SPORTLERWAHL SPEZIAL Bernhard Keller hat auf Mountainbike umgesattelt

„Da geht es schon richtig zur Sache“

Ab durch das Sauerland: Bernhard Keller (li.) ist mit seiner Mountainbike-Truppe viel unterwegs.
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Ab durch das Sauerland: Bernhard Keller (li.) ist mit seiner Mountainbike-Truppe viel unterwegs.

Drebber – Nach einem halben Dutzend Freizeichen nimmt Bernhard Keller ab. „Ich bin gerade auf dem Sprung“, sagt der 66-Jährige aus Drebber. Er habe bereits die Mountainbike-Montur an: „Ich bin auf dem Weg in die Dammer Berge. Aber morgen Nachmittag können Sie mich gern erreichen.“ Keller – Sportlerwahl-Sieger dieser Zeitung 1990 – ist also weiter aktiv unterwegs, so viel ist schon mal klar. Aber er scheint das Metier gewechselt zu haben.

Die Bestätigung folgt am nächsten Tag – nach zweimaligem Tuten. „Ich habe die Laufschuhe an den Nagel hängen müssen“, erklärt Keller. 2006 war er wegen Knieproblemen bei einem Spezialisten in Osnabrück. Der Meniskus im linken Knie spielte nicht mehr mit. „Und dann habe ich von heute auf morgen aufgehört und bin ins Mountainbiken eingestiegen.“ Zweimal die Woche trifft sich die sechsköpfige Fahrertruppe: „Da geht es schon richtig zur Sache“, betont der pensionierte Polizeibeamte.

An die Belastungsgrenze und darüber hinaus zu gehen – das ist für Keller seit Jahrzehnten Usus. „Angefangen hatte alles 1973. Zuvor habe ich Handball gespielt und auch so ein bisschen Fußball“, erinnert er sich. Dann fand er seine Passion. „Ich bin von Zuhause aus losgelaufen, nach etwa zehn Minuten kommt man in ein Wäldchen, da hatte ich meine Strecken, da konnte ich mich richtig austoben.“

Die Fortschritte kamen schnell, und die Erfolge auch. 1978 krönte sich Keller bei den Polizeimeisterschaften in Österreich zum Europameister über die 800 Meter. „Das war schon so etwas wie meine Paradestrecke“, sagt er. Seine Bestzeit liegt hier bei 1:50:22 Minute. Seine 400-Meter-Bestmarke stehe bei 48,5 Sekunden, kramt Keller ruckzuck die Zahlen aus seinem Gedächtnis: „1978 und 1979 waren sportlich schon meine besten Jahre.“

Später wurden die Strecken auch mal länger. „Im fortgeschrittenen Alter bin ich die 5000 Meter in 15:15 Minuten gelaufen.“ Zum Vergleich: Sebastian Kohlwes, derzeitiger Vorzeigeläufer des LC Hansa Stuhr, hat über die 5 000 Meter eine persönliche Bestleistung von 15:29 Minuten.

Keller ließ sich immer mal wieder auf neue Herausforderungen ein. So auch am 30. September 1990. Drei Tage vor der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten findet der Berlin-Marathon statt, der erstmals auch durch den Ostteil der Metropole führt. Die Idee, dort an den Start zu gehen, sei relativ kurzfristig gefallen, sagt Keller: „Ich habe mich fünf, sechs Wochen auf den Marathon vorbereitet“, betont er. Und zunächst lief auch alles glatt. „Es war eigentlich ein gutes Rennen. Bis Kilometer 38 lag ich auf Kurs, dass ich eine Zeit von 2:30 Stunden schaffe.“ Dann kam der Mann mit dem Hammer. „Ich bin komplett eingebrochen. Man merkte förmlich, wie der Körper von der Kohlenhydrat-Verbrennung auf Fett-Verbrennung umstellte. Dann ist man einfach nur noch platt.“

Schließlich kam Keller nach 2:46 Stunden ins Ziel, Platz 846 von 25 000 Sportlern. Mehr als ordentlich, dennoch: „Danach habe ich mir geschworen: Du hast jetzt einen Marathon hinter dir; und das war auch der letzte.“ Und so kam es dann auch.

Mitte der 90er-Jahre erlebt Keller noch einmal ein besonderes Abenteuer als Mittelstreckler. Bei der Senioren-Weltmeisterschaft im US-amerikanischen Buffalo, 20 Meilen südlich der Niagarafälle. Keller war zunächst über die 800 Meter am Start. „Es entwickelte sich ein taktisches Rennen“, erinnert er sich. Zur Halbzeit lag Keller in Führung. Es blieb aber ein Abtasten: „Dann ging plötzlich die Post ab, vier sind durchgestartet, ich habe den Anschluss verloren. Aber egal: Mit dem fünften Platz war es völlig okay.“ Später überquerte Keller auch über die 1500 Meter als Fünfter die Zielllinie: „Es war eine gute Woche.“

Überhaupt kam Keller durch das Laufen ziemlich rum in der Welt: „Es gab Jahre, in denen ich von 52 Wochenenden 45 unterwegs war.“ Als Trainer des MTV Barnstorf organisierte er beispielsweise viele Jahre über Ostern Trainingslager in Rimini und Valencia mit. Es sei eine schöne Zeit gewesen: „Und den Kids ist das heute noch präsent.“

Auch jetzt zieht es ihn zum Sporttreiben noch ab und an in den Süden. So ging es mit der Mountainbike-Gruppe von Barcelona nach Denia. „500 Kilometer immer schön am Mittelmeer entlang, kurze Hose und T-Shirt, die Sonne scheint – einfach wunderbar“, schwärmt Bernhard Keller. Ohne Sport geht es eben nicht.

Von Daniel Wiechert

1990 bei der Sportlerwahl-Gala: Oberkreisdirektor Hans-Michael Heise ehrt Bernhard Keller.

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