwen, überraschte der HVN-Beschluss nicht: „Das ist für den Handball schade, aber in der jetzigen Situation nachvollziehbar.“ Gerrit Uhlhorn, Torhüter bei den Landesklassen-Handballern des TuS Sulingen, ist froh, dass jetzt Klarheit herrscht: „Ich stehe hinter der HVN-Entscheidung. Das ist vollkommen in Ordnung. Ich möchte kein Spiel in einem Risikogebiet haben.“

Wie lange die Pflichtspiel-Zwangspause tatsächlich dauert, ist aktuell völlig offen. „Kein Mensch weiß, wie sich die Pandemie weiterentwickelt“, meint Hüdepohl. Die Spieltechniker des Verbands diskutieren bereits über mögliche Modelle einer Saison-Fortsetzung. Eine Einfachrunde oder eine Verkleinerung der Staffeln mit Ermittlung der Meister und Absteiger in Playoffs seien beispielsweise denkbar. „Das ist aber alles noch Zukunftsmusik“, sagt Hüdepohl.

Die „Task Force“, die dem Präsidium bereits die Unterbrechung bis Jahresende empfohlen hatte und zu der neben Hüdepohl die Vizepräsidenten Harald Schieb (Recht) und Jens Schoof (Spieltechnik) sowie die beiden Geschäftsführer Markus Ernst und Gerald Glöde gehören, bleibt bestehen. „Die Gruppe wird regelmäßig tagen, die Situation beurteilen und Vorschläge für die Form des Spielbetriebs ab Januar 2021 erarbeiten“, kündigt Hüdepohl an: „Und das Präsidium berät darüber.“  mr/mbo

Hintergrund: Regionen übernehmen die lange Auszeit

Bisher hatten die Handball-Regionen Mitte-Niedersachsen (bis 22. November) und West-Niedersachsen (bis 15. November) nicht allzu lange Zwangspausen vorgegeben. Doch nun schließen sie sich der HVN-Entscheidung an. Das heißt: Auch in diesen Bereichen ruht bis 31. Dezember der Handball. „Das ist eine klare Linie und die beste Lösung für alle Beteiligten. Alles andere wäre Flickschusterei“, meint der für West-Niedersachsen zuständige Gerhard Ditz. Der finale Vorstandsbeschluss dazu steht noch aus, ist aber nur Formsache. Steffen Mundt, Vorsitzender der Region Mitte-Niedersachsen, sagt: „Wir haben uns abgestimmt und werden uns der Entscheidung anschließen.“ Er finde es besonders wichtig, dass die Handballer „mit einer Stimme sprechen. Wir hatten schon am vergangenen Wochenende so viele Absagen.“ Er könne alle Handballerinen und Handballer verstehen, die gerne spielen möchten – und alle Vereine, die ihre Sportler zusammenhalten wollen. Aber: „Die Gesundheit geht jetzt vor.“ Für Mundt ist es durchaus vorstellbar, „dass wir am Ende eine verlorene Saison haben werden“. Aktuell könnten er und seine Kollegen – bezüglich einer Fortsetzung der Spielzeit und möglicher Wertungen bei einem Abbruch – nichts anderes tun als abwarten. Mundt: „Wir legen jetzt eine Planungspause ein und beobachten natürlich auch, was der HVN macht.“  mr

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

AfD beschließt sozialpolitisches Konzept

AfD beschließt sozialpolitisches Konzept

DFB-Frauen schlagen Griechenland - Bilanz bleibt perfekt

DFB-Frauen schlagen Griechenland - Bilanz bleibt perfekt

An diesen vier Zipfeln endet Deutschland

An diesen vier Zipfeln endet Deutschland

Die heilende Kraft der Aloe vera

Die heilende Kraft der Aloe vera

Meistgelesene Artikel

Soll Fußballtraining für Jugendliche erlaubt werden?

Soll Fußballtraining für Jugendliche erlaubt werden?

Soll Fußballtraining für Jugendliche erlaubt werden?
Fast sicher: BSV Rehden spielt um die Meisterschaft

Fast sicher: BSV Rehden spielt um die Meisterschaft

Fast sicher: BSV Rehden spielt um die Meisterschaft
Japanische Philosophie hilft Mansaray

Japanische Philosophie hilft Mansaray

Japanische Philosophie hilft Mansaray
„Finale über 200 Meter wäre toll“

„Finale über 200 Meter wäre toll“

„Finale über 200 Meter wäre toll“

Kommentare