Kein Cognac, keine Chance

Bruchhausen-Vilsen verspeist Lessen im Kreispokalfinale mit 6:1 / Das Spiel in all seinen Facetten . . .

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Die Hände, den Pokal, den Sekt, ein paar T-Shirts – alles zum Himmel! Der SV-Bruchhausen-Vilsen zelebriert seine Titelverteidigung im Kreispokal. ·

Martfeld - Von Arne HelmsOb lauwarmer Weinbrand dem SV Lessen geholfen hätte? Seine Mannschaft war im Kreispokalfinale in Martfeld dermaßen nervös und dem SV Bruchhausen-Vilsen beim 1:6 (0:2) derart unterlegen gewesen, dass Carsten Hollwedel sich diese Frage stellen musste. „Vielleicht hätten wir alle einen Cognac trinken sollen“, rätselte der Trainer, der mit seinem Team das dritte Endspiel nach 2007 und 2008 verlor. Vilsen hingegen gelang am Samstag Historisches: Als erste Mannschaft überhaupt verteidigten sie den weiß-goldenen Kreispokal.

90 und ein paar zerquetschte Minuten im Spielfilm:

0. Minute: Dennis Kastendieck lässt sich im Vilser Tor warmschießen. Dahinter hat sich Torwarttrainer Andreas Mann postiert, den Glaspokal, den er soeben mit der Altliga gewonnen hat, in der Hand. Kastendieck warnt noch, da klirrt es: Mann hält nur noch den Sockel in der Hand, der Pokal liegt in tausend Scherben vor ihm. „Dann müsst ihr eben noch einen holen“, gackern die Alt-Vilser.

13. Minute: Lessen bringt eineinhalb Konter zustande, sonst nichts. Auf der anderen Seite hat sich Salam Garaf den Ball mit Sekundenkleber an den Schuh gepappt. „So klein und so gut“, raunen die Zuschauer.

32. Minute: Garaf passt zu Rateb Safi, 1:0 für Vilsen. Anschließend großer Andrang an der Bank der Lila-Weißen. Alle wollen Wasser – das hoffentlich an einem der Getränkestände gekauft wurde. In einer Pressemitteilung hatte Michael Steen vom Spielausschuss doch extra alle wissen lassen, dass der Verzehr von selbst mitgebrachten Speisen und Getränken auf der Sportanlage untersagt ist.

37. Minute: Vilsens Nico Schröder rempelt Gegenspieler Patrick Langhorst im Strafraum um. „Kategorie: saublöd“, witzelt sein Coach Jörn Meyer. Den Elfmeter verschießt Hendrik Fischer.

45.+2 Minute: Lessens Torwart Tobias Plümer boxt eine harmlose Flanke vor die Füße von Garaf, 2:0 für Vilsen. Auf dem Weg in die Halbzeitpause erzählen sich die 22 Spieler vermutlich, dass der BSV Rehden im Pokal auf die Bayern trifft. Das tun die 489 Zuschauer rundherum schließlich auch.

45.+10 Minute:Für Dieter Plaggemeyer, Vorsitzender des Fußballkreises und in Rehden zuhause, wird‘s heikel. Finalsprecher Torsten Tobeck will beim Bier alles klar machen. „Ich habe die Vip-Karte fürs Bayernspiel“, jubelt Tobeck Minuten später ins Mikrofon. Den Stadionsprecher will er dort auch machen – oder es wird gleich in Martfeld gespielt: „Wir schaffen auch 5 000 Zuschauer.“

47. Minute: Richard Sikut jagt das Leder Tobias Plümer über den Scheitel, 3:0.

48. Minute:Garaf haucht einen Freistoß ans Lattenkreuz. Hinter der Bande hauchen sich Zuschauer Bewunderungen ins Ohr.

50. Minute: Dennis Griffel scheitert im Liegen an Kastendieck – obwohl der auch liegt. Lessens beste Chance.

63. Minute: Ecke Garaf, Kopfball Sikut, 4:0 Vilsen.

64. Minute: Tor von Christoph Fischer, 1:4. Tobeck glaubt, dass es noch mal spannend wird, „man denke an das deutsche Länderspiel gegen Schweden“. Trainer Hollwedel glaubt ihm nicht. „Scheppert die Dinger nach vorne“, brüllt er: „Volle Pulle! Mann!“

72. Minute: Jörn Meyer meint es gut. „Hast Zeit“, ruft er Matthias Hansack zu. Der zeigt Meyer nicht den Vogel, was verwundert. Rast er doch im Vollsprint auf die Auslinie zu, hinter der der Ball zu verschwinden droht. „Den muss ich erst mal haben“, japst Hansack.

74. Minute: Hansack hat wieder Luft, das 5:1 aus 25 Metern. Sprecher Tobeck wurde inzwischen vom TSV-Martfeld-Stammtisch kontaktiert. Er winkt Dieter Plaggemeyer herbei. „Die hätten gerne zehn Karten. Für unsere edelsten Fans geht das in Ordnung, oder?“

78. Minute: 6:1, Safi. Elfmeterverschießer Hendrik Fischer ist heilfroh: „Bei dem Spielstand kann ich ja nicht mehr Schuld sein.“ Vilsens Alt-Fußballer laben sich am Wechselgesang mit gleichgesinnten Fans in der „Ostkurve“, die allerdings eine Ostgerade ist.

90.+20 Minute: Zwei ältere Damen lachen sich scheckig, dass ein Bier nach dem anderen auf Jörn Meyers Kopf landet. Dem ist alles egal: „Endlich habe ich den Pokal angefasst.“ Vor einem Jahr war der Trainer im Urlaub. Wie Betreuer Norbert Schmusch. Der hat es auch dieses Jahr nicht geschafft. „Das war teuer für Nobbi. Meine Tochter hat ihn bei jedem Tor in Spanien angerufen“, grinst Meyer, „das wurmt ihn.“

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