WAS MACHT EIGENTLICH . . . ? Nur kurzer Ausflug aufs Wasser / Fußball sein Leben

Biedermann rudert zügig zurück

So oder ähnlich sah das vor gut 29 Jahren aus: Axel Biedermann (li.) kam mit dem Rad zur Melchiorshauser Anlage, wo ihn der damalige Trainer Klaus Feierabend erblickte. Kurze Zeit später trug Biedermann das Trikot der Blau-Weißen und stieg mit ihnen gleich in die Verbandsliga auf.
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So oder ähnlich sah das vor gut 29 Jahren aus: Axel Biedermann (li.) kam mit dem Rad zur Melchiorshauser Anlage, wo ihn der damalige Trainer Klaus Feierabend erblickte. Kurze Zeit später trug Biedermann das Trikot der Blau-Weißen und stieg mit ihnen gleich in die Verbandsliga auf.
  • Gerd Töbelmann
    vonGerd Töbelmann
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Melchiorshausen – Das sollte es sportlich gewesen sein? 2016 musste Axel Biedermann seine Fußballer-Karriere beenden. Das Knie machte nicht mehr mit, und beruflich war er als Geschäftsführer einer Firma im Metallhandel auch mehr als ausgelastet. Biedermann, der unter anderem fünf Jahre lang für den TSV Melchiorshausen in der Landes- und Verbandsliga Bremen gespielt hatte, war aber auch schon 54 Jahre alt. Da kann man ja schon mal mit dem Fußball aufhören.

Nicht aber mit dem Sport. Zusammen mit seinen Melchiorshauser Kumpels Ingo Wiggert, Thorsten Schulz und Ralf Linke suchte er sich eine ganz andere Herausforderung: Rudern. Das hat ja nun wirklich nichts mit einem Ball zu tun. Biedermann klärt auf: „Beim RC Hansa Bremen an der Weser haben sie einen Ruder-Schnupperkurs angeboten. Das alles lief auf dem Trockenen und noch ohne komplette Ruderblätter ab. Das hat uns gut gefallen, weil wir da auch was zusammen machen konnten.“

Rudern an Land ist etwa so wie ein Fisch ohne Wasser. Es war klar, dass die Freunde dann auch aufs Wasser wollten – mit richtigen Ruderblättern. „Das auf dem Wasser war eine ganz andere Nummer, denn das Gleichgewicht zu halten, war nicht einfach“, erinnert sich der 58-Jährige. Einmal pro Woche traf sich der Vierer dann am Bootshaus, um der neuen Leidenschaft nachzugehen. Aber die erste Euphorie verging bei den passionierten Ex-Fußballer dann doch recht schnell, denn nach nur einem Jahr war der Ausflug aufs Wasser auch schon beendet.

Seitdem ist Biedermann, der ohne sportliche Betätigung nicht sein kann, aber keineswegs tatenlos. Die rund 30 Kilometer zu seiner Arbeitsstelle in Bremen absolviert er sehr oft mit dem Rad. „So bleibe ich fit und nehme auch nur in Maßen zu“, sagt Biedermann und schmunzelt dabei.

Aber seine große Liebe war der Fußball. In Schwachausen fing alles an, ehe Biedermann ab 1986 für fünf Jahre nach Südafrika ging. Dort arbeitete er in Kapstadt für eine Firma, die sich auf den Import von Maschinen für die Schuhindustrie spezialisiert hatte. In Kapstedt und auch in Durban spielte er aber auch Fußball, ehe es 1991 zurück nach Deutschland und dann wieder zum TuS Schwachhausen ging. Doch mittlerweile war da eine neue Führungs-Crew im Amt, mit der der Rückkehrer nichts anzufangen wusste.

Und dann kam nicht so recht gewollt der damalige Landesligist Melchiorshausen ins Spiel. Und das mehr oder weniger durch Zufall. Biedermann schaute mal mit dem Fahrrad auf dem Sportplatz an der B 6 vorbei, um seinem Kumpel Thorsten Schulz zuzuschauen. Und da wurde er vom damaligen Trainer Klaus Feierabend entdeckt. „Ich kannte einen so guten Spieler wie Axel natürlich und habe mich gefragt, warum der denn mit dem Rad da war.“

Feierabend zählte eins und eins zusammen, erfuhr, dass Biedermann zu der Zeit in Erichshof wohnte und stellte zusammen mit Spartenleiter Herwig Sündermann den ersten Kontakt her. „Die waren echt schnell. Ich wollte weg aus Schwachhausen. Da kamen Weyhe, Brinkum und eben Melchiorshausen infrage. Dass es Melchiorshausen geworden ist, habe ich nie bereut“, erinnert sich der jetzt 58-Jährige.

Und es kamen viele Erfolge dazu. Mit der ersten Herren glückte ihm schon im ersten Jahr in der Saison 91/92 der Aufstieg in die damalige Verbandsliga (jetzt Bremen-Liga). Mit 32 Jahre wechselte er zu den alten Herren und wurde unter anderem Landesmeister. Dann ging es in die Ü 40, wo Biedermann satte elf Jahre spielte und viele Staffeltitel einsammelte. Mit 51 Jahren folgte noch einmal eine neue Herausforderung beim TSV Lahausen, wo sein ehemaliger Mitspieler Eckhard Funck noch Spieler suchte. Biedermann wechselte und wurde mit Lahausens Ü 50 unter anderem Kreismeister. Mit 54 Jahre war dann jedoch Schluss mit Fußball.

Nach seinem Intermezzo mit den Freunden beim Rudern lässt ihn der Fußball (und da vor allem der TSV Melchiorshausen) aber auch heute noch nicht los. Zusammen mit den schon erwähnten Freunden Linke und Schulz ist Biedermann stetiger Gast beim Ristedter Vorbereitungsturnier um den „Württemberg-Cup“. „Leider wurde der in diesem Jahr abgesagt. Sonst treffen wir uns da immer auf ein Bier und schauen unseren Nachfolgern zu“, grinst Biedermann. Einen wie ihn zu seiner besten Zeit könnte der jetzige Trainer Lars Behrens sehr, sehr gut gebrauchen.

Von Gerd Töbelmann

Der Melchiorshauser Vierer mit Steuermann. Auf dem Bild legen sich ins Zeug (v.l.): Steuermann Ingo Wiggert, ein Trainer des RC Hansa Bremen, Ralf Linke, Thorsten Schulz und Axel Biedermann.

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