Brinkums Handballer am Abgrund / Engelmann: „Alle knien sich rein“

„Es sieht bescheiden aus“

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Brinkums Stefan Schröder (links) weiß, wie heikel die Situation ist. Von Panik sei aber trotz des vorletzten Tabellenplatzes nichts zu spüren.

Brinkum - Von Daniel Wiechert. Zur Visualisierung, dass den Brinkumer Handballern das Wasser in der Verbandsliga Nordsee bis zum Halse steht, pinnte Trainer Sven Engelmann die Tabelle an die Kabinen-Wand: Vorletzter, schwarz auf weiß – sportliche Tristesse. Bleibt es dabei, wäre es der zweite Abstieg binnen drei Jahren. „Es sieht richtig bescheiden aus“, sagt Brinkums Routinier Stefan Schröder vier Spieltage vor dem Saisonende: „Aber in Panik bricht hier noch keiner aus.“

Den Ernst der Lage scheinen viele, aber noch nicht alle erkannt zu haben. „Wir haben einige Tagträumer dabei, denen es scheinbar egal ist“, sagt Carsten von der Heyde: „Aber die meisten, vor allem die Älteren, wissen, welche Stunde geschlagen hat.“ Das weiß auch Engelmann. Nach der jüngsten Pleite gegen Habenhausen II (25:30) sprach er Klartext: „Es wird nicht brenzlig: Es ist brenzlig!“ Nur einen Sieg gab es in den letzten sieben Spielen.

Es gibt einige Gründe für die sportliche Talfahrt. Zum ersten die Verletztenmisere: Rückraumshooter Tim Kieselhorst, Torgarant Meik Schäfer, Winter-Neuzugang Daniel Schlichting oder die beiden Linkshänder Torben Schierenbeck und Sebastian Beckmann fehlten zuletzt häufiger. „Das sind alles Leute, mit denen du jeden Gegner schlagen kannst“, sagt Schröder.

Der zweite Grund resultiert aus dem ersten: die nicht immer gute Trainingsbeteiligung. „Die vielen Verletzten, dann die Schichtarbeiter und die Studenten – da kannst du kaum etwas einstudieren“, sagt Schröder. Zum dritten: die Defensivschwäche. 686 Gegentreffer sind der schlechteste Wert der Liga. „Dabei steht unsere Abwehr an sich gut“, erklärt der 43-Jährige: „Es sind die ärgerlichen Tempogegenstöße. Durch diese kassieren wir in manchen Spielen zehn bis 15 Treffer. Da kannst du vorne dann gar nicht mehr gegen anlaufen.“

Viertens: die Wurfquote. „Die ist unterirdisch“, sagt von der Heyde: „Selbst wenn wir uns auf den Punkt durchspielen, scheitern wir schließlich am Torwart oder was auch immer...“ Eine Erklärung dafür hat der 31-Jährige nicht: „Meine eigene Quote sieht ja auch nicht besser aus.“

Auch das Restprogramm spricht auf dem ersten Blick nicht gerade für die Brinkumer. Gegen Beckdorf II, Varel-Friesland II, Fredenbeck II und Nordhorn II holten die Brinkumer in den Hinspielen lediglich einen Zähler (siehe Infokasten). „Ich bin trotzdem optimistisch, dass wir davon drei Spiele gewinnen“, sagt Schröder. Zum einen macht es ihm Hoffnung, dass sie noch drei Mal zu Hause ran dürfen, zum anderen sind es alles Partien gegen Zweitvertretungen. In den letzten zwei Saisonspieltagen dürfen keine Akteure aus der Ersten mehr abgestellt werden.

Auch Engelmann (Schröder: „Er macht sich immer intensiv Gedanken, wie wir die Kuh vom Eis kriegen“) geht optimistisch in den Saisonschlussspurt: „Alle ziehen richtig mit“, berichtet der 48-Jährige. Ausruhen gilt nicht. Über die Ostertage gab der Coach seinen Spielern ein individuelles Laufprogramm mit. „Sie haben mir dann ihre Daten und Zeiten per Whatsapp geschickt“, erklärt Engelmann: „Dort habe ich sehen können, dass sich alle voll reinknien.“

Hoffnung auf den Turn-around macht auch jemand, der am Saisonende wechselt: Olaf Sawicki. „Er ist nicht nur sportlich extrem wichtig. Er bringt immer Feuer herein“, sagt Schröder über den Keeper, der zur neuen Saison nach Delmenhorst wechselt: „Er wird alles für unseren Nichtabstieg tun. Wenn Olaf auf dem Platz steht, zählt für ihn nur der Erfolg, da blendet er alles andere aus.“ Konzentration auf das Wesentliche ist nötig. Dann macht vielleicht bald auch wieder der Blick auf die Tabelle mehr Spaß.

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