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Bremen-Liga-Topspiel Bremer SV gegen Brinkumer SV: Alle Augen auf Kurkiewicz

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Von: Felix Schlickmann

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Sebastian Kurkiewicz und Joshua Kimmich
Ein Bremer Schlüsselspieler – der es sogar dem gegnerischen Trainer angetan hat: Sebastian Kurkiewicz (blaues Trikot, hier im DFB-Pokal-Duell mit Bayern-Star Joshua Kimmich). © imago images / Team 2

Sebastian Kurkiewicz ist der Mann für die wichtigen Momente beim Bremer SV. Coach Benjamin Eta weiß, was er an seinem Leistungsträger hat, und auch Trainer Mike Gabel und Vize-Kapitän Nicolai Gräpler von Gegner Brinkumer SV finden vor dem Bremen-Liga-Topspiel viel Lob für Kurkiewicz.

Brinkum – Die Gratulation zur Meisterschaft möchte Benjamin Eta noch nicht annehmen. „Erst, wenn es rechnerisch nicht mehr möglich ist“, seinem Bremer SV den Bremen-Liga-Titel zu entreißen, ließe der Trainer Glückwünsche zu, betont er lächelnd. Und auch, wenn seine Fußballer das Topspiel am Freitag (18.30 Uhr) gegen den Brinkumer SV gewinnen würden, wäre für den Verfolger theoretisch noch was möglich. Aber eben nur theoretisch, und das gesteht auch Eta: „Wir haben einen Vorsprung (drei Punkte plus Nachholspiel in der Hinterhand, d. Red.), das ist in der Liga ja schon ein guter Vorteil, weil man alles selbst in der Hand hat. Wenn wir mindestens einen Punkt holen, werden sie es schwer haben.“

Entsprechend angriffslustig zeigt sich Nicolai Gräpler trotz der eher ernüchternden Wochen, die hinter seinen Brinkumern liegen. „Es ist so ein bisschen der letzte Halm“, an den sich das Team klammern könne, erklärt der Leistungsträger: „Klar hätten wir uns gewünscht, dass es in der Tabelle vielleicht etwas enger wäre. Aber die hätten auch so ein bisschen Druck, wenn wir gewinnen. Und wer weiß: Man hat im Fußball schon so viel gesehen.“

Mindestens vier Absteiger

Zur Saison 2022/23 soll die Bremen-Liga wieder aus 16 statt der derzeit 18 Mannschaften bestehen. Die Plätze 15 bis 18 sind daher die Abstiegsplätze. Da der FC Oberneuland zur kommenden Spielzeit aus der Regionalliga Nord zurückkehrt, würde jedoch – vorausgesetzt, es gäbe keinen Ausgleich durch einen Aufstieg beispielsweise vom Bremer SV – auch Tabellenplatz 14 noch den Abstieg aus der Bremen-Liga bedeuten. Diesen zusätzlichen Absteiger gäbe es dann auch in den weiteren Herrenspielklassen.

Die Begegnung sei also trotz allem „ein Highlight“, findet Gräpler ebenso wie sein Trainer Mike Gabel – und auch Eta auf der Gegenseite.

„Es sind die beiden besten Mannschaften der Liga“, stellt der Bremer Coach trotz der Brinkumer Patzer in der Liga (2:2 bei der Leher TS, 1:1 beim FC Union) und deren Halbfinal-Aus im Pokal (0:1 bei der LTS) klar: „Wenn wir das Spiel gewinnen, ist das – unabhängig von dem Schritt zur Meisterschaft – auch ein bisschen ein Schlag ins Gesicht. Das kratzt an der Ehre, wenn sie zweimal gegen uns verlieren.“

Nicolai Gräpler (am Ball)
Am „letzten Halm“ wollen sich die Brinkumer um Nicolai Gräpler (am Ball) im Bremen-Liga-Titelkampf unbedingt festklammern. © Schlickmann

Im Hinspiel (5:2) trug Sebastian Kurkiewicz mit seinen wichtigen Toren zum 2:2 und 3:2 maßgeblich zum Erfolg der Bremer bei, und auch in den vergangenen Wochen war der Offensivmann entscheidend für sein Team: Beim Blumenthaler SV (90. + 4) und gegen den SV Werder Bremen III (86.) traf er jeweils ganz spät zum Sieg. „Sebastian sticht heraus“, findet Gabel: „Und er ist auch noch ein wahnsinnig sympathischer Mensch, den ich sehr gerne mag und dem ich das gönne. Ich wäre aber froh, wenn er am Freitag mal ein Tor weniger machen würde.“

Auch Gräpler lobt Kurkiewicz: „Er spielt eine überragende Saison, das muss man auch als Brinkumer sagen. Solchen Spielern darfst du keine Zeit, keinen Platz geben.“ Eta weiß – obwohl er zurecht betont, dass „wir viele haben, die das Tor treffen können“ – was er an seinem Dauerbrenner hat: „Uns ist mit Oscar (Garcia Garcia, Winterwechsel nach Spanien) einer verloren gegangen, der die Spiele entschieden hat, die nicht so gut waren, weil er immer trifft. Und das macht Basti gerade, auch wenn er kein Mittelstürmer ist.“ Der 34-Jährige habe als ältester Akteur der Mannschaft die meisten Minuten – und das sage eigentlich schon alles.

Viele sagen, dass das die Siege sind, die man braucht um Meister zu werden. Gerade in dem Blumenthal-Spiel, als der Schiedsrichter fünf Minuten Nachspielzeit angezeigt hat, hatte ich aber auch das Gefühl: Wir machen noch einen. Das ist auch eine Qualität, wir werden nicht hektisch, behalten diese Ruhe.

Trainer Benjamin Eta vom Bremer SV über die späten Siege gegen den Blumenthaler SV und den SV Werder Bremen III

Das Hinspiel, es war als Kurkiewicz-Show auch eine absolute Spektakel-Partie, extrem gut anzuschauen für die Zuschauer. Ähnliches erwartet Eta, der um die Einsätze der angeschlagenen Leistungsträger Lukas Muszong und Sebastian Kmiec (beide muskuläre Probleme) bangt, diesmal nicht unbedingt. „Ich glaube an weniger Tore“, meint er, und auch Gabel verrät, diesmal eventuell nicht so offensiv auftreten zu wollen wie sonst. „Wir gehen es vielleicht von der taktischen Grundausrichtung her etwas anders an“, erklärt er und begründet die Überlegung mit der „Außenseiter-Rolle“ seines Teams: „Das ist das einzige Spiel in der Saison, in dem wir nicht der Favorit sind.“

Dennoch „wollen wir natürlich gewinnen“, unterstreicht Gabel – damit die Brinkumer Eta und seinen Bremern nach dem Abpfiff (noch) nicht zur Meisterschaft gratulieren müssen.

Gabel bietet BFV Dialog an: „Ist mir wirklich wichtig, dass man aneinander arbeitet“

Entschieden ist noch lange nichts – aber Mike Gabel hat zumindest wieder „die grundsätzliche Energie gefunden, in den Angriffsmodus zu gehen. Und das ist ja auch schon mal was.“ Der Trainer kann sich nach wie vor durchaus vorstellen, über die Saison hinaus beim Brinkumer SV zu bleiben. Das liegt vor allem an dem großen Zuspruch, den er in den letzten Tagen erhalten hat.

„Es haben viele Spieler angerufen, auch Dieter (Burdenski, Brinkums Unterstützer, d. Red.), und Jogi (Bender, Manager) hat sich beim Training an mich gewandt“, berichtet Gabel: „Das brauchen sie nicht, das würde ich nie einfordern. Aber das ist eine richtig schöne Wertschätzung und macht mich stolz.“

Ein Spieler, der sich bei Gabel erkundete, ist Nicolai Gräpler. „Ich wollte Klarheit“, erklärt der Vize-Kapitän und betont: „Ich würde mich freuen, wenn er bleibt – auch in der Kombination mit Kevin (Artmann). Er ist als spielender Trainer ebenfalls viel wert, auch für mich persönlich.“ Gabel sieht sich in solchen Aussagen „bestärkt, weiterzumachen“.

Dennoch hängt eine Entscheidung nach wie vor ein bisschen vom Bremer Fußball-Verband (BFV) ab, den der Trainer wegen der (Ansetzungen der) Schiedsrichter kritisiert hatte. Gabel schlägt versöhnliche Töne an. „Es ist natürlich klar, dass nicht alle Schiedsrichter schlecht sind, das habe ich ein bisschen aus der Emotion heraus gesagt“, meint er mit Blick auf seine Reaktion nach dem Halbfinal-Aus im Pokal bei der Leher TS (0:1): „Wir haben auch diverse gute Schiris, das wird ja auch immer von mir erwähnt, wenn jemand gut pfeift.“

Einer davon sei Nils Riedel, der am Montag das BSV-Spiel beim Hemelinger SV leitete. „Ich habe mich mit ihm schon auf einen Kaffee verabredet, um mal zusammen was auszuarbeiten“, erzählt Gabel, der solche Gespräche gerne auch mit anderen im Verband führen würde. „Ich habe das schon vor dem Halbfinale beim BFV angesprochen und angeboten, dass man zusammenarbeitet, das rührt nicht aus schlechtem Gewissen“, betont der Coach: „Ich würde gerne mal in den Dialog kommen. Es ist mir wirklich wichtig, zu sprechen und dass man aneinander arbeitet.“

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