Schiller verzichtet auf Roadtrip

Bodensee statt Kalifornien

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Marcel Schiller ist jetzt deutscher Handball-Nationalspieler – und er träumt davon, auch bei der EM 2018 dabei zu sein. 

Bremen - Von Malte Rehnert. Es war schon alles gebucht. Die Reise nach San Francisco, der Roadtrip durch den US-Sonnenstaat Kalifornien – und dann kam Christian Prokop und durchkreuzte die Pläne von Marcel Schiller. „Eigentlich wäre ich schon im Urlaub gewesen“, verriet der 25-Jährige, „die Einladung kam sehr überraschend.“

Handball-Bundestrainer Prokop hatte den Linksaußen von Bundesligist Frisch Auf Göppingen in seinen Kader für das EM-Qualifikationsspiel gegen die Schweiz in Bremen berufen. Und natürlich war Schiller sofort Feuer und Flamme. „Meine beiden Kumpel müssen mir jetzt aus den USA eben Fotos schicken“, sagte er mit einem Schmunzeln. Er selbst fährt – weil die Vorbereitung im Verein schon am 10. Juli beginnt – ein deutlich abgespecktes Relax-Programm. „Ich werde nach London fahren“, erzählte Schiller, „und an den Bodensee“.

In seinen Ferien wird der Mann mit der Nummer 52 ausreichend Gelegenheit haben, sein vorzügliches Debüt im deutschen Nationaltrikot („Besser hätte es nicht laufen können“) Revue passieren zu lassen. Erst zur Halbzeit eingewechselt, avancierte der Rechtshänder auf dem linken Flügel beim 29:22 mit sieben Toren zum besten DHB-Torschützen – und durfte sogar gleich Siebenmeter werfen. 

„Er stand am dichtesten dran am Strich“, witzelte Prokop, fügte aber ernst an: „Er ist einer von fünf Schützen bei uns, die da unheimlich souverän sind. Das ist schon ein Luxus.“ Generell war der Bundestrainer mit seinem Neuling total zufrieden. „Marcel hat eine tolle Rückrunde gespielt, viel Dampf gemacht und sich die Nominierung absolut verdient. Seine Leistung hat mir sehr gut gefallen. Er hat mich überzeugt“, meinte Prokop, der froh war, auch andere Spieler mit wenig oder gar keiner Länderspiel-Erfahrung intensiv getestet zu haben: „Ich konnte beinahe alle Spieler aus unserem großen Pool persönlich kennenlernen.“

Am Freitagabend (19 Uhr) werden in Zagreb die Gruppen für die EM in Kroatien (12. bis 28. Januar 2018) ausgelost. Die Deutschen, verlustpunktfreier Erster ihrer Quali-Gruppe, sind dann – wie die Europäische Handballföderation EHF gestern mitteilte – einer von vier Gruppenköpfen. Kroatien, Frankreich oder Spanien fallen somit als Gegner erstmal weg. Allerdings könnte der Titelverteidiger gleich auf Dänemark, Norwegen oder Slowenien treffen.

Marcel Schiller wäre es vermutlich egal. Hauptsache, er schafft es irgendwie ins EM-Aufgebot. „Dafür werde ich natürlich alles tun“, sagte er, schränkte jedoch ein: „Es wird schwierig, denn auf meiner Position haben wir so gute Spieler.“ Allen voran Kapitän Uwe Gensheimer, der in Bremen fehlte, weil er schon im Urlaub war. Wie Schiller jetzt auch.

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