Seit sieben Jahren nur Nachtschichten

Vilsens neuer Trainer Torsten Klein ordnet dem Fußall „wirklich viel unter“

Torsten Klein
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Als  würde  er  in  Vilsen  übernachten... Torsten Klein mit dicker Tasche auf dem Weg zum Training. Anschließend fährt er von der „Marktplatzarena“ rüber zu seinem Arbeitsplatz bei Vilsa. Und erst morgens – nach der Nachtschicht – geht es wieder nach Wietzen. Dort lebt der 50-jährige Coach.

Bei Torsten Klein gibt es keinen Tag, „an dem ich nichts mit Fußball zu tun habe“ – auch, wenn das bedeutet, bei anderen Dingen zurückzustecken. Doch das sind Opfer, die der neue Trainer des SV Bruchhausen-Vilsen gerne bringt.

Bruchhausen-Vilsen – Sein Lebensrhythmus ist schon ziemlich außergewöhnlich. So sieht der Alltag im Zeitraffer aus: Bis 6 Uhr: Nachtschicht. 7.30 bis 13 Uhr: Schlafen. 13 bis 17.45 Uhr: Relaxen und Zeit mit seiner Freundin Aneta verbringen. 17.45 Uhr: Ab zum Training nach Bruchhausen-Vilsen. Etwa 19 bis 20.30 Uhr: Training. 21.30 Uhr: Schichtbeginn im Versandbüro bei Vilsa-Brunnen.

Und das Ganze von montags bis freitags. Klingt heftig, ist für Torsten Klein inzwischen aber ganz normal: „Ich habe einen geregelteren Ablauf als im Schichtdienst, der für den Körper viel anstrengender ist. Und ich muss mir nie einen Wecker stellen, wache immer ohne auf. Insgesamt fühle ich mich wohl damit.“ Er dürfe nur nicht den Fehler machen, sich an den freien Wochenenden mal nachmittags hinzulegen. „Dann kann ich abends nicht schlafen...“

Der Tag ist Klein „zu schade, um ihn komplett zu verschlafen“

Der neue Coach des SV Bruchhausen-Vilsen schiebt seit nunmehr sieben Jahren ausschließlich Nachtschichten – und erinnert sich an die Anfänge, damals noch bei einem Geflügelproduzenten in seinem Wohnort Wietzen. „Das Büro sollte 24 Stunden besetzt sein – und ich dachte mir, ich probiere es mal vier Wochen aus. Alle waren froh, dass sie einen Doofen gefunden hatten“, sagt Klein und lacht.

Während der Eingewöhnungszeit stellte der 50-Jährige fest: Klappt gut! Und deshalb blieb er dabei. Auch, weil er in diesem Arbeitsmodell perfekt sein geliebtes Hobby unterbringen konnte – was sein erklärtes Ziel war. Wenn er Trainer sei, dann richtig. Ohne oft zu fehlen. „Fußball kommt bei mir direkt nach der Familie. Es gibt keinen Tag, an dem ich nichts mit Fußball zu tun habe. Dem ordne ich wirklich viel unter“, verrät der frühere Torwart und fügt an: „Das geht alles natürlich nur, wenn die Partnerin einverstanden ist.“ Und das ist sie: Freundin Aneta, deren Sohn Dominik (18) jetzt in der „Ersten“ des TSV Wietzen spielt (wie Klein damals), arbeitet bei der Post. Sie fängt früh an zu arbeiten und ist entsprechend früh fertig. Dann haben die beiden Zeit füreinander. „Für mich müssen fünfeinhalb Stunden Schlaf eben reichen“, sagt Klein mit einem Schmunzeln: „Aber im Ernst: Der Tag ist mir zu schade, um ihn komplett zu verschlafen.“

Gerne Urlaub in der Karibik – aber natürlich nur in der Winterpause

Abends geht’s dann wieder los: erst Fußball, anschließend Job. Auch bei seinem neuen Arbeitgeber Vilsa, in der Nähe der „Marktplatzarena“ gelegen, ist er nun die „Nachteule“. Dass er nach dem Training „nicht mit den Jungs bei einem Bierchen zusammensitzen“ kann, sei schade – aber so ist es eben. Und dass er am späteren Abend in der Woche keine Freizeit und deshalb „in der letzten Saison kein einziges Champions-League-Spiel gesehen“ hat, macht ihm auch nicht viel aus. „Während der EM habe ich mir dann drei Wochen Urlaub genommen“, erzählt der Coach: „Da habe ich viel Fußball geguckt und bei uns im Garten eine Poolumrandung gebaut.“

Das runde Aufstellbecken wird eingefasst von Douglasienholz – inklusive einer nicht zu klein geratenen, gemütlichen Liegefläche. Dort verbringt Klein bei gutem Wetter – auch mal mit seinen beiden Kindern (aus einer früheren Beziehung) – oft seine freien Nachmittage: „Ich mag die Sonne einfach.“

Deshalb fährt er mit seiner Lebensgefährtin auch am liebsten weg, wenn es in Deutschland kalt und dunkel wird. Gerne mit einem Kreuzfahrtschiff, gerne in die Karibik. „Dort war ich schon zehn, elfmal“ – aber natürlich in der Winterpause, um beim Fußball ja nichts zu verpassen.

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