Regionalliga-Vereine gegen Aufsteiger aus 5. Liga

Brinkums Manager Jörg Bender erwägt rechtliche Schritte

Brinkums Manager Jörg Bender am Spielfeldrand
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Brinkums Manager Jörg Bender fände es ungerecht, wenn es keine Aufsteiger in die Regionalliga geben sollte und würde dann eine Klage erwägen.

Die Vereine der Fußball-Regionalliga haben sich dafür ausgesprochen, dass es keine Absteiger aus und keine Aufsteiger in die Regionalliga nach der abgebrochenen Saison gibt. Jörg Bender, der Manager des Bremen-Ligisten Brinkumer SV, der gute Aufstiegschancen hat, findet das ungerecht. Im Fall des Falles würde er klagen. Die Wünsche der Vereine ist aber nicht bindend. Es entscheidet das Präsidium des norddeutschen Verbandes.

Rehden/Brinkum - Der Spielbetrieb in der Regionalliga Nord wird eingestellt werden. Das ist spätestens seit dem vergangenen Donnerstag klar, als der Spielausschuss des Norddeutschen Fußball-Verbandes (NFV) unter Vorsitz von Jürgen Stebani (70) zur Videokonferenz mit den 22 beteilgten Mannschaften gebeten hatte. 21 Clubvertreter votierten dabei für den Abbruch der Spielzeit (wir berichteten).

Damit ist die Kuh aber längst noch nicht vom Eis. Denn es bleiben unter anderem die drängenden Fragen, wie es mit dem Aufstieg in die 3. Liga oder dem Auf- und Abstieg in beziehungsweise aus der Regionalliga aussieht.

Auf die erste Frage kann Stebani schon eine Antwort geben: „Die überwältigende Mehrheit ist dafür, dass wir den TSV Havelse für die Relegation mit dem Meister aus der Regionalliga Bayern melden. Von den Teams aus der Regionalliga Nord, die für die 3. Liga gemeldet haben, hat Havelse mit Abstand den besten Quotienten aus errungenen Punkten geteilt durch die Anzahl der bisher absolvierten Spiele.“

Weiter mit Nord- und Südstaffel

Fest steht auch, dass die Regionalliga Nord auch in der kommenden Saison in eine Nord- und eine Südstaffel unterteilt wird. Damit hätte man genügend Spielraum, um in der Corona-Krise flexibel reagieren zu können. „Eigentlich starten wir mit der Regionalliga immer Ende Juli. Das kann in diesem Jahr aber auch ganz anders kommen. Deshalb macht eine vorsorgliche Trennung der Liga auch Sinn“, erklärte der Spielausschuss-Chef aus Melbeck.

Aber danach wird es knifflig. Die bei der Videokonferenz anwesenden Vereine sprachen sich fast einstimmig dafür aus, dass es keine Absteiger geben soll. Um die Liga nicht zu sehr aufzublähen, soll es dann nach dem Wunsch der Clubs keine Aufsteiger geben.

Rehdens Vereinschef Friedrich Schilling hat seine Meinung während der Videokonferenz in zwei Punkten geändert.

Als Vertreter des BSV Rehden nahm Clubchef Friedrich Schilling (69) an der Konferenz teil. „Die Diskussionen wurden zwar sachlich, aber in Teilen auch recht hitzig geführt. Eigentlich war ich vor dem Meeting dafür, dass wir weiterspielen sollten. Aber dann habe ich mich eines Besseren belehren lassen, dass das terminlich kaum machbar ist, wenn man viele Wochen hindurch englische Wochen hätte. Da ist die Verletzungsgefahr der Spieler doch sehr groß. Und dann kann ja immer noch Corona dazu kommen, wenn es positive Fälle gibt und Mannschaften unter Umständen in Quarantäne müssen. Und zum Saisonstart für die kommende Spielzeit ist meine Meinung, dass wir im Juli loslegen sollten.“

Auch in Sachen Auf- und Abstieg drehte sich Schillings Meinungsbild während des virtuellen Gedankenaustausches: „Am Anfang war ich schon dafür, dass es Absteiger geben soll – und dann auch Aufsteiger aus den Oberligen beziehungsweise der Bremen-Liga. Doch der Vertreter von Atlas Delmenhorst hat mich umdenken lassen, dass es keine Auf- und keine Absteiger geben sollte. Sein Argument hat mir eingeleuchtet, dass Atlas im vergangenen Jahr 500 000 Euro in Sicherheitsmaßnahmen des Stadions investiert hat. Und jetzt soll das nach nur sieben Spielen quasi umsonst gewesen sein? Da bin ich bei Atlas Delmenhorst . Die möglichen Aufsteiger müssten vielleicht auch investieren, könnten das aber noch stoppen, wenn relativ schnell klar wäre, dass es keine Aufsteiger gibt.“

Stebani hat eine eigene Sicht auf die Dinge: „Mit der Abstiegsregelung tut man natürlich keinem weh, aber mein Gedanke ist das nicht. Vom Spielbetrieb her ließe es sich durchaus einrichten, kein Team absteigen, aber auf der anderen Seite selbst ohne Relegation vier Mannschaften aufsteigen zu lassen. Dann hätten wir 13 Teams pro Staffel – das ist machbar. Ich bin aber deshalb kein Freund davon, weil die Regionalliga dann verwässert wird. Zudem gebe ich zu bedenken, dass es rechtlich problematisch werden könnte, wenn man keinen Aufstieg in die Regionalliga zulassen würde.“

Stebani hat den Pokal nicht abgeschrieben

Jürgen Stebani ist noch an einer anderen Front gefragt. Als Chef des niedersächsischen Spielausschusses muss er auch ebenfalls klären, wie es mit dem NFV-Pokal weitergeht. Dem Sieger winkt schließlich die lukrative Telnahme an der ersten Runde im DFB-Pokal. In dieser Frage ist der Melbecker aber recht entspannt: „Wir haben bis zur Meldung an den DFB ja noch recht viel Zeit. Am besten wäre es natürlich, wenn wir die Spiele noch austragen dürften. Von einem Losentscheid oder einer Verbands-Nennung eines Vereins ohne Spiele halte ich nicht viel. Da käme für mich schon eher ein Elfmeterschießen der noch beteilgten Clubs infrage.“

In Bezug auf die Verwässerung ist Schilling mit Stebani einer Meinung – aber nicht wegen vordringlich rechtlicher Fragen. „Ich denke dann schon voraus und stelle mir vor, dass es in der kommenden Saison vielleicht einen vermehrten Abstieg geben könnte, um die Sollzahl wieder zu erreichen. Und dann hat man mal ein schlechtes Jahr, ist eigentlich auf einem Nichtabstiegsplatz – muss aber dennoch runter in die Oberliga.“

Da droht also jede Menge Konfliktpotenzial bei den zeitnahen Beratungen des NFV-Präsidiums. Stebani erklärte zudem, dass eine Entscheidung recht kurzfristig fallen soll. Auch deshalb, um den vielen Spekulationen die Nahrung zu nehmen. Und der 70-Jährige stellt auch klar fest, „dass wir natürlich gern die Meinung der Vereine einholen, aber letztlich doch das Präsidium die Entscheidung fällt, wie zum Beispiel der Auf- oder Abstieg geregelt wird.“

Bender: „Wir hatten auch schon Kosten“

Mit großem Interesse verfolgt natürlich auch der Brinkumer SV die Diskussionen rund um den Regionalliga-Aufstieg. Die Saison der Bremen-Liga wird annulliert, allerdings wird der nach der Quotientenregelung führende Brinkumer SV vom Bremer Verband als Vertreter für eine mögliche Relegation gemeldet. Von dem Gedanken der Regionalliga-Clubs, keine Aufsteiger zuzulassen, hält Brinkums Manager Jörg Bender (natürlich) nicht viel: „Ich kann ja Delmenhorst verstehen, dass sie ihre Investitionen nicht in den Sand gesetzt haben möchten. Aber auch wir hatten schon Kosten, was die Regionalliga angeht. Zudem finde ich es rechtlich fragwürdig, wenn man einen Aufstiegskandidaten zur 3. Liga benennt, aber keine Teams in die Regionalliga hochlassen will. In diesem Falle müssten wir uns im Verein besprechen, aber ich neige dazu, dann rechtliche Schritte einzuleiten und dagegen zu klagen.“

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